Bach-FAQ 114

 

Wollte Johann Sebastian Bach denn nun nach Halle? Oder wollte Bach nicht nach Halle?

 

Zu den 100 wichtigsten Bach-FAQ.

 

Auf den Punkt: noch heute ist es eines der ganz großen Mysterien, warum Bach nicht nach Halle zog und dort lebte und arbeitete.

 

Halle, und zwar das Halle an der Saale, ist zu allererst Händelstadt. Aber Halle ist auch ein klein wenig Bachstadt. Eine Bachstadt der Kategorie C. Hier können Sie ganz kompakt etwas mehr über diese schöne City erfahren, zum Beispiel warum sie heute eine der 33 Bach-Locations ist. Mit einem Klick hier sind Sie schon dort. Natürlich gibt es wie immer auch ausführliche Information, nämlich bei Wikipedia und über Google. Unter dem Stichwort "Halle" präsentiert sich die Stadt noch vor dem Wiki: hier geht's zur Homepage der Stadt Halle. Mit zwei Keywords "Händel und Halle" tummeln sich dann noch das Sachsen-Anhalt-Wiki, Wikivoyage und Wikitravel ganz vorne. Doch ... Händel ... das ist ja nicht das Thema hier und eben auch ... heute für Sie.

 


Halle ist Händelstadt und Halle ist außerdem auch noch eine Bachstadt

 

Erwähnenswert auch: "Halle + Händel" führt Sie außerdem zur Seite "Händel in Halle", zu den Händel-Festspielen in der Georg-Friedrich-Händel-Halle und zu den Händel-Festspielen, einem weiteren Wiki. Die Homepage der Stiftung Händel-Haus Halle rundet unser Angebot hier ab. Dazu gibt es außerdem auch einen Artikel der nmz ... der neuen musikzeitung. Geschrieben tatsächlich mit kleinen Anfangsbuchstaben. Der Titel des Artikels: "Vor 300 Jahren: Johann Sebastian Bach wollte Organist in der Stadt Händels werden".

 

 


Wollte Bach als Organist nach Halle? Wollte er das wirklich?

 

Johann Sebastian Bach gibt Fans und Wissenschaftlern wirklich regelmäßig – und das in allen Disziplinen – große Rätsel auf. Ein ganz großes Mysterium ist seit fast genau 300 Jahren auch die Episode zum Thema "Ein Job in Halle". Mangels persönlicher J.S.-Bach-Korrespondenz bleibt bis heute verborgen, warum sich Bach in Halle um einen Posten bewarb ... und ihn dann doch nicht wollte. Wie immer, wenn genaue Fakten fehlen, gibt es aber Wahrscheinlichkeiten. Sie orientieren sich am Verhalten Bachs in anderen Situationen, an Quellen, die sich mit einer ganz unterschiedlichen Thematik beschäftigen und an Recherchen zu Personen, die im Umfeld Bachs eine Rolle spielten. Wie zum Beispiel des Organisten in Halle, Zachow. Und natürlich ... auch an Unterlagen in Halle.

 

Spannend ganz am Rande ist mindestens die bestätigte Tatsache, dass Bach Händel unbedingt in Halle besuchen wollte und ihn dabei kennenlernt. Dreimal waren sich die beiden ganz großen Musiker wirklich nahe und dreimal funktionierte es nicht. Wissenswert ist auch, dass Händel zu seiner Zeit international sehr bekannt war, im Gegensatz zu Bach, dessen Bekanntheit im Ausland bei Weitem die Händels nicht erreichte. Und außerdem ist spannend, dass Händel im Gegensatz zu Bach wohlhabend gewesen ist, Ach ja, hier geht es übrigens gleich zum Meister aus Halle. Zum Händel-Haus, das inzwischen, in unserer Zeit – herausgeputzt – wirklich etwas hermacht.

 

Interessant ist ebenfalls, dass Händel nur wenige Wochen vor Bach geboren wurde, und zwar in Halle, er aber erst viele Jahre später als Bach starb. In London. Und zwar 1759. Er wurde also – gemessen an der damaligen Lebenserwartung – richtig uralt. Im Gegensatz zu Bach, der mit 65 Jahren "nur" sehr alt wurde. Beide Musik-Stars litten übrigens am grauen Star und beide Komponisten wurden vom selben John Taylor aus London operiert. Aber damit nun genug Händel auf dieser Bach-Homepage.

 

By Omits (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons.

Der Marktplatz in Halle heute: Beinahe wäre Halle tatsächlich eine Bachstadt – allererster Güte – geworden.

 

By The original uploader was Bettenburg at German Wikipedia (Own work) [CC BY-SA 2.0 de], via Wikimedia Commons.

Halle hat 237.000 Einwohner und vor allem: Halle ist schön! Bachs ganzes Leben wäre wohl völlig anders verlaufen, hätte er diesen Job in Halle einst angenommen. Er hatte ihn durch die Entscheidung des Stadtrates ja bereits verbindlich "in der Tasche". Im Bild oben sieht man das Stadthaus Halle.

 

By The original uploader was Neue Residenz e.V. at German Wikipedia (Serresches Stammbuch.) [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ANeue_residenz.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Die Händelstadt Halle: Überall wo Johann Sebastian Bach damals auftrat, hatte er die Begeisterung auf seiner Seite. So auch nach seinem Vorspiel in der Metropole an der Saale, Halle. Deshalb ist Halle heute immerhin ja eine unserer Bachstädte der Kategorie C.

 


Warum reiste Bach nach Halle? Was meinen Wissenschaftler dazu? Warum entschied sich Bach später gegen Halle?

 

Wer könnte eines der Bach-Rätsel besser lösen, als ein Bach-Wissenschaftler? Selbstverständlich kann sich jeder Bach-Fan, jeder Bach-Autor, jeder Bach-Biograf und eben auch jeder Bach-Wissenschaftler auf der Basis der bekannten Fakten seine eigene Meinung bilden. Letztlich allerdings fehlen immer überzeugende, schriftliche Beweise für beinahe jede These. Und so "blüht" auch die Interpretation zu Johann Sebastian Bachs Bewerbung und späterer Absage in dieser schönen Stadt. Und das seit runden 300 Jahren. Aufsätze wurden geschrieben und veröffentlicht und Deutungen von Bachs Verhalten publiziert. Ausgerechnet ein Wissenschaftler aus Moskau stellt aktuell die mit Abstand wahrscheinlichste Variante zum Thema "Bach in Halle" vor. Aber – wir erinnern uns – nichts ist einfach zum Thema Bach. Dieser Wissenschaftler und Autor stellt das nicht etwa in einem Buch mit dem Titel "Bach in Halle" vor. Nein das Buch heißt "Zachows Kantaten" und handelt von einem ganz anderen Musiker, nämlich von einem der Schüler Händels. Überhaupt nichts im Buchtitel lässt also vermuten, dass ganze 100 Seiten dem Thema Bach gewidmet sind, genauer: dem Thema "Bach in Halle" – und das auch noch in deutscher Sprache.

By Hochgeladen von --Nightflyer (talk) 20:07, 18 June 2009 (UTC) (Eigener Scan und Bearbeitung) [Public domain], via Wikimedia Commons.

Eine Briefmarke, herausgegeben von der damaligen DDR. Es ist Halle, zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Das bedeutet, dass sowohl Händel, wie auch Bach die Stadt so gekannt haben. Bach allerdings, besuchte Halle erst einige Jahrzehnte später.

 


Doktor Vladimir Stadnitschenko aus Moskau im fernen Russland

 

Wer ist Dr. Wladimir Stadnitschenko, und wie kommt ein russischer Musik-Wissenschaftler in Moskau, immerhin eine Autofahrt von fast 20 Stunden von Halle entfernt dazu, über ein so deutsches Thema zu schreiben? Und das mit nachgewiesenen Quellen, die die Richtigkeit seiner Ausführungen besser belegen, als jede Überlegung zuvor? Lesen Sie dazu einige Zeilen dieses Wissenschaftler, dieses Doktors aus Russland, Herrn Wladimir Stadnitschenko, wie man seinen Namen hier in Deutschland schreibt. Übrigens: Wer sich mehr für diesen Könner aus Moskau interessiert findet ihn – beinahe natürlich – heute auch auf Facebook. Auf seiner deutschen Facebook-Seite hier, auf seiner englischen Variante und auf seiner russischen Facebook-Präsenz.

 

Das spannendste Buch auf der Welt zum Thema "Bach in Halle" – kein Wort auf dem Umschlag oder sogar im Titel weist auf diesen Schatz zum Thema Johann Sebastian Bach hin: 100 Seiten JSB-Expertise. Bestellen können Sie das Buch im Buchhandel oder direkt im Verlag Peter Lang Publishing. Hier gibt's natürlich für Sie bereits den hinterlegten Link zum Buch und der Titel für Bach-Liebhaber sollte eigentlich heißen "Zachows Kantaten Bach und Halle".

 


Lust auf mehr Johann Sebastian Bach in Halle? Eine Ausführung vom Autor selbst in einigen Zeilen

 

Vor fast dreihundert Jahren, im Spätherbst 1713 bewarb sich der damals 28-jährige  Amtskollege, der Weimarer Hoforganist "wohlgelehrter und ehrenwertester“ Herr Johann Sebastian Bach um die vakante Stelle Friedrich Wilhelm Zachows (1663-1712) der erster und einziger Lehrer G.F. Händels war in Halle. Beim Versuch diese Episode im Bachs Leben zu überprüfen, stößt man auf viele offene Fragen – deren Zahl wirklich enorm ist.

Die allerwichtigste Frage bleibt immer noch diese folgende: Unter welchen Umständen geschah Bachs Bewerbung in Halle im Spätherbst 1713? Wollte Bach sich von Weimar aus um die Stelle des Halleschen Musikdirektor und Organisten in Halle bewerben? Machte der Weimarer Hoforganist vorher für Christoph Kuntius tatsächlich eine Orgeldisposition? Eine richtige Beantwortung dieser Frage führt zur Feststellung von Bachs Klangideal auf dem Gebiet des Orgelbaus.

Die falsche Beantwortung hat schon zur fragwürdigen Idee der Schein-Bewerbung in Halle und schließlich zur Abstempelung Bachs als Karrieristen geführt. Seit CPE Bach bis zum heutigen Tag ist bekannt, dass Bachs Lebensweg lückenhaft überliefert ist. Grundsätzlich gilt auch: Obwohl über ihn sehr viel geschrieben wurde, sind trotzdem nur wenige Dokumente über ihn erhalten. Es ist nicht wirklich viel über seinen Lebens-Alltag in den Städten, in denen er lebte, wie beispielsweise Eisenach, Arnstadt, Lueneburg, und Mühlhausen sowie den anderen, bekannt.

 

Es ist eine paradoxe Situation, dass der bedeutendste Komponist der Welt biografisch kaum fassbar ist. In diesem Sinne macht die kurzfristige Hallesche Episode aus dem Leben Bachs wirklich keine andere Realität. Es muss jedoch bemerkt werden, dass Bachs Bewerbung um die vakante Stelle Zachows in Halle eine Geschichte für sich ist, bei der es sich dennoch trotzdem um einen Sonderfall handelt.

Einerseits ist Bachs Reise nach Halle fast ebenso wenig bekannt wie beispielsweise seine Reise nach Lübeck im Jahre 1705. Daher sind in diesem Sinne diese Episoden untereinander vergleichbar. Andererseits stellt die Hallesche Episode dennoch einen wirklichen Ausnahmefall dar. Dies bezieht sich sogar auf das ganze seines Lebenskontextes und zwar aus dem folgenden Grund: Keine andere Geschichte in Bachs Leben wurde jemals so gründlich missverstanden und daher so vielfach falsch interpretiert wie Bachs Bewerbung um die vakante Stelle Zachows in diesem Spätherbst des Jahres 1713. Das Hauptproblem besteht auch hier hauptsächlich darin, dass diese Episode viel zu wenig mit den Dokumenten belegt ist und die Geschichte als solche immer für manche Autoren unverständlich bleibt. Ein konkreter Grund für Bachs erste Reise nach Halle ist aus den beiden erhaltenen „Halleschen Briefen“, den Aktennotizen sowie aus der Rechnungen der Marienkirche, keineswegs ersichtlich. Der genaue Reisezweck bleibt immer noch unbekannt.

Eine ernste, sorgfältige erneute fachmännische Überprüfung der erhaltenen historischen Fakten und Dokumenten überzeugt nachfolgend und lässt knapp zusammengefasst Folgendes feststellen, nämlich:

1. Im Spätherbst 1713 war  J.S. Bach nach Halle nicht wegen der Bewerbung um die Stelle Zachows angereist.

2. Bach war nach Halle eingeladen, um von der Orgelbauer Christoph Kuntzius zu spielen und  kam damals auch in Saalestadt, um als Orgelexperte mit dem Ziel einer Fachberatung auf dem Gebiet des Orgelbaus, eventuell auch eine Teilprüfung anzubieten.

3. Bachs zweite Einladung nach Halle – im Mai 1716 – war von Orgelbauer Kuntzius schon im Jahr 1712 (… siehe Punkt Nr.14 im Orgelbaukontrakt von Kuntzius aus diesem Jahr 1712 …) in einer schriftlichen Form geplant.

4. Es war eine große Überraschung für J.S. Bach, dass nach der Erledigung der Angelegenheit mit dem Orgelneubau der dortige „hochgelehrte Hallesche Oberpfarrer Johann Michael Heineccius“, der selbst Kantatentexte fertigte, ihn (Bach) überredete, sich zur oben genannten vakanten Stelle zu bewerben und ihm (Bach) seinen eigenen Text für die Kantate übergab.


Bach ließ sich zu dieser Bewerbung mit einem Jahr Verspätung ein und zwar als fünfter Kandidat (!) Es liegt die Vermutung nahe, dass Zachows Schüler Georg Kirchhoff, der eine Verbindung zum Orgelbauer Kuntzius hatte – Kirchhoff galt übrigens als Kandidat Nr. 1 bei dieser Bewerbung – sich auch bei Bachs Einladung nach Halle im Jahre 1713 persönlich mitgewirkt. Man weiß nicht genau, was für eine Kantate Bach in Halle im 1713  komponiert hatte. Mit Alfred Duerr glaube ich (… seit dem Telefongespräch mit ihm im April 1997), dass es seine Kantate "Christen ätzet diesen Tag“; BWV 63 gewesen sein konnte. Allerdings: mit einem anderen, als dem bekannten Text, der heute bis unbekannt ist!
 


Wer ist denn dieser Autor?

 

Wladimir Stadnitschenko, geboren in Moskau, ist Absolvent des Staatlichen Moskauer Tschaikowski-Konservatoriums. Er promovierte am Musikwissenschaftlichen Seminar in Freiburg (... bei Prof. Christoph Wolff) und ist im musikpädagogischen und kulturellen Bereich in Russland tätig.

 


Nochmals zur nmz – Sie erinnern sich – die neue musikzeitung mit den drei kleinen Anfangsbuchstaben

 

Hier können Sie den ganzen Bericht über Bachs Ansinnen in Halle lesen. Oder Sie bleiben hier und gönnen sich die Zusammenfassung. 1713 / 1714 wurde Bach nach seinem Vorspiel in Halle tatsächlich vom Rat der Stadt Halle angenommen. Doch er trat die Stelle nicht an – und niemand weiß, warum nicht. Seit dem Sommer 1712, also mehr als ein Jahr, war das Amt nach dem Tod des vorherigen Organisten Wilhelm Zachow übrigens unbesetzt ... ein Hinweis, dass andere auch schon "absprangen" oder von vornherein nicht wollten und Bach es ihnen gleichtat?! Am Geld soll es gelegen habe, die Bezahlung soll Bach nicht ausgereicht haben. Ist es tatsächlich der Grund? Im Nekrolog über J.S. Bach führten der Schwiegersohn Bachs und sogar sein Sohn Philip Emanuel Bach dazu nichts aus. Hatte das einen Grund und es lag nicht an der Höhe des Salärs? 

 

Erst 1717 wechselte Bach von Weimar nach Köthen ... eine unmittelbare Unzufriedenheit, wie später bei seinem Abgang in Weimar, konnte also damals weniger der Grund für Bachs Interesse an der der Position in Halle gewesen sein.

 

Pfennigfuchser sollten die Ratsherren in Halle damals gewesen sein, schreibt die nmz – jetzt erinnern Sie sich, was nmz ist, richtig? – und das könnte tatsächlich der Grund gewesen sein, nicht sofort nach einem neuen Organisten zu suchen. Nach einem halben Jahr würde für eine übliche Trauerzeit für den Regenten König Friedrich I die Erklärung sein. Oder eben meine Überlegung weiter oben. 

 

192 Gulden wollte man Bach bezahlen, anstelle von 210, die er in Weimar zu dieser Zeit erhielt. Alleine das wäre für Bach, der mindestens zweimal mit einem nächsten Vertrag an einem weiteren Ort mehr bekam als im letzten Job, aber ebenfalls mehr als die Musiker vor ihm auf derselben Stelle, ein eklatanter Gesichtsverlust gewesen. Dazu kommt – wie man in historischen Unterlagen noch heute lesen kann – dass man Bach eigentlich, ja eigentlich nicht erlauben wollte, Nebeneinkünfte zu haben – durch das Spielen auf Festen, Hochzeiten und Begräbnissen. Die Herren vom Rat in Halle hielten das für "bedencklich" bedencklich mit einem " c ". Dann – in diesen Wochen – bekam Bach in Weimar auch noch 30 Gulden mehr, also 240.

 

An dieser Stelle bin ich der Überzeugung, dass Sie doch einmal bei der nmz vorbei schauen sollten, wenn sie das Thema nun plötzlich so besonders interessiert. Denn dort ist der Artikel über Bach in Halle top geschrieben. Und danach ... ja danach  ... erfahren Sie dann bei Dr. Vladimir Stadnichenko – hier wieder in der Schreibweise in Deutschland – und über die Peter Lang Verlagsgruppe – eine ganz andere, noch junge, aktuelle Sicht der Dinge.

 

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