Bach-FAQ 39

 

Welche Musikinstrumente spielte Johann Sebastian Bach ?

 

Zu seiner Zeit war Johann Sebastian Bach der unbestritten beste Orgelspieler. Prüft man aber die Zeit zwischen seinem Tod und heute, dann müssen wir Äußerungen anderer berühmter Komponisten und Musiker hinzuziehen. Und deren Urteil zufolge blieb er auch in den etwa zweieinhalb Jahrhunderten nach 1750 der begnadeste Orgelspieler der Welt. Dass es jemals in der Zukunft einen besseren Orgelspieler geben könnte, ist wohl sehr unwahrscheinlich. Dementsprechend war und bleibt Johann Sebastian Bach der beste Orgelspieler der Erde und aller Zeiten.

 

Johann Sebastian Bach war auch am Cembalo der Größte, hat doch einer, der ihm sehr wahrscheinlich ebenbürtig war, nämlich der französische Starmusiker Louis Marchand, einen Wettbewerb in Dresden angeboten. Und danach den Wettkampfort heimlich und mitten in der Nacht verlassen. Damit dürfte Bach auch beim Spiel auf dem Cembalo mindestens einer der weltbesten Musiker gewesen sein. Und weil heute regelmäßige Konzerte, bei denen ein Cembalo* eine große Rolle spielt, nur noch an einem Ort in der Welt stattfinden, wird Johann Sebastian Bach wohl auch mit diesem Instrument für alle Zeiten einer der Besten, wenn nicht der Beste überhaupt bleiben.

 

Und klar, Bach spielte auch Clavichord und Klavier. Und gesungen hat er auch. Aber selbstverständlich gehört dieser Hinweis eigentlich nicht hier her. Und er hat auch nur in seiner Kindheit gesungen.

 

Dann spielte Johann Sebastian Bach ganz sicher auch noch Geige, vielleicht auch Bratsche, Viola, Cello, Kontrabass, Oboe, Fagott, Horn und wohl ganz gewiss auch Flöte und Blockflöte. Und er konnte bestimmt sogar auf weiteren Instrumenten spielen, die es heute nicht einmal mehr in einem üblichen Orchester gibt. Natürlich bleibt ganz und gar offen, wie gut Bach diese Instrumente spielte, die von Forkel, Spitta und Wolff nicht ausdrücklich erwähnt sind. Ganz gewichtig muss bei dieser Frage allerdings bewertet werden, dass der Vater von Johann Sebastian, Johann Ambrosius Bach, Stadtpfeifer war. Johann Sebastian Bach selbst war Autodidakt und nun bleibt es jedem Leser selber überlassen, die Wahrscheinlichkeit einzuordnen, ob der kleine Bach sich an einer Flöte und weiteren Instrumenten versuchte. J.S. Bachs Sohn Bernhard, der fünfte musikalische Sohn, der aber nicht berühmt wurde, der lernte das Flötenspiel. Johann Sebastian Bach und die Querflöte erwähnt die Biographie zum ersten Mal in Köthen, aber im Zusammenhang mit der Komposition: ob er sie dann auch spielte? Es bleibt offen. Dass er die Querflöte auch zu spielen lernte, war aber sicher in der Epoche in Köthen unwahrscheinlicher, als das Spielen einer Flöte als Bub.

 

Schließlich komponierte Bach Flötenkonzerte und glaubt man dem einen Spezialisten, dann wussten Komponisten damals, die Instrumente, für die sie komponierten, auch zu spielen. Glaubt man anderen Bach-Könnern, dann sehen die das ganz und gar anders.

 

* Dieses Konzert können Sie zweimal am Tag erleben! Allerdings nur und exklusiv im Bachhaus Eisenach.

 

© Photo: Geisler, Martin; Quelle: (Wikimedia Commons) Lizensierung: CC BY-SA 3.0

Stadtpfeifer früher: so sahen sie aus. Spielte der ganz junge Johann Sebastian Bach eines oder gar mehrere der Instrumente, die sein Vater Johann Ambrosius beherrschte?  Im Bild ist das Glasbild vor dem Restaurant "Stadtpfeifer" in der Bachstadt Leipzig.

 

Flöte: Spielte Johann Sebastian

Bach vielleicht dieses Instrument?

 

Zum Thema "Spielte Johann Sebastian Bach selbst auch Flöte?" entbrennt im Januar 2015 eine heftige Diskussion, die einer -  nämlich meiner - eingehenden Prüfung bedurfte. Denn wenn diese Homepage auch für den Schulunterricht tauglich sein soll, dann muss sie sich eben der Kritik stellen. Zunächst werde ich den dritten Absatz oben etwas vorsichtiger formulieren. Das ist passiert, die alte Version ist also raus. Spannend aber sind die Beiträge von insgesamt vier Spezialisten zum Thema:

 

Briefmarke Nummer 3: die Flöte. Komponiert hat Bach für sie. Aber gehörte sie auch zu den Musikinstrumenten, die Johann Sebastian spielte?

 

Lieber Peter,

 

bezüglich Eurer Frage habe ich eine Mail an meine Kollegen aus der Musikwissenschaft losgelassen. Sobald ich Antwort habe sende ich Dir die Mail weiter.

 

Zu Bachs Zeiten konnten die Komponisten in der Regel die Instrumente, für die sie komponiert haben, auch selbst spielen. Aber diesbezüglich bin ich kein Experte....

 

Die oben angekündigte Mail: ...anbei die Antwort-Mail meines mit äußerst fundiert ausgestattetem Grundwissen gesegneten Kollegen.

 

Wenn Du also schreibst, dass man davon ausgehen kann, dass J.S. Flöte spielen konnte — bist Du auf der sicheren Seite.

 

Macht’s gut und herzliche Grüße

XYZ* (Leiter eines Bach-Chores und eines Bach-Orchesters; mein Kommentar)

 

Ein Clavichord. Definitiv ein Instrument, für das Johann Sebastian Bach komponierte. Aber auch ganz sicher ein Musikinstrument, dass Bach auch perfekt spielte. Was ein Clavichord ist, erfahren Sie, mit einem Klick, hier.

Lieber XYZ*,

 

in einer familiären Stadtpfeifertradition aufgewachsen, hat Johann Sebastian in jungen Jahren gewiss das ganze Stadtpfeifer-Instrumentarium kennen und - mindestens in brauchbaren Ansätzen - auch spielen gelernt. Auch wenn dabei nachweislich die Streichinstrumente für ihn im Vordergrund standen, hat er mit Sicherheit auch Blockflöten blasen können. Ich habe kurz bei Christoph Wolff nachgelesen (J.S. Bach, Frankfurt a.M. ²2000, bes. S. 46ff.), ohne allerdings konkrete Belege für sein potenzielles Flötenspiel zu finden. Der in seiner neueren Form aus Frankreich stammende Traverso ist freilich spezieller; inwieweit dieses Instrument in der damaligen mitteldeutschen Stadtpeifertradition verbreitet war, kann ich im Moment nicht genau sagen. Zumal aber Johann Sebastian ja später für dieses - auch in deutschen Landen hochbeliebt werdende - Instrument komponiert hat, darf man wohl davon ausgehen, dass er es auf elementarer Ebene auch hat spielen können - also sicher ohne ein "Virtuose" zu sein. (Kontakt hatte er indes z.B. mit dem professionellen Dresdner Flötisten P.G. Buffardin.)

 

So viel einigermaßen "aus dem Stand"; sollte ich noch Genaueres finden, lasse ich es Dich wissen.

 

Herzlichen Gruß,

XYZ*

Lieber Herr Bach,

 

leider ist mir keine Quelle bekannt, aus der hervorgeht, dass JSB selbst Flöte spielte. Anzunehmen ist es, aufgrund der Tatsache, wie er dafür komponierte und als Sohn eines Stadtpfeifers...

 

Auch im Nachlaß ist keine Flöte unter den Musikinstrumenten aufgeführt (vielleicht, weil der Wert zu gering war) - aber auch der Besitz schließt ja nicht automatisch das Können ein:-)

 

Auch Ihnen und Ihrer Frau alles Gute,

herzliche Grüße XYZ* (... ein Bach-Spezialist; mein Kommentar)

 

 

Von ihm wissen wir es ganz sicher: seine Majestät, König Friedrich II. Er spielte Flöte. Ob Johann Sebastian Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel fand, dass der "Alte Fritz" ein guter Musiker war? Davon ist nichts überliefert, manche deuten aber CPEs Gesichtausdruck.

 

Lieber Herr Bach,

 

JSB war die Violine sicher vertraut, die Flöte wohl nicht. Der Vater Ambrosius war ja Stadtpfeifer (also Blechbläser), da wird es kaum Kontakte zu Holzbläsern gegeben haben (das muß man sich so vorstellen wie den heutigen Unterschied zwischen Bläsern und Streichern). Unser Bach hat selten für ein bestimmtes Instrument komponiert, hat aber oft Themen und Variationen umgearbeitet und bearbeitet (Doppelkonzert Violine d-moll z.B. als auch Cembalokonzert, Verwendungen von Kantatenthemen zur Kontrafaktur z. B. bei der Matthäuspassion etc.). Die Flöte war eher ein Hausmusikinstrument und die Badenerie schriebe JSB ja auf Anregung seines Köthener Flötisten, damit der zeigen konnte, was er drauf hatte. So gute Musiker wie in Köthen hat er ja später nie wieder gehabt.

 

Ich weiß, daß sich JSB mit Gottfried Reiche kurzgeschlossen hat, wenn es um bestimmte Fragen ging (Obertonreihen, Hilfstöne, Wolfstöne, Ansatz und Luft), damit die Sachen irgendwie spielbar blieben. Ich glaube auch, daß er die Partiten erst beschrieben hat und sie dann Musikern gegeben hat. Ob man in den Originalen dann Änderungen sieht, weiß ich nicht, glaube es aber, weil es praktisch nötig ist. Ich habe vor drei Woche auf einem Konzert mit einem Kollegen einige zweistimmige Inventionen gespielt (er auf dem Tenorsax die rechte Hand, ich auf dem E-Bass die linke Hand) und da mußten wir auch Töne im Oktavraum anpassen, damit das Zeug spielbar blieb. So etwa muß man sich das vorstellen und das macht dann der betreffende Instrumentalist - mit oder ohne Absprache des Komponisten.

 

Kurz und gut - als Komponist, der für ein bestimmtes Instrument schreibt (das fängt eigentlich erst nach JSB an), muß ich über das Instrument Bescheid wissen, aber ich muß es nicht spielen können. Seit der Romantik ist die Instrumentationslehre Bestandteil des Komponistenhandwerkes und da lernt man so etwas, auch wenn da viel Unsinn passiert (Trompete in A , Horn in E und so etwas, was heute kein Mensch mehr braucht, was man aber als Komponist einsetzt, um zu zeigen, daß man sein Handwerk versteht..)

 

Ausschließen kann ich es nicht, daß JSB Flöte gespielt hat, aber ich halte es für unwahrscheinlich.

 

Liebe Grüße

XYZ* ( ... ein von mir ganz hoch geschätzter Lehrer, Pädagoge und Bach-Kenner; mein Kommentar).

 

* ... selbstverständlich habe ich die Namen entfernt, denn ich möchte diese mir weit überlegenen Spezialisten ja alle wieder fragen dürfen. Ihnen allen an dieser Stelle herzlichen Dank für die schnelle und vor allem kompetente Hilfe.

 

Nochmals Stadtpfeifer; Möglichst alle gängigen Instrumente sollten gute Stadtpfeifer spielen können. Selbst Rauschpfeifen, Zinken, Dulzianen und Krummhörner. Mehr über Stadtpfeifer gibt's hier. Lässt das darauf schließen, dass Vater Johann Ambrosius auch Flöte spielte und der kleine Johann Sebastian Bach ihm darin nacheiferte? Ganz genau wissen, auf jeden Fall, ... - tun wir's nicht.

Willkommen in meinem Hobby - Johann Sebastian Bach und alles bleibt schwierig

 

Genau deswegen entstand ja diese Homepage: Bach ist kompliziert und Vieles ist letztlich nicht ganz eindeutig. Diese Homepage-Seite wird in naher Zukunft noch umfangreicher und später einmal die Referenz-Antwort auf die Frage: "Welche Musikinstrumente spielte Johann Sebastian Bach nun eigentlich?" So ganz nebenbei entdeckt man bei der Recherche, dass auch von ganz seltsamen Instrumenten die Rede ist und dass Bach mit der Querflöte erst in Köthen Erfahrung machte - und nein, es ist auch von dort nicht überliefert - nicht in einer Biografie - ob er sie auch spielte. Auch lernt man ganz nebenbei, dass Stadtpfeifer nicht selbstverständlich auf Holzinstrumenten bliesen, sondern oft "nur" auf Blechinstrumenten pfiffen (?). Für mich durchaus keine Selbstverständlichkeit.

 

Alle Quellen, was den nun Johann Sebastian Bach an Musikinstrumenten selber auch spielen konnte, auszuwerten, das habe ich mir fest vorgenommen. Irgendwann kommt dafür die Zeit. Wer sich nun immer mehr dafür interessiert, ob denn Bach nun sehr wahrscheinlich auch Flöte spielte, oder eher "nur vielleicht", oder "eher nicht", dem mag eine ganz tolle Homepage über Stadtpfeifer hier weiterhelfen. Es ist Stadtpfeifer.com. Meine herzliche Empfehlung. Und dann - kann man sich, wie so oft in Sachen Bach - eine eigene Meinung bilden. Wissen aber, wissen tun wir's nicht. Und auch diese Seite ist top: Die Geschichte der Dresdener Stadtpfeifer.

 

© Photo:Geisler, Martin; Quelle: (Wikimedia Commons) Lizensierung: GNU Free Documentation License.

Ein Stadtpfeifer "von heute". Selbstverständlich nicht während der Arbeit. Und wo liegt er da? In Leipzig. Im Innenhof des Gewandhauses. Und was tut er dort? Im Allgemeinen "hängt er nur so 'rum" und im Besonderen beschließt er hier das Kapitel zu der ganz und gar nicht klaren Antwort auf die Frage "Welche Musikinstrumente spielte eigentlich Johann Sebastian Bach?".

 

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