Johann Sebastian Bach: eine Kurzbiografie, 25 Minuten Spaß!

Johann Sebastian Bach, wie er in Eisenach neben dem Bachhaus und dem Bach-Museum als dritte Sehenswürdigkeit des Ensembles steht. Hier als Stahlstich passend zur viertlängsten meiner Kurzbiographien über Johann Sebastian Bach. 

 

Bach Kurzbiographie mit Bach Musik – Probieren Sie es 'mal anders!

 

Schalten Sie sich zum Lesen dieser kleinen Biografie doch auch noch die himmlische Musik von Johann Sebastian Bach hinzu. Die Lautstärke drehen Sie ganz weit herunter also sehr leise machen Sie sie eben zu einer Hintergrundmusik, während Sie lesen. Zu dieser Kurzbiografie bei "Bach über Bach" gibt es ein schönes Werk des Meisters nach dem anderen. Extra mit kleinen Pausen dazwischen und ganz weichen Ausklängen der Musikstücke. Lassen Sie sich jetzt doch einfach von zwei Bachs entertainen.

 

 

In diesem Bachort beginnt die Geschichte der Musikerfamilie des Johann Sebastian Bach in Thüringen: in Wechmar, direkt in der Nachbarschaft der Bachstadt Gotha.

 

Wechmar ist Bachort und auch Gotha ist Bachstadt. Aber: beides sind keine "Johann Sebastian Bachstädte" dieser Hinweis nur, um keine Verwirrung zu stiften.

 

Johann Sebastian Bach entstammt einer Musikerfamilie. Genauer: der berühmtesten Musikerfamilie der Welt. Diese Familie wirkte vornehmlich in Thüringen, aber auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in den Regionen in einem sehr großen Radius rund um Erfurt. Die Wurzeln der Bache, wie man sie damals nannte, führen nach Wechmar. Der Bachort ist eine kleine Gemeinde bei Gotha. Noch heute spiegeln die Gene der Bach-Nachfahren, die in Thüringen, über ganz Deutschland verteilt, aber auch in den Niederlanden und sogar in den USA leben, die Musikalität und die musischen Fähigkeiten dieser Ausnahme-Familie wider. Zwischen 1600 und 1800 sind Dutzende dieser Bache Kantoren, Organisten und Stadtpfeifer. Sie spielen in Kirchen, zu Festen, auf Hochzeiten und Begräbnissen, in Hofkapellen oder sie bauen Musikinstrumente. Veit Bach ist Stammvater der Familie und bis heute ist es ungeklärt, ob er aus Ungarn nach Thüringen zurück kam oder ob die Familie aus Ungarn stammt. Letzteres scheint ausgeschlossen. Bereits Veit Bach spielt das Cithrinchen, eine frühe Art der Zitter, zum Takt der Mühle. Johann Sebastian Bach erinnert sich selbst an die Erzählungen seiner Eltern. Und die wissen es von deren Großeltern. Der Sohn von Veit ist ein Johannes Bach oder auch Hans Bach genannt. In Wechmar ist er nicht nur Bäcker, sondern auch Spielmann. Er ist "Bach, der Spielmann". Johann Sebastian Bach erwähnt auch ihn in seiner "Chronik der musicalisch-Bachischen Familie", einer Zusammenstellung von 53 Bachs, von denen fast alle Musiker sind. Er selbst stellt diese Liste zusammen, die es heute noch gibt, allerdings in der Handschrift seiner Enkelin. Johann Sebastian Bach erstellt diesen "Ursprung", wie er unter Bach-Begeisterten genannt kurz genannt wird, 1735, als er 50 Jahre alt ist.

 

Im Schatten der Wartburg: Die Geburtsstadt eines Meisters

 

© Henry Czauderna / fotolia.com

Die Wartburg: Stolz thront sie über der Bachstadt Eisenach, dem Geburtsort von Johann Sebastian Bach.

 

Johann Sebastian Bach ist das jüngste von acht Kindern. Von diesen acht sterben allerdings drei, bevor Johann Sebastian diese Tragik bewusst erlebt. Eine erste Erfahrung mit dem Tod macht Johann Sebastian Bach im Alter von sechs Jahren, als wieder ein Bruder stirbt. Der Vater von Johann Sebastian Bach ist Johann Ambrosius Bach, Stadtpfeifer in Erfurt und später auch in Eisenach. Hoftrompeter ist er auch, und zwar in der Kapelle der Herzöge von Sachsen-Eisenach. Mutter von Johann Sebastian ist Maria Elisabeth Bach, eine geborene Lämmerhirt. Die Stadt, in der Bach das Licht der Welt erblickt, ist Eisenach. Das dortige Bachhaus ist allerdings nicht das Geburtshaus. Doch genau das vermutete man Jahrzehnte lang. Als Bach geboren wird, ist der Julianische Kalender noch gültig und so gibt es lange Zeit auch Unklarheit darüber, wann Bach tatsächlich geboren ist. Schließlich einigt man sich auf den 21. März 1685, und zwar nach dem Gregorianischen Kalender. In der heutigen Luthergasse, damals heißt sie Fleischgasse, vermutet man aktuell das Geburtshaus von Johann Sebastian Bach – leider existiert aber genau dieses Haus heute nicht mehr. Zwei Tage nach seiner Geburt wird Johann Sebastian Bach getauft.

 

Musizieren mit dem Papa in Eisenach

 

Bachstadt Eisenach: das Lutherhaus ganz in der Nähe des Marktplatzes. Nur drei Minuten läuft man vom Bachhaus Richtung Marktplatz je nachdem, wie fit man ist.

 

Eisenach 1685. Das sind nur etwa 6.000 Einwohner. Aber es existiert eine bedeutende Musiktradition. Eisenach ist Residenzstadt der Fürsten von Sachsen-Eisenach. Deren Hofkapelle begeistert damals Musiker in einem weiten Umkreis. Bekannte Namen verbindet man heute noch mit diesen Musikern der Herzöge von Eisenach-Sachsen, so Pachelbel, Eberlin und auch Telemann. Einen Teil seiner Kindheit verbringt Johann Sebastian Bach in Eisenach und erhält dort neben dem Unterricht vom Vater bereits erste Einweisung in das Orgelspiel. Und zwar von einem Cousin des Vaters, der Organist der Eisenacher Georgenkirche ist. Man nimmt an, dass Bach auch die Grundlagen des Violinespiels von seinem Vater erfährt. Im Alter von acht Jahren besucht Johann Sebastian die Lateinschule in Eisenach, auf die bereits Martin Luther ging.

 

Früh fleißig – früh alleine

Die Mutter von Johann Sebastian Bach stirbt im Mai 1694, er ist gerade einmal neun Jahre alt. Kurz darauf heiratet sein Vater Ambrosius noch einmal. Es ist die Witwe Barbara Margareta Bartholomäi, geborene Keul. Doch wenige Monate nach dem Tod der Mutter stirbt auch der Onkel von Johann Sebastian. Weil sich beide Zwillingsbrüder, Vater und Onkel, so ähnlich sind, stürzt das den Vater in eine solche Trübsal, das auch er kurz darauf stirbt. Johann Sebastian Bach ist bereits mit zehn Jahren Vollwaise. Die zweite Frau von Ambrosius Bach will das Amt ihres Mannes mit Hilfe der Stadtpfeiffergesellen weiter versehen, erhält dafür aber nicht die Genehmigung der Stadt Eisenach. So kann sie nicht mehr ausreichend für Johann Sebastian und dessen Geschwister sorgen. Das sind immerhin vier Kinder, die aus der ersten Ehe von Ambrosius überlebt hatten. Johann Sebastian zieht mit seinem älteren Bruder Johann Jacob zu seinem ältesten Bruder nach Ohrdruf.

 

Ausgesprochen imposant: Johann Sebastian Bach. In der Bachstadt Eisenach am Frauenplan mit dem Bachhaus und dem Bach-Museum eine der drei Sehenswürdigkeiten eines Bach-Ensembles.

 

Ohrdruf – die Reise des Lebens für Johann Sebastian geht weiter

 

Dreizehn Jahre älter ist der Bruder von Johann Sebastian Bach. Johann Christoph Bach ist zu dieser Zeit Organist an St. Michaelis in der kleinen Bachstadt Ohrdruf. Er übernimmt ab sofort die Erziehung und die musikalische Weiterbildung seines jüngeren Bruders. Er konzentriert sich bei Johann Sebastian dabei auf Tasteninstrumente und spätestens hier beginnt Bachs Leidenschaft für Musik und auch für Instrumente im Allgemeinen. Ebenfalls in Ohrdruf lernt Johann Sebastian Bach nicht nur erste Übungen auf der Orgel, er lernt auch über deren Aufbau und deren Mechanik, ganz wesentlich für seine spätere Karriere.

 

Ab 1697 wird die Orgel an der Michaeliskirche in Ohrdruf umgebaut und man nimmt an, dass Bach auch hierbei lernbegierig weitere Kenntnisse erwirbt, die später von großem Nutzen sind. In seinen ersten Berufsjahren wird man einmal seine Expertise als Orgelbaufachmann achten und er wird auch einmal dieses Instrument spielen, wie nach ihm kein anderer mehr auf der Welt. Johann Sebastians Bruder arbeitet damals am Umbau dieser Orgel in Ohrdruf mit und unter dessen Aufsicht darf der junge Bruder die Orgel natürlich auch spielen.

 

Der junge Johann Sebastian Bach singt dazu auch im Chor mit. Die Schule, genauer das Lyzeum, besucht er bis zur Prima. Überliefert ist, dass Bach in der Schule in Ohrdruf gute Noten hatte. Hier lernt er auch seinen Freund Georg Erdmann kennen, der in drei Lebensabschnitten eine wesentliche Rolle spielt. Als man den Erfolg von Johann Sebastian Bach später mit ihm analysieren will und ihn dazu befragt, ist die Aussage überliefert: "Ich habe fleißig seyn müssen, wer eben so fleißig ist, der wird es eben so weit bringen können". Die Lehrfächer damals sind Latein und Griechisch, Mathematik und Geographie, Katechismus und Religion – fast selbstverständlich bei Bach – die evangelische Religion! Ein Schüler-Stipendium trägt dazu bei, dass Bach sich am Unterhalt der Familie seines ältesten Bruders beteiligen kann, denn sein Bruder hat selber bereits einige Münder zu ernähren. Als Ausgleich für dieses Stipendium hatten diese Schüler die Kinder der Eltern zu unterrichten, die dafür die Geldmittel zur Verfügung stellten.

 

Gemütlich, aber unbedingt sehenswert: die Bachstadt Ohrdruf. Ohrdruf ist die zweite Station auf der Reise des jungen Johann Sebastian Bach durchs Leben.

 

In dieser Zeit in Ohrdruf passiert auch eine kleine amüsante Geschichte, von der der berühmte Nekrolog auf Bach berichtet. Der Nekrolog war früher, was ein Nachruf heute ist. Dieser Nekrolog wird allerdings einer breiten Öffentlichkeit erst ganze vier Jahre nach Bachs Tod bekannt, nämlich 1754.

 

Johann Sebastian Bach will eine Notensammlung von Johann Christoph mit Werken damals berühmter Musiker abschreiben. Aber sein großer Bruder, der eine Überforderung von Johann Sebastian vermeiden will, verwehrt ihm diesen Wunsch. Er verschließt dieses Notenheft in einem Schränkchen. Allerdings ist es ein Möbel mit Gitterstäben, durch die eine kleine Kinderhand gerade noch so hindurch passt. Also wartet der junge Johann Sebastian viele Vollmondnächte ab, denn nur in diesen hat er nachts genügend Licht zum Lesen und zum Schreiben. Er schleicht sich aus seiner Schlafstube hin zu diesem Schränkchen. Er entnimmt ihm das Notenheft und schreibt es ab. In vielen Nächten. Danach legt er die Notenam Ende seiner heimlichen Arbeitwieder in das Schränkchen zurück. Doch als Johann Sebastian Bach eines Tages zu geistesabwesend aus diesen Kopien übt, bemerkt der ältere Bruder, was vorgegangen ist, als er früher nach Hasue kommt als geplant. Er nimmt Johann Sebastian dessen Werk ab und gibt es dem kleinen Bruder danach nie mehr zurück. Doch auch diese Maßnahme kann keinen Streit zwischen den beiden Brüdern entfachen. So bleiben beide bis zu Johann Christophs Tode in gutem Kontakt. Mehr noch: so wie ihn sein ältester Bruder in großer Not bei sich aufnahm, so bietet auch Johann Sebastian später dem Sohn des Bruders vier Jahre lang ein Heim.

 

Der eine große Komponist über den anderen großen Komponisten. Ludwig van Beethoven hat nicht nur diese kurzen, prägnanten Worte über Johann Sebastian Bach gesagt: ein Denkmal von zweien zur Familie Bach in der Bachstadt Ohrdruf.

 

Von Ohrdruf: ab in den Norden

Unerwartet kommt der Verlust des Stipendiums für Johann Sebastian Bach in Ohrdruf und ohne dieses Geld kann auch der große Bruder nur unter größter Entbehrung weiterhin für ihn sorgen. Mit aus diesem Grund, aber es ist nicht der einzige, entscheidet sich Johann Sebastian, damals erst 14 Jahre alt, mit seinem Schulfreund Georg Erdmann zu einem nächsten Kapitel in beider Leben nach Lüneburg aufzubrechen. Nach Lüneburg bestanden bereits zuvor familiäre Kontakte und der akademische Standard der dortigen Partikularschule ist weitaus höher als der des Lyzeums in Ohrdruf. Auch der Schulkantor von Ohrdruf, Herder, hatte früher in Lüneburg gelernt - und zwar ebenfalls an der Michaelisschule. Sicherlich hatte Herder auch in Ohrdruf von der eigenen Schulzeit berichtet. Im hohen Norden, in Lüneburg – damals noch Ausland – erhält Johann Sebastian Bach ebenfalls einen Freiplatz, was ihm Kost und ein Dach über dem Kopf garantieren. Nach Lüneburg laufen Bach und Erdmann. Immerhin sind das über 350 Kilometer.

 

Lüneburg ist in der Bachgeschichte nicht irgendeine Stadt. Lüneburg ist Bachstadt und sie ist sogar eine "Johann Sebastian Bachstadt".

 

Ohne Navi nach Lüneburghin und zurück

Man weiß heute, dass Johann Sebastian Bach seine Geige mit nach Lüneburg nahm. Erste Eintragungen zu Bach und auch zu Freund Erdmann findet man in den Lüneburger Mettengeldzahlungen: es ist ein Vermerk am 3. April 1700. Beide verpflichten sich, Mettenchordienst zu tun. Dafür müssen sie im Gegenzug kein Geld für Kost und Logis bezahlen. Damit ist Johann Sebastian Bach der Erste in dieser berühmten Musikerfamilie, der eine höhere Schulausbildung zu Lasten einer Musikausbildung absolviert. Er qualifiziert sich auch – ebenfalls als Erster der Familie – damit sogar für ein Universitätsstudium. Fast selbstverständlich schließt er die Schule 1702 in Lüneburg erfolgreich ab. Georg Böhm beieindruckt Bach zu dieser Zeit musikalisch. Auch der ist Komponist zu dieser Zeit und gleichzeitig Kantor an St. Johannis in Lüneburg. Sein Einfluss auf Bachs Werk lässt sich noch heute bei wissenschaftlicher Analyse vermuten. Sicher – ist das allerdings nicht. Mindestes vermerkt Bach auf einem seiner eigenen Werke den Hinweis auf Böhme: "Böhme descriptum ao. 1700, Lunaburgi". Lüneburg liegt vor den Toren Hamburgs und die Entfernung in die Hansestadt an der Elbe ist für Bach mit 60 Kilometern nur gering, verglichen mit dem Weg von Ohrdruf in den Norden. Und so zieht es Bach nach Hamburg, um sich dort das Orgelspiel von Johann Adam Reincken anzugehören. Natürlich geht Johann Sebastian Bach wieder zu Fuß. Reincken ist Organist von St. Katharinen. Und Bach will sich im Spiel an der Orgel weiterbilden. Die Orgel in der Katharinenkirche ist eine der schönsten, die es in Norddeutschland gibt, und sie hinterlässt bei Bach einen ganz besonderen Eindruck. Zurück nach Lüneburg. Der erwähnte Nekrolog berichtet noch aus dieser Lüneburger Zeit, dass Bach ".... sich durch öftere Anhörung einer damals berühmten Capelle, die der Herzog von Celle unterhält, und die "mehrenteilts aus Frantzosen besteht, im Frantzösischen Geschmack fest zu setzen" weiterbildet. Diese Kapelle spielt in Lüneburg. Und in der Residenz des Herzogs Georg Wilhelm kann Bach sie hören und studieren.

 

Ostern 1702 bis 1703 verlieren sich die Spuren von Johann Sebastian Bach, nachdem er die Schulzeit in Lüneburg beendet hat und, wieder 350 Kilometer, nach Süden zurück nach Thüringen wandert. Auch deshalb, weil er ja mit der Ausbildung und den verbundenen Verpflichtungen inzwischen Kost, Unterkunft und das wenige zusätzliche Geld nicht mehr bekommt und ab sofort in Lüneburg mindestens ein Zimmer und sein Essen hätte selbst bezahlen hätte müssen. Eine vorläufige Unterkunft Bachs vermutet man bei seiner älteren Schwester in Erfurt, vielleicht auch nochmals und kurzfristig wieder bei seinem ältesten Bruder in Ohrdruf. Von einer ersten Bewerbung weiß man aus einem Dokument, dass sich Johann Sebastian Bach als Organist in Sangerhausen bewirbt. Und dort will ihn der Rat auch einstellen. Allerdings setzt sich der dortige Herzog Johann Georg von Sachsen-Weißenfels über die Entscheidung des Rates hinweg – und vergibt diese Stelle an seinen jungen Hofbediensteten und späteren Opernkomponisten Johann Augustin Kobelius.

 

Weimar zum Ersten

Im März 1703, vielleicht auch ein paar Tage früher, beginnt Johann Sebastian Bach seine Arbeit als Lakai und Violinist in der Kapelle des Regenten Johann Ernst von Sachsen-Weimar. Anlässlich einer Orgelprobe in Arnstadt – Bach war ja zuvor bereits nachThüringen zurück gekommen und zunächst ohne Anstellung gewesen, hatte er genügend Zeit gehabt, sich hier und dort vorzustellen – gelingt es ihm, eine erste Verbindung zum Rat der Stadt Arnstadt herzustellen.

 

Zweimal war Johann Sebastian Bach in Weimar - und wenn man sich Mühe gibt, dann findet man auch sein Denkmal dort.

 

Arnstadt: unsere Bachstadt Nummer 1

Am 9. August 1703 – also nur vier, beziehungsweise fünf Monate nach seinem Arbeitsbeginn in Weimar – erhält Bach eine "richtige Stelle" in Arnstadt. Und zwar ohne weiteres Probespiel: es ist die Bestallung zum Organisten der Neuen Kirche in Arnstadt. Sein Gehalt ist für Bachs Alter, für seine Erfahrung und auch gemessen am Gehalt des Vorgängers ungewöhnlich hoch. 50 Gulden Grundgehalt sowie 30 Gulden für Kost und Logis. Zuständig ist er anfangs nur für das Orgelspiel. Später wird er auch zu einer Zusammenarbeit mit dem Chor des örtlichen Lyceums verpflichtet. Man vermutet, dass Bach in diesen Wochen des Jahres 1703 auch bereits seine Cousine zweiten Grades kennenlernt, Maria Barbara Bach. Maria Barbara ist Tochter des in Gehren sehr bekannten Organisten Johann Michael Bach. Ob dies allerdings zu dieser Zeit der Fall war - oder ob er Maria Barbara schon vorher bei einem der jährlichen Bach Familientreffen zum ersten Mal sieht - das bleibt bis heute ein Geheimnis. Mindestens verliebt er sich sehr wahrscheinlich während seines ersten Aufenthalts in Weimar oder in seiner Zeit in Arnstadt in sie.

 

Unser Herz schlägt für diese Bachstadt. Von Arnstadt sind wir begeistert. Und so sieht Johann Sebastian Bach das Rathaus noch heute.

 

Johann Sebastian Bach und der "längste Urlaub der Welt"

Noch heute ist ein Ereignis in der Bach Geschichte sowohl von höchster musikalischer Bedeutung, wie auch ein spannender Grund für einen Streit für manchen Biographen in mehreren Jahrhunderten. Im Oktober 1705 will Bach nach Lübeck wandern. Immerhin ein Weg, noch weiter entfernt als der von Ohrdruf nach Lüneburg, nämlich ganze 470 Kilometer. Bach möchte nach Lübeck, um dort ganz offiziell den damals schon berühmten Dieterich Buxtehude zu hören und zu studieren. Nun wusste Bach recht genau, wie lange der Hinweg zu Fuß dauern würde - im Herbst, mit bereits kurzen Tagen und schlechtem Wetter. Das bedeutete aufgeweichte, also verschlammte Straßen und Wege. Und schlimmer noch würde der Rückweg werden, der dann im tiefen Winter, nämlich nach dem Ende des geplanten und beantragten Besuches im November stattgefunden hätte. Bei noch schlechteren, auch vielleicht vereisten, verschneiten und verschlammten Straßen. Und bei noch noch kürzerem Tageslicht.

 

Bach beantragt vier Wochen Urlaub - und erhält die Genehmigung. Ob er nun von vornherein nicht vorhat, pünktlich wieder zurück zu sein, oder ob es  verschiedenste Gründe waren – es ist heute mindestens wert, für einen Moment über die Person Johann Sebastian Bach nachzudenken. Fakt ist, er hatte in Arnstadt für einen hochwertigen Stellvertreter in der Zeit seiner Abwesenheit gesorgt. Fakt ist aber auch, dass er erst im Laufe des Januars wieder in Arnstadt zurück ist. Eine Verspätung von runden acht Wochen. Natürlich bekommt Bach beim Studium des Spiels von Buxtehude wesentliche musikalische Eindrücke und wahrscheinlich spielt er auch auf der berühmten, alten Totentanz-Orgel von St. Marien. Durch die Zeit bei Buxtehude aber ist der Ehrgeiz von Johann Sebastian Bach noch mehr entfacht. Noch heute lässt sich in den ersten Orgelwerken Bachs deutlich der Einfluss Buxtehudes erkennen. Auch Buxtehude ist von Bach angetan, ja begeistert. Und weil Buxtehude schon betagt ist und es an der Zeit ist, sich endlich um einen Nachfolger zu bemühen, ist Johann Sebastian Bach Buxtehudes erste Wahl. Allerdings ist es zu dieser Zeit durchaus üblich, mit der Übernahme eines Amtes auch die Tochter des bisherigen Organisten zu heiraten. Da Buxtehudes Tochter allerdings zehn Jahre älter als Johann Sebastian Bach ist und ganz vielleicht noch aus weiteren Gründen – man weiß das nicht – entscheidet sich Bach, doch wieder nach Thüringen zurück zu kehren. Wo Maria Barbara bereits wartet.

 

Locker flegelt der noch sehr junge Johann Sebastian Bach auf dem Platz vor dem Rathaus in Arnstadt herum. Seine Blickrichtung? Genau hin zum Rathaus der Bachstadt, so wie Sie das oben, auf dem letzten Bildchen, sehen können.

 

Geyersbach

Es ist in der Arnstädter Zeit, als ausgerechnet ein spektakulärer Vorfall dazu beiträgt, das spärliche Wissen um die Person von Johann Sebastian Bach durch die Jahrhunderte zu tragen und auszuschmücken. Bach ist verärgert über einen Chorschüler, der mutwillig die Chorprobe stört. Bach nennt ihn einen "Zippelfagottisten", damals durchaus eine etwas zu harte Titulierung. Einige Tage später, bei DunkelheitBach ist zu Fuß unterwegskommt ihm dieser Schüler mit dem Namen Geyersbach zusammen mit einigen Freunden entgegen. Die Chorschüler sind alle mit Prügeln ausgerüstet. Bach soll sich entschuldigen. Das will der aber trotz der Unterlegenheit nicht. Und weil es ganz sicherlich für Johann Sebastian Bach als Musiker, der nichts wichtiger als seine unversehrten Hände braucht, sehr bedrohlich istalleine die Anzahl von Fäusten und Zeugen ist ungünstigzieht Bach, ganz sicher nach der einen oder anderen Pöbelei der Jugendlichen, seinen Degen. Dieser Degen gehört damals zur Uniform des Musikers Bach am Hof in Arnstadt. Er zieht ihn - und es ist überliefert, dass er ihn nicht benutzt. Nochmals, es ist nicht unklar, ob er ihn benutzt. Es ist überliefert, dass er ihn nicht benutzt. Die Burschen und Geyersbach suchen das Weite. Soweit also die Geschichte mit Bach und dem Degen.

 

Sicher macht die Bachstadt Arnstadt heute wie auch damals bei Dunkelheit keinen gefährlichen Eindruck. Wenn man allerdings einen Störer als "Zippelfagottist" bezeichnet ...

 

Von Arnstadt nach Mühlhausen

Man weiß, dass Bach 1706 sein Capriccco sopra la lontananza del fratello dilettissimo komponiert. Wahrscheinlich zum Abschied seines Bruders Johann Jacob. Der schließt sich nämlich dem Gefolge des König Karl XII von Schweden in Stockholm an und begleitet diesen auf seinen Feldzügen im Nordischen Krieg.

 

Die verspätete Rückkehr von Johann Sebastian Bach aus Lübeck ahndet der Rat von Arnstadt nur mit einer Rüge. Allerdings gibt es einen weiteren Disput zwischen Bach und diesem Gremium. Man kritisiert das Verhalten von Johann Sebastian Bach gegenüber dem Chor und die Art, wie Bach die Orgel spielt. Und so wird er formell ermahnt, die Zwischenspiele, die Verzierungen und die Modulationen "...nicht befremdlich zu spielen und damit zu verwirren". Es wird ihm zudem auch ein Vorwurf gemacht, dem ein unglaublicher Vorfall zu Grunde liegt. Johann Sebastian Bach lässt eine "fremde Jungfer" auf der Empore in der Kirche singen. Für damalige Verhältnisse undenkbar. Ob es sich bei dieser "fremden Jungfer" um seine Cousine Maria Barbara handelt, wird nur vermutetet. Bestätigt ist es aber nicht. Weil das Verhältnis zum Rat immer schlechter wird, zieht es den jungen Johann Sebastian Bach zum nächsten Ort seiner Karriere. Ins runde 80 Kilometer entfernte Mühlhausen in Thüringen, in die "Stadt der Türme und Tore".

 

Mühlhauseneine Bachstadt mit beeindruckenden Kirchen: Hier hin geht Johann Sebastian Bach, als es in Arnstadt zu viele Reibereien mit dem Rat der Stadt gibt.

 

Am 24. April 1707 spielt Bach in Mühlhausen vor. Mühlhausen ist nicht nur freie Reichsstadt, sondern auch Hansestadt. Am 1. Juli 1707 tritt er dort seinen Dienst an der beeindruckenden Divi-Blasii-Kirche an. Als Organist. Sein Gehalt steigt und es ist erwähnenswert, dass Bach wieder mehr bekommt, und zwar nicht nur mehr, als in seiner vorherigen Position, das sowieso. Sondern er bekommt wieder mehr als sein Vorgänger in diesem Amt. 85 Gulden, dazu Naturalien und weitere Nebeneinkünfte aus den anderen Kirchen Mülhausens. Bach hält die Zeit für gut, Maria Barbara zu heiraten und es fällt auf, dass er dies weder in Mühlhausen, noch in Arnstadt tut. Sondern er heiratet Maria Barbara Bach, seine Cousine zweiten Grades in der heutigen Traukirche zu Dornheim. Dornheim ist eine winzige Gemeinde vor den Toren von Arnstadt.

 

Johann Sebastian Bach in Dornheim. Ein Geheimtipp: wenn Sie der Weg in die Bachstadt Arnstadt führt, "nehmen Sie Dornheim unbedingt mit". Das ist "Bogo": buy one, get one free. Dornheim liegt nur zwei Autominuten von Arnstadt entfernt und ist ein herrlicher Bachort. Zwei Minuten vom Stadtrand von Arnstadt zum Ortsrand von Dornheim.

 

Ein erstes, allgemein mit seinem Namen verbundenes Werk ist sicherlich die Ratswechsel-Kantate, die Johann Sebastian Bach 1708 zum feierlichen Anlass des wechselnden Rates der Stadt Mühlhausen auftragsgemäß komponiert. "Offizieller Name" der Kantate ist Gott ist mein König, es ist das Werk 71 im Bach Werke Verzeichnis, dem BWV. Erwähnenswert ist, dass es die einzige gedruckte Komposition von Bach aus dieser Zeit ist. Das ist deshalb der Fall, weil der Druck eines Musikwerkes damals eine ausgesprochen teuere Angelegenheit ist.

 

Weimar ruft – jetzt aber richtig!

 

Nur einen Steinwurf vom damaligen Wohnhaus von Johann Sebastian Bach entfernt liegt das Rathaus der Bachstadt Weimar.

 

Im Juni 1708 sind die Renovierungsarbeiten an einer Orgel in Weimar fast abgeschlossen und Johann Sebastian Bach reist in seiner Funktion als Orgelbau-Sachverständiger zum Hof des Herzogs Wilhelm Ernst nach Weimar. Selbstverständlich spielt Bach auch für den Herzog. Der hörte ihn an, ist vom Spiel Bachs begeistert und bietet ihm ganze 150 Gulden Gehalt an. Wieder zuzüglich Naturalien - ein großzügiges Angebot – wenn sich auch Bach selbst damit wieder vom freien Mann in einer freien Reichsstadt zu einem Lakaien degradiert, zu einem Leibeigenen, eben nicht zu einem Angestellten. Und da ein gewaltiger Stadtbrand in Mühlhausen in den vergangenen Monaten zu einem dramatischen Anstieg der Lebenshaltungskosten dort geführt hatte, entscheidet sich Johann Sebastian Bach abermals, seine berufliche Reise fortzusetzen. Schon einen Monat nach seinem Vorspiel vor dem Regenten und bereits ein Jahr nach seinem Amtsantritt in Mühlhausen, verlässt er die Stadt bereits wieder. Der Nachfolger von Johann Sebastian Bach wird ein Johann Friedrich Bach. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Bache - so nannte man sie damals - als Mitglieder dieser Familie, alleine durch die Zugehörigkeit zu dieser Familie bereits Musik-Qualität garantierten. Bach war demnach ein erster, sehr früher Markenname. Und noch lange, nachdem ein Bach ein Amt als Musiker bekleidete, nannte man solche Musiker Bache. Im Unterschied zum Abschied aus Arnstadt verlässt Johann Sebastian Mühlhausen in gutem Einvernehmen mit dem Rat der Stadt. Der Bürgermeister meint, "...wenn er ihn nicht halten kann, denn ziehen lässt...". 1709 und 1710 beauftragt dieses Gremium in Mühlhausen seinen ehemaligen Kantor nochmals mit Arbeiten zu Ratswechseln, zu denen Bach zwei weitere Kantaten komponiert. Beide werden sogar auf Kosten des Rats gedruckt, wie Dokumente überliefern. Allerdings sind diese beiden Kantaten, wie so viele Werke von Johann Sebastian Bach, ebenfalls verschollen.

 

In der ersten Julihälfte 1708 zieht Johann Sebastian Bach nach Weimar. Maria Barbara ist zu dieser Zeit zum ersten Mal schwanger und am 29. Dezember wird das erste Kind der beiden geboren. Es wird auf den Namen Catharina Dorothea getauft. Während dieser zweiten Weimarer Zeit kommen weitere fünf Kinder zur Welt. Zwei sterben bei der Geburt, die anderen erhalten, wie fast selbstverständlich, eine hervorragende Schulausbildung und alle besuchen nach der Schulzeit die Universität. Bach komponiert in diesem Jahrzehnt den größten Teil seines Orgelwerkes. Toccaten, Fugen – und das Orgelbüchlein entsteht, eine Sammlung von Choralvorspielen.

 

Im Februar 1713 spielt Johann Sebastian Bach zu den Feierlichkeiten des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels in Weißenfels und man nimmt an, dass dort möglicherweise die Jagdkantate zum ersten Mal aufgeführt wird, Bachs erste bekannte weltliche Kantate. Kirchliche Kantaten sind aus der frühen Weimarer Zeit kaum erhalten. Als Bach Ende des Jahres die Organistenstelle an der Marktkirche St. Marien und Liebfrauen in Halle angeboten wird, zögert er eine Entscheidung ganze vier Monate hinaus. Schließlich sagt er im März 1714 ab. Er selbst hatte Interesse an dieser Position gezeigt und ist dort auch zu einem Probevorspiel gewesen. Was allerdings letztlich zu seiner Absage führt, das weiß man nicht. Bach jedenfalls gibt an, dass die Besoldungshöhe nicht seinen Vorstellungen entsprach.

 

Bach wird Konzertmeister!

 

Das Stadtschloss in der Bachstadt Weimar.

 

Im März 1714 wird Bach im Alter von 29 Jahren zum Konzertmeister ernannt. Damit steht er in der Hierarchie zwar immer noch unter dem Kapellmeister und auch unter dem Vizekapellmeister, bekommt mit seinem Titel allerdings ein wesentlich höheres Gehalt als zuvorund auch als die beiden Kapellmeister. Verbunden mit dem Titel sowie dem höherem Salär ist allerdings, von nun an zusätzlich alle vier Wochen zum Gottesdienst eine Kirchenkantate zu komponieren. Die erste dieser Kantaten erklingt genau am 1. März 1714, dem Palmsonntag, der gleichzeitig Maria Verkündigung ist. Es ist der Titel: Himmelskönig, sei willkommen. Mindestens zwanzig weitere Werke komponiert Bach vereinbarungsgemäß und sie bilden später die Basis der Leipziger Kantatenjahrgänge. Welche Instrumente Bach in Weimar mit seiner Weimarer Hofkapelle bevorzugt, ist nicht überliefert. Denn diese historischen Noten und alle Unterlagen verbrennen beim großen Brand der Wilhelmsburg 1774.

 

Neun Jahre Weimar enden im Gefängnis

Johann Sebastian Bach pflegt in dieser Weimarer Zeit weiterhin seine Verbindungen, vornehmlich zu Musikern. Erwähnenswert ist der Kontakt zum Dresdener Musikdirektor Johann Georg Pisendel und man vermutet, dass diese Bekanntschaft Bach zur Komposition der sechs Sonaten und Partiten anregt. Nebenbei sei nochmals erwähnt, dass Bach in den Diensten des Herzogs in Weimar nichts anderes ist, als ein Leibeigener und nicht wie in der freien Stadt Mühlhausen ein freier Bürger. Auf der Hochzeit von Herzog August am 24. Januar 1716 in Nienburg lernt Johann Sebastian Bach den Neffen seines Dienstherren kennen. Es ist der junge Fürst Leopold von Anhalt-Köthen. Leopold ist neun Jahre jünger als Johann Sebastian Bach. Als 1717 der Hofkapellmeister in Köthen seinen Posten verlässt, unterschreibt Bach am 5. August 1717 einen Kontrakt als Kapellmeister in Köthen, ohne sich mit seinem derzeitigen Arbeitgeber in Weimar abzustimmen. Abstimmen heißt in der damaligen Zeit, den Herzog zu bitten – ihn um Erlaubnis zu bitten – ziehen zu dürfen. Als Bach dies zu einem späteren Zeitpunkt "nachholen" will, erhält er von seinem Regenten keine Antwort. Dem Wunsch nach einem Gespräch entspricht der Herzog ebenfalls nicht. Bach, der sich darüber sehr erregt und dies auch entsprechend kund tut, wird kurzerhand wegen seiner "Halsstarrigkeit" in Haft genommen und eingesperrt. Und zwar ganze vier Wochen lang. Damit geht Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar in die Geschichte ein - nicht durch sein Wirken, sondern einzig dadurch, dass er den begnadetsten Musiker der Erde einen Monat lang hinter Gitter steckt. Am 2. Dezember schließlich wird Johann Sebastian Bach in Ungnade entlassen - aus der Haft und auch aus seinem Dienstverhältnis in Weimar.

 

Köthen – ein Platz für die Ewigkeit

 

In Köthen gefiel es den Bachs. Johann Sebastian Bach selbst bestätigt, dass er sich in dieser heutigen Bachstadt durchaus vorstellen kann, sein weiteres Leben zu verbringen.

 

Köthen ist nicht nur das neue Zuhause für die Familie von Johann Sebastian Bach, sondern er ist dort endlich auch als Kapellmeister engagiert. Er ist jetzt Direktor der Kammer-Musiker. Am Hof in Köthen stehen ihm hervorragende Musiker zur Verfügung. Dazu begeistert sich Bach auch am Spiel des jungen Leopold, der selbst im Orchester als Violinist mitwirkt. Aus Sympathie zum ihm wird bald schon Freundschaft und beide Männer stehen sich sehr nahe. Wie nahe, kann man daran erkennen, dass beide Geschwister des Fürsten, August Ludwig und auch Eleonore Wilhelmine Taufpaten bei Bachs 1718 geborenem Sohn Leopold August sind. Mit der Unterzeichnung seiner Ernennungsurkunde zum Kapellmeister erhält Bach übrigens direkt und sofort 50 Taler, also zusätzlich zu seinem monatlichen Salär von 400 Talern und einem kleinen Mietzuschuss von weiteren 12 Talern.

 

Die Kapelle in Köthen ist ungewöhnlich und hervorragend. Mit siebzehn Musikern ist es eine ansehnliche Zahl an Künstlern im Verhältnis zur Bedeutung und der Größe des Hofes. Einige dieser Musiker hatten vorher für den preußischen König Friedrich Wilhelm I gespielt. Alleine daraus lässt sich auf deren Können schließen. Acht dieser Könner haben sogar Solisten-Qualität und den Rang eines Cammermusicus. Der Fürst sorgt außerdem für hervorragende Instrumente und Bach wird beauftragt, 1719 nach Berlin zu reisen, um dort ein Cembalo zu kaufen. Anlässlich dieser Reise lernt Johann Sebastian Bach den Marktgrafen Christian Ludwig kennen. Für ihn stellt er 1721 ältere, aber auch neue Instrumentalsätze als Six Concerts Avec Plusieures Instruments zusammen. Diese Zusammenstellung kennen Bach-Fans heute auf der ganzen Welt als Brandenburgische Konzerte.

 

Eines fehlt Bach in Köthen allerdings ganz sicher. Während seiner Zeit dort wird keine kirchliche Musik benötigt, denn nach reformierter Ansicht soll der Gottesdienst einfach und schlicht gehalten bleiben. Das ist eine der negativen Seiten an Bachs Arbeitsplatz in Köthen, wenn es denn überhaupt eine gab. Alles in allem aber ist Köthen der Platz, an dem sich Bach auch eine lange, angenehme Zukunft mit seiner Familie vorstellen kann. Zum ersten Mal. Über andere Bachstädte sind ähnliche Äußerungen von ihm nicht überliefert.

 

Köthen: Himmel und Hölle!

 

Johann Sebastian Bach auf dem Bachplatz in der Bachstadt Köthen. Vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Stadtmitte.

 

 

1720 entstehen die bekannten Werke Clavierbüchlein vor Anna Magdalena Bach, die Französischen Suiten und Das Wohltemperierte Klavier. Darüber hinaus noch unzählige Werke mehr. Aber 1720 ändert sich auch alles dramatisch, als Johann Sebastian Bach nach einer zwei Monate dauernden Reise mit seinem Fürsten nach Karlsbad zurück kehrt. Maria Barbara war in dieser Zeit nach kurzer Krankheit im Alter von nur 35 Jahren verstorben – woran, ist nicht überliefert. Und mehr noch: man hatte sie in der Zwischenzeit bereits beerdigt. Am 7. Juli 1720 war sie bestattet worden. Erst ganze 18 Monate später heiratet Johann Sebastian Bach ein zweites Mal. Manche Biografter zu geben und sicherlich auch, weil er Unterstützung im Haushalt benötigte. Das bezweifeln aber andere Autoren und verweisen darauf, dass Bach ganz sicher ein zweites Mal aus Zuneigung geheiratet hatte, war doch die zweite Frau selbst Musikerin und zwar eine sehr erfolgreiche. Darüber hinaus hatten sich Bachs Kinder sicherlich nach eineinhalb Jahren an ein Aufwachsen ohne Mutter gewöhnt. Im Dezember 1721 findet die Hochzeit von Johann Sebastian Bach mit Anna Magdalena, der jüngsten Tochter des Feldtrompeters in der Kapelle des Fürsten zu Sachsen-Weißenfels, Johann Kaspar Wilcke statt. 1720 war Anna Magdalena Wilcke als Sopranistin an den Köthener Hof gekommen. Dreizehn Kinder werden die beiden Bachs in den vielen kommenden Jahren bekommen und wenn es Sie nun interessiert, wie die alle hießen, dann schauen Sie bitte gerne hier und jetzt einfach einmal nach. Fünf dieser Kinder sterben allerdings schon früh und trotzdem wird diese Familie immerhin - nach und nach – um sieben Münder größer. Eines der Kinder ist ab der Geburt geistig behindert.

 

Was der Auslöser für eine "Schaffenskrise" nach dem Tod Maria Barbaras war, wie manche Autoren es sehen, wird nur vermutet. Die nachlassende  Begeisterung für Köthen hatte sicherlich mehrere gewichtige Gründe und ob es denn überhaupt eine Schaffenskrise war oder eine Depression – heute nennt man es Burn-Out - ist so unklar wie sicherlich verständlich:  die in Köthen nicht benötigte kirchliche Musik, die Traurigkeit im Zusammenhang mit der Erinnerung Bachs an seine Zeit mit Maria Barbara – Köthen erhielt diese Erinnerung natürlich an jeder Straßenecke am Leben – und auch, wenn er zum zweiten Mal ebenfalls aus Liebe heiratet – so war doch das Ende um seine erste Ehe sicherlich mit einem Trauma verbunden.

 

Zum musikalischen Erbe dieser Zeit ist, wie bereits erwähnt, auch das Clavierbüchlein zu zählen, das Johann Sebastian Bach für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann 1720 zusammenstellt. Viele von Bachs Werken aus dieser Zeit sind verschollen. Ausschlaggebend für Bach, sich schließlich doch von Köthen zu lösen, ist dann - neben den oben aufgeführten Gründen - ganz sicher die Heirat seines Freundes und Arbeitgebers Fürst Leopold. Der heiratet etwa um die selbe Zeit wie Johann Sebastian Bach. Allerdings ehelicht er eine Prinzessin, die der Musik keine Freude abgewinnen kann. Es ist eine Frau, die auch als "Amusa" beschrieben wird. Und so wie Leopolds Ehefrau kein Interesse an der Musik hat und damit natürlich auch nicht an der Musik von Bach, lässt auch das Interesse des Fürsten an Bachs hervorragender Leistung ab diesem Moment stark nach. Zudem steht inzwischen weniger Geld für die Musik zur Verfügung und schließlich sind Auseinandersetzungen zwischen Reformierten und Lutheranern in Köthen an der Tagesordnung. Bleibt letztendlich eine schlecht geführte Lateinschule, die Bachs Überlegungen heute erklären.

 

Eine Position in Hamburg für 4000 Mark

1720 bereits, also genau im Jahre des Todes von Bachs Maria Barbara, wird in Hamburg eine Organistenstelle frei: die zu St. Jacobi. Bach bewirbt sich um diese Position und bittet darum, ein Probespiel geben zu dürfen. Der Rat der Stadt lädt ihn ein, Bach spielt vor, doch sagt er kurze Zeit darauf ab. Denn zu dieser Zeit ist es üblich, sich in eine solche Position mit einem beträchtlichen Geldbetrag "einzukaufen". Zwar rentiert sich das in den folgenden Jahren durch die Differenz zur Besoldung, aber die Größe der Familie von Johann Sebastian lässt eine solche Überlegung nicht zu. Ganz sicher auch deswegen nicht, weil überhaupt Alles mit dem Tode seiner ersten Frau für Bach im Ungewissen liegt.

 

Leipzig forever!

 

Die Bachstadt Leipzig: eine Metropole, in der Moderne, Kultur, Musik und Tradition schon immer miteinander blühten.

 

In der Musikstadt Leipzig ist am 5. Juni 1722 eine Stelle vakant. Und zwar eine bedeutende Stelle, eine besondere Stelle: die des Thomaskantors. Nach einem ersten Probespiel - ohne Bach - bleiben drei Bewerber von Rang und Namen. Das sind der Kapellmeister Johann Friedrich Frasch, der Musikdirektor Christian Friedrich Rolle und Georg Philipp Telemann. Telemann bietet man in Hamburg darauf hin sofort eine Gehaltserhöhung an, so bleibt dieser im Norden. Der Rat von Leipzig schreibt darauf hin eine zweite Probe aus, an der nun auch Bach, dazu Georg Friedrich Kauffmann aus Merseburg sowie der Kapellmeister Johann Friedrich Graupner aus Darmstadt teilnehmen. Ein vierter Kandidat ist der Organist der Neuen Kirche zu Leipzig, Balthasar Schott. Kaufmann zieht seine Kandidatur zurück. Gewählt wird Graupner, nicht Bach. Graupner lehnt allerdings ebenfalls ab – muss ablehnen – weil ihm seine Entlassung verweigert wird. Der hessische Landgraf lässt ihn nicht ziehen. Und so wird Johann Sebastian Bach ganz offiziell "nur als dritte Wahl" der neue Thomaskantor zu Leipzig. Sinngemäß belegen die Akten der Stadt, dass der Rat der Ansicht ist, wenn er schon nicht einen der Besten bekommen könne, "...man sich dann eben mit einem Mann der Mittelmäßigkeit zufrieden geben müsse". Den Titel des Fürstlich-Köthenschen Kapellmeisters führt Bach allerdings auch weiterhin und er hat anlässlich von Festtagen noch Kontakt mit seinem Freund, Fürst Leopold, bis der mit 42 Jahren sehr früh stirbt.

 

Johann Sebastian Bach ist Thomaskantor

 

Johann Sebastian Bach vor der der Thomaskirche in der Bachstadt Leipzig.

 

Ende Mai 1723 beginnt Bach seinen Dienst als Thomaskantor in Leipzig. Er ist Kantor und Musikdirektor und somit verantwortlich für die vier großen Kirchen in Leipzig - die Thomaskirche, die Nikolaikirche, die Universitätskirche und die Evangelisch-reformierte Kircheund darüber hinaus natürlich auch für alle kleineren Kirchen. Dazu kommt die Vorbereitung für die Aufführung einer Kantate jeden Sonntag zum Gottesdienst und an den Feiertagen des Kirchenjahres. Außerdem ist er  für den Musikunterricht in der Thomasschule zuständig. Alle Internatsschüler sind verpflichtet, den Gottesdienst als Chorsänger mit zu gestalten. Allerdings ist das, was der bereits damals schon mehrere Hundert Jahre existierende Thomanerchor war, nicht ansatzweise, was er heute ist. Erst Johann Sebastian Bach macht ihn zu dem, was er noch heute ist: einer der berühmtesten Knabenchöre der Welt. Eigentlich kommt zu allen diesen Aufgaben auch noch das Unterrichten von Latein, aber Johann Sebastian Bach engagiert dafür, und zwar für die Hälfte seines festen Einkommens, den Konrektor der Schule, der Bach dieses Aufgabe abnimmt. Einen ganz wesentlichen Teil seiner Einnahmen erzielt Bach allerdings aus den damals üblichen Salären für die Komposition von Kantaten zu Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen. Allerdings muss auch gesagt sein, dass er mit dem scheinbar hohen Gehalt und den ebenfalls stattlichen Nebeneinkünften natürlich nicht nur eine auch damals relativ große Familie zu ernähren hatte, sondern ebenfalls, dass die Lebenshaltungskosten in einer Stadt wie Leipzig weitaus höher lagen, als in dem wesentlich überschaubareren Köthen.

 

Man nimmt heute an, dass Bach in den ersten Jahren pro Woche ganz sicher eines seiner Kantaten-Werke erschaffen hat. Zwei vollständige Jahrgänge sind überliefert. Der Nekrolog berichtet außerdem von drei weiteren. Insgesamt sollen es in diesem Zeitraum etwa 300 Kantaten gewesen sein, die Bach Woche für Woche komponierte, einübte und der Kirchengemeinde präsentierte. 1723 entsteht die zweite Fassung des Magnificat in Es-Dur. Für den Karfreitag-Gottesdienst des Jahres 1724 komponiert Johann Sebastian Bach sein bis dahin bedeutendstes Werk, die Johannes-Passion. Anfang 1725 begegnet er zum ersten Male Christian Friedrich Henriciauch ein Leipzigerder sich als Dichter Picander nennt. Der liefert dann auch den Text zur Matthäus-Passion, die 1727 zum ersten Male uraufgeführt wird. In der Tageszeitung wird dieses Ereignis allerdings am nächsten Tag mit keinem einzigen Wort erwähnt, obwohl die Matthäus-Passion heute für Viele das bedeutendste Musikwerk des Christentums überhaupt ist.

 

1729 übernimmt Bach die Leitung des Collegium musicum, das Telemann 1701 gegründet hatte. Das Collegium musicum ist ein Ensemble aus Studenten, das deutsche und italienische Instrumental- und Vokalmusik aufführt. Bach schreibt hierfür mehrere weltliche Kantaten. Seine Bauernkantate und seine Kaffeekantate sind Beispiele des damit verbundenen humoristischen Einschlags seiner Musik. Wöchentlich einmal, während der Leipziger Messe auch zweimal pro Woche, werden im Kaffeehausgarten des Zimmermannschen Caffee-Hauß in der der Katharinenstraße, das im zweiten Weltkrieg zerstört wurde, abends solche Konzerte gegeben.

 

Ernesti 1 – Gesner – Ernesti 2

Ausgehend von der Geringschätzung Bachs durch den Rat der Stadt Leipzig, über fast unerhörte Vertragsbedingungen bis hin zu den ständigen Streitereien und Reibereien, ist das Leben für Bach in Leipzig 27 Jahre lang ein Auf und Ab in ausgesprochen langen Zyklen. Lokalpolitische Rangeleien, Kompetenzprobleme, Intrigen, Revierkämpfe und ausgesprochene Interesselosigkeit des Arbeitgebers kommen zu den Herausforderungen von Bachs Alltags hinzu. Dazu kommt, dass sich Johann Sebastian Bach erstens einem anfangs wenig leistungsfähigem Orchester, zweitens dem Chor als ausgesprochener Herausforderung und drittens dem Schulunterricht gegenüber sieht.

 

Vier starke Parteien streiten und verbünden sich in Leipzig. Das sind die amtierenden und agierenden Honoratioren der Stadt: der Rat sowie die Rektoren der Thomasschule und der Universität. So ergeht es Bach besser, schlechter und auch besonders schlecht. Da ist zuerst der Stadtrat, der Bach eingestellt hat und den er des Öfteren anruft, um Missstände zu verändern. Als Nächstes ist es der Rektor der Thomasschule und Bachs direkter Vorgesetzter. Bereits der erste Rektor mit dem Namen Ernesti veranlasst Bach, sich intensiv mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, Leipzig wieder zu verlassen. Das ganze Ausmaß von Bachs Depression wird im berühmten Brief von Johann Sebastian Bach an seinen Schulfreund Georg Erdmann deutlich, in dem er ihm berichtet, warum er Köthen verließ. Er berichtet natürlich auch, wie schäbig man ihn in Leipzig behandelt. Und er bittet ihn nachdrücklich, ihm bei der Suche eines neuen Arbeitsplatzes behilflich zu sein. Erst als der Rektor Ernesti schließlich vom Nachfolger Johannes Matthias Gesner abgelöst wird, bedeutet das für Bach einige wenige entspannte Jahre. Nur um dann, nachdem Gesner nach Göttingen berufen wird, ein zweites Mal mit einem Rektor der Thomasschule, ausgerechnet wieder mit dem Namen Ernesti konfrontiert zu sein. Wenn sich die Probleme damit auch ähneln, ist der selbe Name beider Ernestis allerdings reiner Zufall: Ernesti 1 und Ernesti 2 sind nicht verwandt. Schließlich ist die Universität der Stadt Leipzig eine vierte gewichtige Macht in diesem Miteinander und Gegeneinander in der Musikmetropole.

 

Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen dem Rektor der Thomasschule, dem Rat und Johann Sebastian Bach, wenn man ihn denn an einem berühmten Vorgang ausmachen möchte, ist der sogenannte Präfekten-Streit. Der füllt in dieser Epoche nicht nur die historischen Bücher der Stadt bis zum Abwinken, sondern auch die unterschiedlichste Anzahl von Seiten in mancher Biographie seit 250 Jahren. Zusammen mit der Überlieferung, dass Bach einst seine Perücke nach einem Schüler geworfen haben soll, führt er zur meiner Meinung nach falschen Einschätzung Bachs als Querulant und Choleriker. Unpassend in dieser Kurzbiographie sei trotzdem angemerkt, dass ein Mensch wie Bach kaum annehmen konnte, dass das Werfen seiner Perücke nachhaltigen Eindruck hinterlassen würde. Wenn also eine Koryphäe wie er, der in diesem erwähnten Brief an Erdmann sinngemäß schreibt, dass manche "...Schüler, keinen Ton gerade heraus bekommen..." und man sich diese dann im selben Raum mit dem begnadetsten Musiker der Erde vorstellt, dann kann man vielleicht verstehen, das selbst der ruhigste Mensch gelegentlich zu einem Ausrutscher neigt. Dass dieser Perücken-Wurf sein Ziel verfehlen würde, wusste Bach ganz sicher beim Abwurf. Dass man noch tausend Jahre nach seinem Tod darüber lamentieren wird, ganz sicher nicht. Kommentar Ende. Die erste, noch lange unvollständige Fassung der H-Moll Messe entsteht. 1935 komponiert Johann Sebastian Bach das Oster-Oratorium.

 

Königlich-Polnischer Hofkomponist

1736. Der Präfektenstreit. Präfekten leiten den Gottesdienst in den vier großen Kirchen Leipzigs. Es sind ältere und reifere Schüler. Rektor Ernesti 2, dessen Zuständigkeit das ganz sicher nicht ist, benennt jedoch einen aus persönlichem Kalkül: Krause 1. Zunächst akzeptiert das Bach. Als er aber nicht zufrieden ist, entlässt er ihn. Um es kurz zu machen: der Rektor stellt ihn wieder ein. Bach verbietet dem den Dienst aber noch einmal, aber schließlich haben alle anderen Schüler Angst, Bachs Weisung zu befolgen und Bachs Einteilung auszuführen. So kommt es, dass Bach nicht nur den Gottesdienst in dieser Zeit selber leitet, sondern sich in dieser Sache auch beim Rat darüber förmlich beschwert. Krause 2, Ersatz für Krause 1, wie Ernesti 1 und Ernesti 2 nicht verwandt und nicht verschwägert, ist kein Ersatz für Krause 1. Bach beschwert sich - einmal wieder - beim Rat. Aber der Rat teilt Bachs Ansicht nicht, denn Krause 1 ist Sohn aus dem Kreis der Honoratioren von Leipzig. Bach allerdings interessiert nur die Musik, das Komponieren, der Gottesdienst - nicht das politische Taktieren, das Ränkespiel, die Auseinandersetzung um Macht und Position. Aus diesem Streit geht Bach mehr als jemals zuvor als klarer politischer Verlierer hervor. Man "demontiert" den Thomaskantor regelrecht. Viele Biographen und Bachkenner sehen - nach diesem Streit – ein Zurückziehen Bachs aus dem öffentlichen Wirken. Nicht mit einem großen Eklat – eher nach und nach. Zu erwähnen ist bei diesem Streit am Rande, was für Bach allerdings von größter Bedeutung ist. Nämlich, dass er just in dieser Zeit endlich die lang ersehnte und beantragte Ehre des Königs erhält, sich schließlich "Königlich Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer Compositeur bey Dero Hoff-Capelle" nennen zu dürfen. Kein finanzieller Vorteil ist damit verbunden, aber das Prestige ist von Nutzen in Leipzig. Darüber hinaus hofft Johann Sebastian Bach, dass man ihn nun auch nach Dresden ruft. Diese Hoffnung allerdings – erfüllt sich nicht.

 

Vier berühmte Söhne

In seiner Zeit in Leipzig ist Johann Sebastian Bach fast dreißig Jahre lang auch ein gefragter Privatlehrer. Oft und lange leben Schüler mit seinen eigenen Kindern in einer großen Familie unter einem Dach mit den Bachs zusammen. Einer dieser Schüler, Altnikol, heiratet später sogar Bachs Tochter Liesgen. Für Johann Sebastian Bach ist bei der Ausbildungsowohl seiner eigenen Söhne, wie auch bei seinen Schülernwichtig, sie zu hervorragenden Musikern und Komponistensowohl an den Höfenwie auch im Kirchendienst heranzubilden. Besonders gelungen ist ihm das bei vier seiner Söhne, von denen mindestens fünf großes, musikalisches Talent besaßen. Vier von ihnen werden zu deren Zeiten später sogar noch berühmter, als es der Vater Johann Sebastian Bach in Leipzig ist. Lediglich einer, Bachs Sohn Bernhard, der zunächst ebenfalls Musiker wird, macht dem Thomaskantor große Sorgen. Eines Tages verschwindet er und hinterlässt dem Vater sogar etliche Schulden, die der allerdings begleicht. Von seinem "missratenen Sohn" spricht Johann Sebastian Bach denn auch in einem seiner wenigen persönlichen erhaltenen Schriftstücke. Natürlich verwendet Bach für seinen Unterricht eigene Werke und fasst sie auch als Clavierübung I bis IV zusammen. Später veröffentlicht er sie auch.

 

Wie erwähnt, meinen einige Biographen ab etwa 1740 ein Nachlassen im Schaffen und Erschaffen von Werken Bachs entdecken zu können. Andere sindwie immerganz anderer Meinung. In diesem Jahrzehnt reist Bach viel. Während einer dieser Reisen erkrankt Anna Magdalena schwer und mit der Erinnerung an den Verlust von Maria Barbara eilt Johann Sebastian Bach 1741 von einer dieser Reisen aus Berlin nach Leipzig zurück. Ebenfalls im Jahr 1741 führt ihn der Weg nach Dresden. Dort überreicht er sehr wahrscheinlich die Goldberg-Variationen an Hermann Graf Keyserlingk. 1742 komponiert Bach die heute auch dem Namen nach sehr bekannte Bauernkantate für den Grafen von Dieskau. 1744 schließlich veröffentlicht er den zweiten Teil des Wohltemperierten Klavier. Im Jahr 1746 beendet er die Leitung des Collegium musicum.

 

Zwei ganz Große der Geschichte 

1747 krönt schließlich eine ganz besondere Reise das Leben von Johann Sebastian Bach. König Friedrich der Große lädt Bach nach Potsdam und Berlin ein, wo zur selben Zeit Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel Bach Mitglied der Hofkapelle ist. Dort angekommen, lässt ihm der König kaum eine Viertelstunde Zeit und beordert ihn, noch im Reiserock, ins Schloss. Er stellt Johann Sebastian Bach der kleinen Gesellschaft, mit der er regelmäßig abends musiziert, vor: "Meine Herren, der alte Bach ist da." Er bittet Bach, zu improvisieren. Auf verschiedenen Instrumenten. Und zwar nach einem Thema, das sich der König selbst ausgedacht hat. Bach verspricht, für ihn anlässlich dieses Besuches, das vom König vorgegebene Thema in einer Fuge auszuführen. Das soll dann sogar in Kupfer gestochen werden - ein teurer Spaß zu dieser Zeit. Aus diesem Versprechen heraus entsteht das Musikalische Opfer, eine Zusammenstellung von zwei Fugen, zehn Kanons und einer Trisonate. Alles zum selben Thema. Johann Sebastian Bach widmet dieses Werk dem König. Eine Bezahlung allerdingserhält Bach vom König nichtund eine Äußerung dazu genau so wenig.

 

Eines der letzten Werke, die Bach komponiert, ist Die Kunst der Fuge, die er bis 1749 immer wieder überarbeitet. Er vollendet in dieser Zeit auch seine berühmte H-Moll-Messe. Den letzten Choral schreibt er nicht mehr selbst. Er diktiert ihn seinem Schwiegersohn Altnikol in die Feder: Vor deinen Thron tret' ich hiermit.

 

Blind ...

Fest steht, dass Bach in seinen letzten Jahren zunehmend an einer Augenkrankheit leidet. Heute nimmt man den grauen Star an, Auslöser war nicht sicher ein Schlaganfall oder aber auch Diabetes. Das letzte Schriftstück von Bach datiert aus dem September 1949. Bach ist zeitlebens kurzsichtig und nachdem nun die Linsentrübung hinzu kommt, entscheidet Bach, sich einer Operation zu unterziehen. In dieser Zeit ist ein berühmter Okkultist, ein sogenannter Starstecher, der Brite John Taylor, in Leipzig. Der operiert Bach. Diese Operation schwächt Bach erheblich und die Medizin dieser Zeit tut ihr Übriges. Doch dieser Eingriff bleibt erfolglos. John Taylor versucht sich ein zweites Mal - nochmals ohne Erfolg. So wird Bach das folgende halbe Jahr nicht in der Lage sein, auch nur ansatzweise wie gewohnt zu arbeiten, noch begeistert zu komponieren. Im Juli schließlich, eines Morgens, scheinen sich seine Augen erholt zu haben - Johann Sebastian Bach kann wieder sehen. Nur damit wenige Stunden später – noch am selben Tag – ein Schlaganfall, wahrscheinlich ein zweiter, seinen schon angeschlagenen Gesundheitszustand weiter drastisch verschlechtert. Kurze Zeit darauf wird Johann Sebastian Bach von seinem ranghöchsten Arbeitgeber zu sich berufen. Es ist der Abend des 28. Juli 1750, fünfzehn Minuten vor neun Uhr.

 

Ehre, wem Ehre gebührt?

Viel Aufwand betreibt man nicht um die Beerdigung von Johann Sebastian Bach. Man verscharrt ihn mehr oder weniger, gräbt ihn später wieder aus, beerdigt ihn an einem anderen unbedeutenden Platz. Schließlich exhumiert man ihn ein weiteres Mal und bettet ihn schließlich an dem Platz zur letzten Ruhe, der dem Können, der Bedeutung und der Größe des Thomaskantors Johann Sebastian Bach entspricht: direkt in der Nähe des Altars in der Thomaskirche zu Leipzig.

 

Das Grab von Johann Sebastian Bach in der Thomaskirche: Tausende Bach-Fans aus aller Welt pilgern zu diesem Platz in Leipzig.

 

 

Blick ins Kirchenschiff der Thomaskirche. Man sieht vom Altar über Bachs Grab hinweg. Im Hintergrund die Orgel.


 

Das Grab von Johann Sebastian Bach ist rund ums Jahr mit Blumen geschmückt, mit denen Liebhaber seiner Musik den Komponisten noch nach über 250 Jahren ehren.


 

Seine dritte Ruhestätte und auch die endgültige! Das Grab von Johann Sebastian Bach in der Thomaskirche der Bachstadt Leipzig.

 

Vergessenheit, Wiedergeburt und für die New York Times die Nummer 1

Anna Magdalena verbringt die verbliebenen zehn Jahre ihres Lebens in relativer Armut. Bachs Werk geht – niemals allerdings für Musiker, aber eben doch für eine breite Bevölkerung – verloren. Sie verschwindet einfach in der Bedeutungslosigkeit. Mehr noch, etwa neunzig Prozent seiner Musik sind deshalb wahrscheinlich für immer verloren. Auch die verbleibenden zehn Prozent werden viele Jahrzehnte kaum noch wahrgenommen. ´Mehr als ein dreiviertel Jahrhundert lang! Bis Felix Mendelssohn Bartholdy, selbst begnadeter Komponist und Bach-Begeisterter, die Matthäus-Passion auf den Tag genau 101 Jahre nach ihrer Uraufführung wiederaufführt. Über 260 Jahre nach dessen Tod bezeichnet schließlich die New York Times Johann Sebastian Bach als den größten Komponisten aller Zeiten. 

 

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A  n  z  e  i  g  e  !


 

99 Musik-Kalender, das sind 33 Musik-Kalender für Kinder, 33 Komponisten-Kalender und 33 Bach-Kalender