Der Brief an Georg Erdmann

 

Einfach lecken und dicht ist der Umschlag: das gab es um 1700 noch nicht. Ordentlich falten, Siegellack heiß machen, Lack drauf auf den Umschlag, Siegelring oder Siegel am Stängel eindrücken, trocknen lassen so ging das damals.

 

So sah es in etwa aus, als ein Brief von Johann Sebastian in Danzig ankam. Allerdings, für die Historiker unter Ihnen: es ist kein Danziger Briefträger und im Hintergrund ist eben auch nicht Danzig. Und die Herren auf ihren Pferden reiten außerdem vier Jahre zu früh.

 

 

 

Wer ist denn Georg Erdmann?

 

Es gibt kein Bild von Georg Erdmann. Dafür gibt es das Stück gemeinsamen Lebenslauf der beiden Freunde Erdmann und Bach in Bildern ihrer Freundschaft hier bei "Bach über Bach". Begonnen hat die Freundschaft sehr wahrscheinlich in Ohrdruf, denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich beide bereits in Eisenach kannten und Johann Sebastian Bach mit Bruder und Freund nach Ohrdruf zog.

 

Johann Sebastian Bach lernt Georg Erdmann sehr wahrscheinlich in Ohrdruf kennen und besucht mit ihm dort die Schule, als er bei seinem ältesten Bruder, Johann Christoph Bach wohnt. Nachdem der Bruder den Platz in seinem Haus braucht, weil sich weiterer Nachwuchs ankündigt – und aus weiteren Gründen – entschließen sich die beiden Freunde, nach Lüneburg zu ziehen. Dorthin ... laufen sie. Es ist immerhin eine Strecke von runden 380 Kilometern.

 

Gemeinsam gehen Georg Erdmann und Johann Sebastian Bach dort zur Schule. Bis sich ihre Wege 1702 trennen. Während Johann Sebastian Bach zurück nach Thüringen läuft, weiß man nicht mehr wohin der Weg von Georg Erdmann führt. Ganze 28 Jahre vergehen, bevor der Nachwelt vom Fortgang der Freundschaft zwischen den beiden Jugendfreunden ein einziges Dokument erhalten ist. Auch die Antwort auf Bachs Bitte ist nicht überliefert.

 

Lüneburg, gemeinsamer Studienort der Freunde Georg Erdmann und Johann Sebastian Bach. So mag es ausgesehen haben, als Bach und Erdmann sich im Jahr 1701* der Stadt Lüneburg genähert haben.

 

Das Rathaus der Bachstadt Lüneburg im Wandel der Zeit. Auf der Suche nach Illustrationen zum Kapitel "Der Brief an Georg Erdmann" bot sich diese Trilogie an Bildern an - und wenn Sie gerade nichts Besseres zu tun haben viel Freude daran: dieses Bild ist von 1700 ...

 

... dieses von 1850 ...

 

... und schließlich eines von 1900.

 


 

Der Brief an Georg Erdmann

 

Das Leipzig des Johann Sebastian Bach. Im Jahr 1730 entschloss sich der Thomaskantor, nachdem er inzwischen sieben Jahre für den Leipziger Rat arbeitete, den Brief an Georg Erdmann zu schreiben.

 

Teuer empfand Johann Sebastian Bach das Leben in Leipzig, wie er in seinem Brief an den Jugendfreund Georg Erdmann schrieb.

 

Was ist denn die Singende Muße an der Pleiße? Zuerst einmal ist es der Titel eines Buches. Dann, weiterhin, ist es ein Bild, nämlich der Schutzumschlag. Die Pleiße wiederrum fließt durch Leipzig. Viertens vermutet man im Bild das Ehepaar Bach. Sie wissen, welches? Das ist übrigens kein Laptop auf dem Tisch vor Frau Bach. Und falls Sie sich in dieser Bildgröße schwer tun das Bild darunter ist ein Ausschnitt. Ungeklärt ist bis heute nicht nur die Frage, wer der Herr ohne Kleider unter dem Tisch ist, sondern auch, warum er keine Kleider trägt. Und was er dort tut. Übrigens ist es das einzige Bild von Anna Magdalena, dem die Bach Wissenschaft nicht widerspricht.

 

Kein Laptop, keine Reiseschreibmaschine. Sondern im Ernst eine tragbare Orgel.

 

Der Auerbachs Hof in Leipzig um 1780, sicherlich sah er um 1740 nicht wesentlich anders aus.

 

Das Gotische Tor in Leipzig.

 

Es ist das Jahr 1730. Johann Sebastian Bach ist seit sieben Jahren in Leipzig und er bedauert seine Entscheidung,  1722 Köthen verlassen zu haben und nach Leipzig gegangen zu sein. Dort hat man ihn als dritte Wahl schließlich wohl oder übel eingestellt, weil man, wie die Leipziger Chronik berichtet, eben mit "einem Mittelmaß" zufrieden sein musste, wenn man schon keinen Musiker der ersten Riege verpflichten konnte. Der Wortlaut hier ist sinngemäß. Deshalb sucht Johann Sebastian Bach nach einem anderen Ort, um sein Geld zu verdienen. Und er besinnt sich seines ehemaligen Schulfreundes, mit dem er damals von Ohrdruf aus nach Lüneburg wanderte und dort gemeinsam die Schule besuchte: Georg Erdmann. Georg Erdmann arbeitete inzwischen in Danzig.

 


 

Johann Sebastian Bach an Georg Erdmann

 

Der "Erdmann-Brief" im Original, Seite 1.

 

Der "Erdmann-Brief" im Original, Seite 2.

 

Dieser Brief an Georg Erdmann ist der einzige private Brief, der von Johann Sebastian heute noch erhalten ist. Man findet ihn im Original in Berlin. Aus ihm wissen wir um die Lebenshaltungskosten in Leipzig und wie sich Bach damals mit den Anfeindungen vonseiten des Stadtrates, seinem Arbeitgeber, gefühlt hat. Aus diesem Brief von Bach an Georg Erdmann.




Eine solche Briefmarke klebte ganz sicher nicht auf dem Brief an Georg Erdmann, den Johann Sebastian Bach 1730 verfasste. Denn die erste Briefmarke, früher hießen sie Postwertzeichen, gab es erst 1840, also ganze 110 Jahre später. Briefmarken wurden übrigens erfunden, um die Beförderungskosten vom Absender kassieren zu können und um den Transport von Post nicht nur für Reiche bezahlbar zu machen. Und wen das nun ganz genau interessiert, der klicke bitte genau hier. War da noch was? Ja. Der Herr im Bild hat die Post natürlich in Nürnberg ausgetragen, zwar um 1700 aber eben nicht in Danzig und auch nicht in Leipzig.

 

Wer hat's erfunden? Er hat's erfunden. Sir Rowland Hill, Mitglied der britischen Regierung. Er gilt als Urheber der ersten aufklebbaren Briefmarke. Und wann war das? 1840.

 


 

 

Auf dieser Seite ist für Sie aufbereitet, wie Forschen in kleinen Schritten funktioniert. Wenn man in uralten Dokumenten unterwegs ist und auf Schriftstücke stößt, die einem wie Schätze erscheinen - besser: die Schätze sind.

 

Klar und fast des Hinweises nicht wert: der Erdmann-Brief ist kein von mir gefundener Schatz. Aber gerade weil er das einzige Schreiben seiner Art ist, ist er unter Bach-Kennern bekannt. Und ist ganz sicher Jedem in Erinnerung, der eine Biographie über Johann Sebastian Bach gelesen hat.

 

Trotzdem: an ihm lässt sich herrlich verdeutlichen, welche Herausforderung Funde von alten Dokumenten mit sich bringen: die Lesbarkeit, die alte Schrift, die damals ganz andere Sprache, die selben Worte mit anderer Bedeutung. Machen Sie sich den Spaß und versuchen Sie zunächst, ein paar Zeilen des Original-Briefes von Bach zu lesen. Gelingt Ihnen das nicht, dann entfernen wir in einer ersten Überarbeitung die Herausforderung der Handschrift unseres Meisters. Sie bekommen den Erdmann-Brief im Wortlaut und in einer altdeutschen Schrift. Ja, ich weiß – einer nachempfunden altdeutschen Schrift.



Eine Postkutsche: die Zeit stimmt sicherlich nicht ganz aber das Thema trifft sie zu 100 %.

 


 

Der Brief an Georg Erdmann - in jeder nächsten Version besser zu lesen

 

Klappt das dann immer noch nicht, gibt das Ganze anschließend in Arial. Ich meine, Arial heißt die Schriftsorte, die Ihnen - und klar doch – auch mir heute geläufiger ist. Und wenn sich das dann immer noch ein wenig unverständlich liest, dann gibt es den Brief an Georg Erdmann noch von einem Profi überarbeitet. Dieser Profi ist Martin Schlu und er engagiert sich kompetent und umfassend im Internet. Ich habe ihn gefragt, er ist einverstanden und so können Sie den Brief an Georg Erdmann, den Schulfreund von Johann Sebastian Bach in einem Deutsch lesen, wie es sich anhört, hätte der Thomaskantor ihn gestern in die Tastatur getippt. Dankeschön, Martin Schlu. Und hier geht es zur Homepage von Martin Schlu.

 

Und in nur drei Varianten haben Sie Glück. Ausgesprochenes Glück. Denn für die englischen und amerikanischen Besucher der "Bach on Bach" Website gibt es sogar eine Variante mehr - Sie ahnen es. Die Englische. Allerdings – fangen die mit den ersten zwei Varianten natürlich herzlich wenig an. Also gilt einmal wieder: Amerika – du hast es besser. Und wer hat's gesagt? Nicht Johann Sebastian Bach richtig, weder J.S., noch ich. Richtig, Goethe war's gewesen. Johann Wolfgang von.

 

Also, kurz nach den Bildern folgt er noch einmal, der Erdmann-Brief, nun besser lesbar – aber immer noch in damaligem Deutsch.

 


 

Der Brief an Georg Erdmann – für Sie in drei Varianten



Danzig ist schon 1730 eine beeindruckende Stadt, in der der Jugendfreund von Johann Sebastian Bach, Georg Erdmann zu dieser Zeit ein kaiserlich-russischer "Agent" ist.

 

Der Hafen von Danzig.

 

Rathaus und Markt in Danzig.

 

Die Börse in Danzig.

 

Das - sind nicht die Erdmanns! Aber so so das damals aus, wenn Post ankam. Nicht das hektisch Einwerfen und Weiterziehen von Briefkasten zu Briefkasten. Nein, kam ein Brief, versammelte sich die Familie und und empfang den Postboten mit herzlichen Rufen ...

 


 

Bachs Brief an Jugendfreund Georg Erdmann – hier und jetzt gerne bitte in verständlichem Deutsch

 

Und hier und jetzt die Überarbeitung von Martin Schlu für Bach-Fans. Genau so würde sich Johann Sebastians Brief an Georg Erdmann wohl heute anhören. Und auch in dieser Version gibt es bereits schon wieder Formulierungen, die sich im Stadium der Veränderung befinden, denn Termini wie "sich die Freiheit nehmen" kommt sicherlich bald ganz aus der Mode, Briefe beschließt man nicht mehr und "verehrte Freunde" weichen neuen, jüngeren Ausdrücken und in zwanzig Jahren werden sie sicherlich ganz verschwunden sein. Hier also nun der Brief in einer zeitgemäß konsumierbaren Version:

 

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