Bach-FAQ 28

 

War Johann Sebastian Bach reich?

 

Man kann mit Sicherheit sagen, dass Johann Sebastian Bach nicht reich war. Er war auch nicht wohlhabend. Aber er musste auch ganz sicher niemals in seinem Leben den Taler zwei Mal umdrehen. Aber es galt, was auch heute noch gilt. Es kommt nicht nur darauf an, was man verdient. Es geht auch darum, was man ausgeben muss. Und die Betonung liegt auf "müssen". Denn während wir heute, je nach Einkommen, in den Urlaub fahren, uns ein neues Auto leisten oder auch viel Geld für Unterhaltung der verschiedensten Art ausgeben, ging es zu Johann Sebastians Zeit nur darum, wie teuer das Leben für seine Großfamilie in den verschiedenen Orten war, in denen Bach arbeitete.

 

Am meisten Geld stand der Familie ganz sicher mit seiner zweiten Ehefrau in Köthen zur Verfügung, als das Verhältnis zwischen der Anzahl der Kinder, die gekleidet und ernährt werden wollten, einem Einkommen aus zwei Gehältern gegenüberstand. Das änderte sich allerdings mit Bachs Umzug nach Leipzig. Über die dort hohen Lebenskosten berichtet Bach deprimiert in seinem Brief an seinen Schuldfreund Erdmann.

 

Grundsätzlich kann man sagen, dass es Bach nie an Geld fehlte, aber alleine sein Hinweis in diesem angeführten Brief, dass die Lebenshaltung in Leipzig ungewöhnlich höher war als im beschaulichen Köthen davor, lässt darauf schliessen, dass Geld sicherlich nicht im Überfluss bereitstand. Man bekommt dafür auch ein Gefühl, wenn man liest, wie wenige der heute weltberühmten Werke letztlich nur in Kupfer gestochen wurden, ein damals ausgesprochen teuerer Spaß.

 

Johann Sebastian Bach verdiente allerdings überall mehr als seine Vorgänger in dieser Position verdienten. Natürlich bekam er auch mehr, als er in der Position erhielt, die er vor einem Ortswechsel bekleidete. Und zum Gesamteinkommen zählten auch ganz wesentlich - neben seinem Grundeinkommen, das er von den Fürsten in Weimar und Köthen sowie den Bezügen, die er in Arnstadt, Mühlhausen und in Leipzig verdiente - Einnahmen aus dem Musizieren bei Hochzeiten, Begräbnissen, Taufen und besonderen Anlässen generierte. Und Johann Sebastian Bach war zudem ein gefragter privater Musiklehrer.

 

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts tauchten Unterlagen auf, nach denen Johann Sebastian Bach Wertpapiere im Silberbergbau besessen haben soll. Auch hieraus liesse sich nicht schließen, dass Bach reich gewesen ist. Denn auch heute spielt es keine Rolle, ob die Eltern oder man selbst ein paar Aktien von BMW, Google oder Siemens hat - reich ist man erst, wenn man sie verkauft, einen großen Gewinn kassiert und nicht weiter spekuliert.

 

Ein nächstes Indiz lässt darauf schließen, dass Bach nicht einmal wohlhabend war. Es ist der Bittbrief der Witwe von Johann Sebastian Bach an den Rat der Stadt Leipzig. Diesen Brief hätte es kaum gegeben, wenn Johann Sebastian Bach seine Familie finanziell wohl versorgt hinterlassen hätte. Hätte es damals bereits so etwas wie die GEMA gegeben, und hätte Bach heute gelebt, würden in 250 Jahren ABBA blass gegen ihn aussehen. Ob das so stimmt, können wir allerdings erst im Jahre 2260 feststellen. Dann wenn man im 23. Jahrhundert Bach noch immer ganz begeistert hören wird. Und Abba? Heintje? Michael Jackson? Rudi Schurike? Vielleicht ja auch noch. Schließlich deuten auch die Verkäufe seiner Musikwerke 1750, und die Jahre danach, durch Anna Magdalena und seine musikalischen Söhne, also Schriftstücke von heute unermesslichem Wert darauf hin, wie schnell und nachhaltig eventuell je vorhandene Geldreserven aufgebraucht waren. Reich ... - war Johann Sebastian Bach mit Sicherheit nicht.

 

 

 

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