Mein ganz spezieller Dank und unsere Erinnerung an Frau Helga Brück, die wir „noch rechtzeitig“ kennenlernen durften. Nur ganz wenige Jahre hatten wir gemeinsamen genealogischen Spaß. Wir drehten das Video zusammen, wir besuchten die letzten Binderslebener Bachs und wir erhielten ihren „Schatz“, der eigentlich gar nicht in Anführungszeichen gehört. Hätten wir Helga Brücks Buch nur kurze Zeit später im Internet gefunden, dann wäre das Tor unserer Familienforschung für immer geschlossen gewesen. Unser tiefster Dank gehört ihr. R.I.P. Helga Brück.
Vorausgeschickt sei: Diese Seite ist nicht für Redakteure und Redakteurinnen gestaltet, die sich kurzfristig in ihrem Leben und für ihren Arbeitsalltag zur Bach-Genealogie interessieren. Und ganz selbstverständlich auch nicht für Wiki-Türsteher und Wiki-Torwächter: Denn dort ist die Arbeit anderer zu einem Thema jeweils nur nach Gutdünken gerne gesehen, aber eher abgelehnt. Ich berichte zur Bach-Genealogie nicht mehr persönlich – vor analogem Publikum, also solchem, dem man die Hand zur Begrüßung schütteln kann – in Vorträgen. Und ich gebe auch Medien, die anfragen, inzwischen keine Interviews mehr. Denn im Anschluss folgte vier Mal meine erlebte Enttäuschung, weil die Publikation jeweils so anders als meine Erwartung ausfiel. Ganz besonders negative Erfahrung machte ich mit der Tageszeitung Die Zeit, mit der Apothekenrundschau, mit dem Kölner Stadtanzeiger und mit Wikipedia: Wikipedia publizierte auch ein von mir aufwändig nachbearbeitetes historisches Foto meiner Familie und versteckte sich dann – juristisch fragwürdig – hinter meiner „fehlenden“ kreativen Wertschöpfung. Dazu ziert sich die Wikipedia in jedem Teilbereich, meine Arbeiten und Erkenntnisse zu publizieren und einen Linkverweis zu meinen Seiten zu platzieren. Das tut – nur zum Ranking bei Google – weh. Doch man gewöhnt sich daran.
Als wichtige Basis sei hier erwähnt, dass die Ausführungen primär nicht meine Abstammung im Verhältnis zu Johann Sebastian Bach untersuchen, sondern die Zugehörigkeit der Binderslebener zur Musikerfamilie des Ururgroßvaters von JSB und auch dessen Vorfahren. Aus der Zugehörigkeit der Binderslebener Linie zur Musikerfamilie und meiner Zugehörigkeit zu den Binderslebener Bachs ergibt sich damit zwangsläufig die Verbindung. Dazu ebenfalls die Zugehörigkeit weiterer Mitglieder, die den Binderslebenern zugeordnet werden können.
Die Bach-Band im Vorort Marion Township von Rochester in Minnesota/USA. Das originale Foto ist unschärfer und es ist schwarzweiß. Zur Illustration dieser Seite ist es mit KI geschärft und koloriert. Zur Untermauerung der Seriosität meiner Forschung ist die Nachbearbeitung mit KI hier erwähnt.
Schließlich: Diese Seite zu den Binderslebenern der Bachs (… oder heute auch Bäche) hat für mich Tagebuch-Charakter. Ich teile sie sehr wahrscheinlich mit den wenigsten Besuchern auf dieser einen von allen meinen 640 Seiten der Bach-Homepage Bach über Bach. Und sie ist nur eine Website von etwa 50 zum Thema Bach.
Diese Homepageseite ist sehr, sehr persönlich. Selbstverständlich war ich vom Nachweis der Richtigkeit der Vermutung meines Opis begeistert. Wer wäre es nicht?! Das Problem? Man forscht und sammelt Hinweise, speichert sie, legt sie ab und beiseite … und es entsteht ein fast unverwaltbarer „Berg“ an Schriftstücken aller Art. Diese dann final zu klassifizieren, zu ordnen, zu sichten, zusammenzuzufassen und das Kapitel für immer abzuschließen: Das ist Sinn dieser Seite. Für Interessierte – vielleicht irgendwann einmal acht auf der Erde – ist sie sicherlich spannend. Für mich ist sie der finale Schritt, um mich dann wieder Neuem zuzuwenden oder Spannendes – wie mein Bach-Portal – fortzuführen. ©Pixabay.
Vier „Indizien-Bündel“ unterschiedlicher Qualität waren zu untersuchen. Das ist a) meine Zugehörigkeit zur Binderslebener Linie. Das ist dann b) die Zugehörigkeit der Binderslebener Bache zu der Familie der Bache um und nach Johann Sebastian Bach. Drittens, c), ist es die mündliche Überlieferung der Verwandtschafts-Verhältnisse durch die Zeit zu untersuchen (… zum Beispiel beruht die Kollektion von J.S. Bachs 42 von 53 Männern und Buben im „Ursprung“ unbedingt auf der Erinnerung an viele, viele gleiche Erzählungen, die von den Urgroßeltern an die Großeltern und weiter hin zu Bachs Söhnen übermittelt wurden). Denn Bach selbst hatte – für seinen „Ursprung“ – nicht nachgefragt und nachgeforscht, was am Fehlen vieler – durchaus leicht zu ermittelnden – Geburtstage in dieser Kollektion deutlich wird. Schließlich ist es d) die Musikalität der kompletten Familie, die unter wissenschaftlichen Aspekten zu betrachten war, zu beleuchten. Damit kommt man zur anfechtbarsten These in der Gesamtüberlegung: Wie wertvoll, wie ernst zu nehmen und wie nutzbar ist die Behauptung meines Opas „Wir sollen ja mit Johann Sebastian Bach verwandt sein“? Hierzu ist ein sehr weites Ausholen nötig, was ganz sicher von jedem Redakteur „hinweggewischt“ würde, weil der oder die sich überhaupt nicht die Mühe machen wollten, die Möglichkeit der Richtigkeit dieser Option anzuerkennen. Und dann die eigene bis zur Überprüfung feststehende Meinung zu revidieren.
Wie oft kommt man – auch in den seriösesten Publikationen in über 270 Jahren – an der Beschreibung des „Ursprungs“ von Johann Sebastian Bach persönlich vorbei, die die 53 aufgeführten „Bach-Männer“ als Stammbaum definieren?! Es ist kein Stammbaum! Absolut nicht! Ganz sicher nicht! Nachweislich nicht! Egal, ob der Verfasser Professor, legendärer Bach-Biograf oder Wissenschaftler ist. Und es sind auch nicht die Musiker, die zur Zeit Bachs erwachsen waren. Bach interessierte sich 1735 „nicht die Bohne“ für Geburtsdaten: Er hätte sie easy in Erfahrung bringen können, aber er verfasste eben keinen Stammbaum. Und es waren auch nicht 53 Musiker, Amateure plus Profis. Sondern es waren 42 Musiker. Jede andere Aussage zum „Ursprung“ ist mangelhaft recherchiert oder einfach „abgekupfert“.
Die juristische Definition (… Zitat): „In einem Indizienprozess versucht die Staatsanwaltschaft den Richter von der Schuld des Täters mittelbar durch Indizien zu überzeugen. Ein Indiz für sich alleine genommen reicht dabei nicht zur Verurteilung aus. Aber die Summe der Indizien (… Indizienkette und Indizienreihe) soll ein derartiges Gesamtbild ergeben, dass die Täterschaft zur vollen Überzeugung des Gerichts feststeht (… Zitat Ende).“ Das gilt dann, wenn keine Beweise präsentiert werden können (… meine Anmerkung).
In der Kriminalistik vor allem, aber auch in vielen Wissenschaftsbereichen fehlen Beweise. Aber es gibt oftmals Indizien, die zu einer Wahrscheinlichkeit zur einen oder anderen Schlussfolgerung führen. Ich legte demnach – für mich und in eigener Sache – diese Betrachtung zugrunde, was meine eigene Forschung und die meiner Frau zur Zugehörigkeit zur Musikerfamilie untermalt. 2012 bis 2015 trugen Renate und ich 17 unterschiedliche Indizien zusammen. Heute, im Sommer 2026 entstand diese Seite als eine der wirklich letzten „epischen“ (… außer vielleicht weiteren FAQ). Und es fiel mir schwer, alle 17 Hinweise wiederzufinden, heißt, die Eckwerte in hunderten WORD-Dateien zu lokalisieren. Diese Dateien zu ordnen, deren Inhalt, der einst die jeweilige Grundlage für Seiten der Homepage bildete, abzuklären und … dann die Seite zu schließen, bzw. zu löschen. Heute waren es deshalb keine 17 Indizien mehr, die ich nachvollziehen konnte, sondern „nur 15“. Egal. Warum? Weil es ausreicht, dass ich weiß, dass es 17 waren, sind und bleiben. Ich bin ja nicht in Erklärungsnot. Und was lässt sich nie vermeiden? Dass man im Zuge einer Optimierung auf weitere Hinweise stößt. So wurden aus 17 Indizien inzwischen sogar 19.
Klingt arrogant, ist aber so nicht gemeint. Müller, Maier oder von Kolson … nichts deutet mit diesen Familiennamen auf eine Zugehörigkeit zur Musikerfamilie hin. Doch Elmar von Kolson ist ein Mitglied dieser Familie. Ein bedeutendes Mitglied. Und auch sein Sohn ist es. Und auch seine Enkel sind es. Sie sind echte Ururur….enkel des Meisters. Mit dem Namen Bach ist das anders … er könnte einen Interessierten durchaus dazu ermuntern, nachzuforschen, ob ihn der Name mit den Thüringer Musikern verbindet. Es ist aber ein eher schwaches erstes Indiz. Besonders deswegen ist es ein schwaches Indiz, weil der Name Bach – und jetzt kommen die anderen Bachs „ins Spiel“ – durchaus häufig anzutreffen war und ist. Gegenüber den Mozarts dürfte es 50- bis 100-mal so viele Menschen namens Bach gegeben haben. Gegenüber den Beethovens waren es sogar 100- bis 300-mal so viele Menschen namens Bach. Weil sich diese Information (… durch KI / AI) auf Thüringen bezieht, spielt es später auch eine so große Rolle, wohin, also in welche Gegend, einen die Reise zurück zu den eigenen Wurzeln führt.
Es gibt kaum vergleichbare Konstellationen an Menschen und deren Familien, die ähnlich kompliziert zu untersuchen sind, als die der Bachs in Thüringen. Es beginnt mit der Häufigkeit des Namens und reicht bis zum Lebenszeitraum des Prominenten, der umso einfacher zu untersuchen ist, je näher er unserer Epoche lebte.
Ich finde etwas bemerkenswert: „Wir sollen ja mit JSB verwandt sein“ … solche Familienüberlieferungen sind erstaunlich präzise in der Art der Aussage. Mein Opa – und damit später mein Vater und wie wir später auch von Verwandten aus den USA hörten – sagte nicht: „Wir stammen von Johann Sebastian Bach ab“, sondern: „Wir sollen mit Johann Sebastian Bach verwandt sein.“ Eine ähnliche Formulierung wäre gewesen: „Bei uns soll es eine Verbindung zu den Bachs geben.“ Oder „Es heißt, wir gehören zu derselben Familie wie Johann Sebastian“. Diese vorsichtige Formulierung deutet auf eine tatsächliche mündliche Überlieferung, bei der die tatsächliche genealogische Beziehung im Laufe der Generationen nicht mehr genau bekannt war.
Im Gegensatz dazu stünde eine genealogisch überzogene Aussage mit den Worten „Wir sind mit Johann Sebastian Bach verwandt“. Oder alternativ: „Wir gehören zur Musikerfamilie“. Oder: „Wir stammen von Johann Sebastian Bach ab“. Letzteres bedarf aber bereits erheblicher genealogischer Kenntnisse, denn Option 3 ist nur dann möglich, wenn der Opa – zum Beispiel – von Kolson heißt. Im Falle er Bach hieße, wäre das Zutreffen dieser Aussage nämlich genealogisch unmöglich, weil die männliche Linie nach Johann Sebastian Bach schon lange ausgestorben ist. Wenn der Opa allerdings Meyer, Müller oder Schulze heißt, dann wäre eine solche Behauptung – bei minderem Interesse für Genealogie – nicht möglich … es könnte aber gemeint sein, dass man mit Bach verwandt ist. Wird „wir sollen ja“ verwendet, wenn der Opa Hämpel mit Nachnamen heißt, dann ist die Aussage kaum ohne Ergänzung zu postulieren, in der man darstellen kann, wie der Opa denn nun darauf kommt, dass man verwandt ist. Ohne ein Mindestmaß an Recherche ist diese Aussage wirklich – im besten Fall – reichlich fantasiert.
Im Gegensatz zum folgenden Indiz 3 ist dieses Indiz 2 nicht der Content, der auf die Verwandtschaft hinweist, sondern die Glaubwürdigkeit der Aussage selbst. Eben der Wortlaut. Im Falle „Wir sind mit Johann Sebastian Bach verwandt“ müsste ein Opa ja glasklar belegen können, warum das so ist. Kann er das nicht, dann disqualifiziert ihn seine „Überzeugung“, mit der er seine Nachricht transportiert. Eine solche Aussage so formuliert wäre unglaubhaft.
Mein Opi war Musiker? Nope. Sich allerdings mit einem Musikinstrument ablichten zu lassen, das war schon eine coole Idee.
Jetzt – bei diesem Indiz – geht es nicht um die präzise Formulierung, sondern darum, wie wahrscheinlich das Gesagte zutreffen kann. „Wir sollen ja mit Johann Sebastian Bach verwandt sein!“ Das waren die Worte, die mir von meinem Opa – über meinen Vater hinweg – überliefert waren. Das ist – solitär betrachtet – „nicht die Bohne wert“. Dann vor allem nicht, wenn man sich nicht ausführlich einer Argumentation – ja richtig, meiner Argumentation – anschließen will ( ! ). In diesem Kontext nochmals der Hinweis, warum ich so besonderen Wert darauf lege, mich keinem „Pseudo-Gremium“ erklären zu wollen und zu müssen. Und übrigens: Wenn ich von irgendeinem Opa auf dieser Seite schreibe, dann kann auch immer eine Oma gemeint sein.
Also: „Nicht die Bohne wert“ ist solch eine Aussage „Wir sollen ja …“, wenn dieser Hinweis solitär aufgeführt ist. Diese Aussage „allein im Raum“. Ganz allgemein gelten für mich zwei Eckwerte: Zunächst ist es der Wert der Indizien auf einer Skala von 1 bis 10. Über eine Qualität von 1 darf jeder Leser anfangen zu lachen, er – oder auch sie oder auch es – mag sogar das Schmunzeln überspringen und lauthals loslachen. Der zweite Eckwert ist die Anzahl der Indizien. Kommen vier zusammen, dann ist ein Nachweis – zu was oder bei was auch immer – sehr viel wahrscheinlicher als, wenn es nur ein einzelnes starkes oder schwaches Indiz gibt. 19 Indizien sind es bei mir zum Thema … aber das stand weiter oben schon.
Zurück zu „wir sollen ja …“. Mich hat natürlich diese Überlieferung einer solchen Aussage unter (semi-)wissenschaftlichen Aspekten interessiert. Ich versuchte mich also in Forschung. Und das passierte vor dem Jahr 2012 etwa folgendermaßen: Im Zuge seines Arischen Herkunftsnachweises sprachen mein Vater und mein Opa darüber, dass wir „… ja mit Johann Sebastian Bach verwandt sein sollen“. Mein Vater und ich unterhielten uns darüber, als ich „noch klein“ war und mich weder für unsere Familiengeschichte, noch für Bach interessiert hatte. Anlass war ein Dokument, das unsere Wurzeln in den USA belegte, die Geburtsurkunde von Jenny Bach. Erst im Alter von 55 Jahren „infizierten“ unsere besten Freunde, das ist Axel in Deutschland und Teri in den USA, eigene „Grabungen“ zu beginnen.
Amerika … das war schon immer Sehnsuchtsheimat sowohl von mir als auch von Renate. Schon bevor wir uns kennenlernten. Ich weiß nicht mehr, wann mir meine Eltern zum ersten Mal von Jenny erzählten. Aber es war definitiv weit mehr als nur einmal.
Unterbrechung: Ganz am Anfang, in meiner Euphorie zu Beginn meines und unseres Bach-Projekts und unserer Bach-Mission zwischen 2010 und 2012, war ich mit meiner Frau im Bach-Archiv in Leipzig und erwähnte beim Kennenlernen einer Mitarbeiterin, dass ich mit dem Meister verwandt sein soll. Das, nachdem ich mich mit meinem Namen vorgestellt hatte. „Wie aus der Pistole geschossen“ antwortete die Mitarbeiterin freundlich, dass das nicht möglich sein könne, weil die männliche Linie von Johann Sebastian Bach ausgestorben ist. Die spontane Reaktion – so schnell – war für mich das Indiz, möglichst sachlich richtig „dagegenzuhalten“ Nicht sehr überzeugend wies ich darauf hin, dass sie sicherlich meinte, ich könne kein Abkömmling von Bach mit dem Namen Bach sein. Denn diese Linie ist tatsächlich ausgestorben. Enkel – nicht mit dem Namen Bach – leben aber schon noch munter unter uns. Abstammen und „verwandt sein mit“ ist also nicht dasselbe … so fängt das schon einmal an.
Zurück zu meinem Opa. Wie seriös ist so seine Aussage „… wir sollen ja …“ wohl zu bewerten? Das galt es für mich zu untersuchen. Am Rande zu Beginn: Die Info meines Opas im Wortlaut ist generationsübergreifend. Anders, als Bach den Wortlaut seines Ururgroßvaters Veit Bach in der Geschichte ins damalige Heute transportierte: Für ihn war seine „Story“ nämlich als Fakt formuliert. Es galt zu prüfen, ob eine solche Erzählung meines Opas und ihr Content als Beweis (… kaum), oder wenigstens als Indiz Bestand hat. Starke Geltung oder schwache?
„Wir sollen mit Bach verwandt sein“: sagte das mein Uropa zu meinem Opa, weil er ein Schalk war? Oder hat es sich gar nicht der Uropa ausgedacht und der Opa war der Witzbold? Machen das viele, wenn sie denn Wagner, Mozart, Beethoven oder eben Bach heißen? Meinen Opa habe ich nicht als Kasper in Erinnerung. Eher kann ich mich an kein einziges Lächeln erinnern. Also glaube ich nicht daran, dass er einen generationsübergreifenden Spaß „in die Welt setzen“ wollte. Aber genau das war ja zu prüfen.
100 Bachs in München. Ich fand sie, ich rief sie an, ich fragte, ob der Opa von seinen Vorfahren berichtet hat. © Pixabay.
Ich habe mir 100 Telefonnummern von Bachs in München zusammengesucht. Und sie dann einzeln angerufen. 99 haben geantwortet: „Nein, so etwas wurde in ihrer Familie nie erwähnt“. Nur einer ulkte herum und ich erkannte sofort – und das war auch seine Absicht – dass er nicht ernsthaft meinte, ebenfalls mit Bach verwandt zu sein, weil das – nun sein – Opa gesagt hatte. So viel zum Ulk um die Behauptung. Wer noch – in meiner Family heute – wusste von dieser Aussage? Alle meine drei Geschwister erzählten mir, sie hätten in deren Kindheit davon gehört. Und auf unterschiedliche Weise! Wenn das also bis in meine Generation so transportiert war, dann stellte ich mir die Frage, ob denn die nächste Generation, also die Kinder meines jüngeren Bruders, ebenfalls davon Kenntnis hatten, dass diese Verwandtschaft bestehen sollte. Also fragte ich beide Kids – explizit nicht die Worte in den Mund legend – ob deren Opa oder deren Vater auch „den Unsinn verzapft“ hätte, dass wir mit dem berühmtesten Komponisten der Erde verwandt wären. Beide verneinten … natürlich zu meinem ganz großen Bedauern. Denn die Überlieferung hätte damit in meiner Generation ja geendet. Und meine These wäre „den Bach hinunter gegangen“. Natürlich war das (m)eine Untersuchung wert. Denn warum kannten meine drei Geschwister diese Story, nicht aber die zwei Kids in der dann folgenden Generation?! Allerdings: Erst sehr viel später erfuhr ich, dass diese Aussage doch bereits in der nächsten Generation angekommen war. Nämlich bei den Kindern meines älteren Bruders, den ich erst sehr spät kennenlernte.
Wieder ohne Erinnerung an den genauen Verlauf meiner Überlegungen um 2012 wollte ich herausfinden, anlässlich welcher Gelegeneheit sich eine solche Information fortpflanzt. Ich untersuchte die zwei unterschiedlichen Wege, was ich – bezüglich des Datenschutzes – hier nicht näher belegen darf: Durch eine familieninterne Konstellation erfuhr ich erst sehr spät, dass mein Opa auch seiner Enkeltochter – meiner Schwester – von der spannenden Verbindung erzählt hatte. Nämlich, dass diese Geschichte zu ihr „transportiert“ wurde, als sie ihrem Opa – er ist ja auch mein Opa – erzählte, dass sie Elvis gut fand. Er antwortete in diesem Gespräch unter anderem … „dass wir ja mit Johann Sebastian Bach verwandt sein sollen“. Auslöser, darüber zu sprechen, war also das Thema Musik. Meinem älteren Bruder erzählte dessen Mutter, dass mein Vater ihr erzählt hatte, dass wir mit Bach verwandt sein sollten. Sie erzählte es später ihrem Sohn und „der erste Transfer“ fand in einem ultrakurzen Zeitraum des gemeinsamen Zusammenlebens statt. Das Thema war wieder ganz sicher Musik, und nicht Genealogie. Denn mein älterer Bruder ist heute ein beim Publikum und in Fachkreisen sehr bekannter und erfolgreicher Dirigent mehrerer Chöre und eines Bachorchesters.
Musik war also ein verlinkendes Thema. Warum aber wussten meine Nichten nichts von dieser Konstellation? Nach dem Erhalt der für mich so wichtigen, aber enttäuschenden Information von meinen Nichten sprach ich selbstverständlich über den Hintergrund meiner Recherche mit ihnen. Und mir fiel auf, dass ich ( ! ) es war, der die Kettenglieder verband: nämlich mit dem Thema Genealogie. Ich ( ! ) war es, der diese Information weitertrug. Mit meinem Gespräch über meine Familienforschung. Das war ganz sicher auch das Thema zwischen meinem Opa und meinem Vater. Denn zu Musik hatten sie wohl keinen gemeinsamen Zugang, wohl aber zur Familien-Historie. Denn mein Opa soll sie auch über die Erforschung des „Arier-Nachweises“ hinaus betrieben haben. Ein „Schuhkarton voll Erkenntnis“ hatte mein Vater in Erinnerung. Verlorengegangen im Krieg oder in den Nachkriegswirren. Der schrumpfte allerdings zu einem einzigen Familienbuch mit drei Positionen, eingetragen mit Bleistift, die für uns „die Welt bedeuteten“. Also waren es die Themen Musik und Ahnenforschung, die die Überlieferung triggerten.
Ein Indiz, mehrere Indizien. Jeweils unbedeutend oder überzeugend. Das sind die beiden Messlatten. Ohne weitere Hinweise hätte ich der Behauptung meiner Vorfahren, also meines Opas, „keine müde Bedeutung“ beigemessen. Den Qualitätswert hätte ich mit 1 etabliert. Und ich hätte niemandem davon ernsthaft erzählt, weil das Schmunzeln über die Schlussfolgerung doch zu deutlich spürbar gewesen wäre. Nach meiner Recherche unter meinen Geschwistern allerdings und meiner Untersuchung mit den 100 Münchener Bachs wertete ich dieses Indiz mit einer schon wesentlich besseren Qualität von 3 (… von 10). Spätestens aber mit dem fünften Indiz wurde immer wahrscheinlicher, dass es sich bei der Übertragung durch die Zeit um keinen Spaß gehandelt hat. Ich werte das Indiz heute mit einer Qualität der Höhe 5. Mit final 18 weiteren Indizien verschiedener Güte kann man das Indiz durchaus sogar mit 6 oder gar 7 bewerten. Ich tue das … und es interessiert mich nicht, wie andere darüber denken. Renate, übrigens, hält Opas Aussage nicht für sooo gewichtig, wie ich sie finde.
Nicht ganz passend zur Erinnerung konnte ich den Wortlaut zur zweiten Mail von meiner Cousine Kathryn aus den USA wiederfinden. Gesichert – noch im Wortlaut – ist allerdings, dass unser Kennenlernen ein wenig weniger vorsichtig begann, als die Befragung meiner Nichten und der 100 Münchner Bachs. Kathryn habe ich nach der Erläuterung der Andiolebin-Problematik geschrieben, dass sie zu dieser Musikerfamilie gehört. Kathryn antwortete 2011 dann – mit dieser Kenntnis – in ihrer dritten Mail: Hello Peter: This is wonderful news. I grew up with stories that we might be related to Johann Sebastian Bach but when I started my search I could never prove it. I just figured wishful thinking on my families part. Talk to you later, Kathryn. Und in Deutsch ist das … weil ich ja konsequent bleiben will: Hallo Peter, das sind wunderbare Neuigkeiten. Ich bin mit Geschichten aufgewachsen, dass wir vielleicht mit Johann Sebastian Bach verwandt sein könnten, aber als ich mit meinen Nachforschungen begann, konnte ich das nie beweisen. Ich dachte einfach, das sei Wunschdenken seitens meiner Familie. Bis später, Kathryn.
Viel später, im April 2015, meldete sich dann Daniel zu seiner Forschung. Mehrere Indizien passten bereits zur Family und er bat um Support. Auch er hatte in Erinnerung, dass seine Oma meinte, sie seien mit Johann Sebastian Bach verwandt. Wieder fiel mir die Präzision der Wortwahl auf. Denn mit der Aussagen „Wir sind… “ hätten wenigstens ganz wenige Unterlagen den Nachweis erbringen müssen. Wir konnten helfen und fanden tatsächlich die Verbindung in den einst Molsdorfer und später Binderslebener Zweig. Es war 2026, als auch das Tagebuch des Uropa Emils eine winzige Chance verbarg, seine Forschung für die Ewigkeit zu erhalten. Wir wollen das im Sommer 2026 beginnen zu prüfen. Ein Tagebuch. In Sütterlin. Was für ein Vorhaben!
Die Bibel, Azteken, Rungholt und Co… Fakt ist: Mündliche Überlieferungen in der Geschichte waren „an der Tagesordnung“. Die Bibel ist sicherlich die bedeutendste, meine Verwandtschaft mit Bach die unbedeutendste. Dazwischen finden sich Sagen, Mythen und schließlich auch die Worte von „Veit Bach, gestorben 1619“, die dessen Ururenkel, Johann Sebastian erst 1735 niederschrieb. Immerhin nach über 100 Jahren mündlichem Transport.
Es wird hier sehr, sehr, sehr ausführlich. Episch. Wenn Ihnen die Lektüre zu diesem Part meiner Recherche also zu ausführlich wird … scrollen Sie einfach zur nächsten Headline und dem nächsten Kapitel (... Indiz 2). Es geht nämlich jetzt um die Glaubwürdigkeit von mündlichen Überlieferungen durch die Zeit im Allgemeinen.
Nehmen wir Troja. Man vermutet eine mögliche Zerstörung um das Jahr 1180 vor Christus. Es folgt das Ende der Mykenischen Kultur in den folgenden 80 Jahren. Danach begannen die sogenannten griechischen „Dunklen Jahrhunderte“. Erst 750 vor Christus begann die Entstehung der Homerischen Epen in schriftlicher Form. Dass Schliemann in den 1870er-Jahren schließlich Troja entdeckte, ist für uns hier überhaupt nicht spannend. Uns interessiert nur der Zeitraum zwischen der Zerstörung und der ersten schriftlichen Erwähnungen in der Ilias. Es ist ein Zeitraum von 400 bis 500 Jahren, in der die meisten Historiker davon ausgehen, dass alles mündlich überliefert wurde. Es gab sogenannte Sänger oder Barden (… im Griechischen Aoidoi), die Heldengeschichten bei Festen und an Fürstenhöfen vortrugen. Diese Sänger lernten lange Erzählungen auswendig und passten sie immer wieder an ihr Publikum an.
Es geht weiter mit dem „Transport von Wissen“. Viele Geschichten des Altes Testaments wurden vermutlich lange erzählt, bevor sie niedergeschrieben wurden. Ein Beispiel ist die Sintflut-Geschichte. Interessant ist dabei, dass ähnliche Fluterzählungen auch in älteren mesopotamischen Texten wie dem Gilgamesch-Epos und bei weiteren Urvölkern vorkommen. Das weist darauf hin, wie Geschichten in Kulturen durch die Zeit wandern und sich verändern können.
Die Burgmauern von Troja: 400 bis 500 Jahre wurde die Existenz und das Schicksal nur mündlich überliefert. 400 Jahre … das sind 16 Generationen, 500 sind 200. © Info.
Die Geschichte von Rungholt, einer Siedlung in der Nordsee ist in diesem Sinne ebenfalls spannend. Es gab sie, sie verschwand nach einem schwersten Sturm. Dann erzählte man sich über Generationen von dieser Siedlung … bis sie in unserer Zeit im Wattenmeer zweifelsfrei entdeckt wurde. Die USA und ihre Native Nations … wir nannten sie lange Zeit Indianer: Sie berichten über das Leben vor unendlichen langen Zeiträumen. Und das tun auch die Nachfahren der Mayas und der Azteken, die nicht gänzlich ausgerottet wurden. Aber beinahe. Wie weit wollen wir gemeinsam gehen?
Sitting Bull erzählte seinen Kids die Story seines Volkes. Und die erzählten es ihren Nachkommen.
Sind nicht auch die Überlieferungen mancher Völker, dass Sternenwesen herabreisten und bei Verschiedenem „halfen“ solche Überlieferungen? Nein … so weit wollen wir nicht gehen. Vielleicht noch zu den Aborigines in Australien: 7.000 Jahre wurden Erinnerungen bis in unsere Zeit übertragen … weitererzählt. Am spektakulärsten: Die University of New England und andere Forscher haben Erzählungen australischer Aborigines untersucht. Einige beschreiben Küstenlinien und Inseln so, wie sie vor dem Anstieg des Meeresspiegels nach der letzten Eiszeit aussahen. Beispielsweise erzählen Überlieferungen auch davon, dass Menschen einst zu Fuß auf Inseln gelangen konnten, die heute vom Meer getrennt sind.
David Unaipon: Er war Schriftsteller und Aktivist für die Rechte der Aborigines.
Schließlich die Wikinger-Sagas. Die Ereignisse spielten meist im 9. und 10. Jahrhundert. Die berühmten isländischen Sagas wurden aber oft erst im 13. Jahrhundert aufgeschrieben. Da sind etwa 300 Jahre mündlicher Überlieferung dazwischen. Erstaunlicherweise konnten Archäologen später einige darin beschriebene Orte tatsächlich nachweisen. Geologen datieren diese Veränderungen auf etwa 7.000 bis 10.000 Jahre vor heute. Niemand behauptet, dass jedes Detail unverändert blieb. Aber der Kern – zum Beispiel "hier war früher Land" – scheint über Hunderte von Generationen weitergegeben worden zu sein.
Was haben uns die Wikinger nicht schon überrascht. Und das taten sie rings um ihre Heimat bereits lange, lange vor unserer Zeit. Damals waren die Nachbarvölker nicht begeistert. Und … ja klar … ist das kein historisches Foto. So stellt sich KI den „typischen Wikinger“ vor.
Vielleicht ist nicht eine einzelne Geschichte am spannendsten, sondern die Erkenntnis, dass Menschen über Jahrtausende hinweg Informationen ohne Schrift bewahren konnten. Noch vor wenigen Jahrzehnten gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass mündliche Überlieferungen nach wenigen Generationen unzuverlässig würden. Heute zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab: In Kulturen mit einer starken Tradition des mündlichen Erzählens können wichtige Erinnerungen über sehr lange Zeiträume erhalten bleiben … besonders dann, wenn sie für die Gemeinschaft identitätsstiftend sind oder regelmäßig in ritualisierter Form weitergegeben werden.
Das wirft eine spannende Frage auf: Wie viel historischer Kern steckt möglicherweise auch in anderen alten Mythen? Viele Forschende vermuten heute, dass manche Sagen keine frei erfundenen Geschichten sind, sondern Erinnerungen an reale Ereignisse, die sich im Laufe der Zeit mit symbolischen und dichterischen Elementen vermischt haben.
Stammen wir von Himmelswesen ab, die unsere DNA entscheidend verändert haben? Es ist nicht zu beweisen. Aber auch nicht … das Gegenteil. Das bauten die Maya schon vor langer Zeit: Pyramiden. Diese steht in Chichén Itzá in Mexiko. © Pixabay.
Nochmals: Wie intensiv wollen wir gemeinsam noch weiter in die Vergangenheit reisen? Da gibt es also Jahrhunderte alte Überlieferungen, dass Vorfahren von den Sternen kommen. Unsinn? Blühende Fantasie? Und wenn ja, wessen Fantasie? Die der Ahnen dieser Menschen, also die Ahnen der Maya oder der Inka? Beide Stämme wurden radikal dezimiert, aber entgegen der allgemeinen Meinung gibt es noch reichlich Nachfahren. Oder derer, die zu diesen Thesen forschten. Anfangs war davon nur Erich von Däniken überzeugt. Heute ist es ein Vielfaches an Autoren. Wissen wir’s? Nein, das tun wir nicht. Doch sobald wir ganz genau wissen, wie die Pyramiden schließlich ganz genau gebaut wurden, wissen wir mehr. Aktuell mischt sich dazu bereits die KI von Elon Musk, Grok, mit Spekulationen ein.
Er war sich sicher: Überall auf der Erde führen Erzählungen der Ahnen zu den Sternen. Glauben wir das auch? © Info.
Nochmals zur Sintflut. Erzählungen von Generation zu Generation: Haben alle „nur Spaß weitergetragen“, weil die Berichte über eine gewaltige Sintflut so spannend und fesselnd waren? Immerhin transportierten das ungewöhnlich viele Völker durch die Zeit: Das Gigamesch-Epos für Mesopotamien, das Atrahasis ist davon eine noch ältere Variante für diesen Erdteil. Dann das Buch Genesis … das war die Geschichte mit Noah. In Griechenland vernichtete Zeus damit die Menschheit bis auf ein einziges Menschenpaar. In Indien soll es auch passiert sein. Und im Iran. Die Maya, Azteken und Inka überliefern es. In den heutigen USA berichten die Hopi, die Ojibwe, die Cherokee und die Tlingit. In China kennt man die Story und in Ozeanien halten sich die Flutgeschichten hartnäckig: in Hawaii, Samoa, auf Fidschi und in Neuseeland. Dazu in unserer Nähe sind es die Kelten und Slawen, die davon berichten.
Kurz nochmals in die Nordsee: Das hat mich persönlich sehr beeindruckt hat. Es gab diese Insel Rungholt in der Nordsee, im Wattenmeer. Das berichteten „unsere Nordlichter“ über viele, viele Generationen. In einer gewaltigen Sturmflut, im Jahr 1362, wurde Rungholt komplett zerstört und ging wortwörtlich in der Nordsee unter. Aber man erinnerte sich und erzählte den Kindern und den Enkeln davon. Erst im Jahr 2023 wurde einer der beiden Hauptsiedlungskerne einschließlich der Grundmauern der lange gesuchten großen Kirche entdeckt (…Zitat). Wie viele Generationen transportierten demnach diese Erinnerung als „Geschichte“? Nimmt man eine Generation – und das tun Profis – mit 25 Jahren an, dann waren es über 26 Generationen, die genau 661 Jahre mit ihrem „Bericht“ überbrückten.
Nachdem Rungholt „von der Bildfläche verschwunden“ war, erzählten es sich die Nachfahren derer, die es persönlich noch kannten. Ganze 661 Jahre lang. Bis sich die Erzählung als tatsächliches Ereignis herausstellte: Oben zieht ein epochaler Sturm über dem Wattenmeer auf.
Ich komme zu dem Schluss, dass es darum geht, eine denkbare Wahrheit in der Aussage meines Großvaters nicht pauschal abzulehnen, sondern sie „nur“ in Frage zu stellen. Dazu dient ja meine Bewertung der „Qualität“ jedes der 19 Indizien. Bei Weitem kein Beweis … kann jedes Indiz höchstwahrscheinlich sein. Oder eben ganz besonders unwahrscheinlich. Nicht mehr verlange ich von meinen imaginären Kritikern, die ich nicht kennenlernen möchte.
Zum Ende dieses Bereichs möchte ich erwähnen, wie erbittert Jahrzehnte lang von vor kurzer Zeit noch lebenden Bachs mit Bach-Offiziellen, Bach-Wissenschaftlern und Bach-Genealogen gestritten wurde, wessen Forschungen die richtigen, die wahrscheinlichsten und die sind, die einem ungeheuren Wunschdenken entsprechen. Dabei ist auch das unglaubliche Desinteresse daran zu erwähnen, Erkenntnisse und Funde rund um die Musikerfamilie in den Bestand an Bach-Wissen und Bach-Fakten „offiziell“ aufzunehmen. Drei mir lokal bekannte, aber ganz sicher regional und national unbedeutende Bach-Forscher mussten das erleben. Erinnert sei hier an die Experten Helga Brück, Evelyn Odrich und Gisela Thielicke, die von Bach-Größen und von einem anonymen Wikipedia-Autor frustriert wurden, weil einmal festgelegte „Wahrheiten“ einfach nicht neu beleuchtet werden sollten. Die Bachs vom Beginn des Abschnitts? Sie sind inzwischen alle gestorben: Ronald Bach, Ed Bach, Kurt-Hermann Frickel und die drei oben genannten Damen Brück, Odrich und Thielicke. Und wir, meine Frau und ich? Wir streiten nicht.
Wie schön, dass ich keinerlei Interesse habe, auch nur irgendeinen Menschen überzeugen zu wollen oder zu müssen, dass ich „dazugehöre“. Diese Seite auf meiner Bach-Homepage bereitet diese Materie nur deshalb auf, weil ich hier und an zwei weiteren Stellen das Medium Internet als „eine Art Memory Box“ verstehe.
Alles wollte ich damals zusätzlich untermauern und zu wenigstens einem weiteren Prominenten und seinen Verwandten prüfen. Doch es stellte sich heraus: Es war so wenig einfach, wie später dann unmöglich. Warum? Weil entweder der berühmte Name und seine Persönlichkeit so jung waren, dass es zweifelsfrei nur zwei Gruppen Menschen gab: die, die zu dieser Familie gehörten und die, die nicht passten. Ein Beispiel? Elvis Presley. Und die Familie Presley. Die Vorfahren sind bekannt, die Abkömmlinge auch. Noch ein Beispiel? Beethoven. Er ist 1827 gestorben, also weit früher als Presley. Auch zu ihm kennt man die Vorfahren und die ganze Familie rundherum. Niemand heißt Beethoven und weiß nicht, ob er zu dieser Family gehört. Die Nachfahren der Passagiere der Mayflower. Heute ist es eine gewaltige Menge an Menschen. Und alle wissen, ob ihre Vorfahren dazugehörten. Wohlgemerkt: Das gilt nur für die, die sich fragen könnten, ob sie denn dazu gehören. Die einen wissen es: Ja, sie sind Nachfahren. Die anderen wissen es: Nein, sie sind keine. Es gibt wirklich niemanden, der postuliert: „Wir sollen ja dazugehören“. Außer, es interessiert ihn „nicht die Bohne“, und er oder sie hat nicht die kleinste Nachforschung betrieben … also – zum Beispiel – diese General Society of Mayflower Descendants (… Mayflower Society) um Hilfe gebeten. Nochmals in aller Deutlichkeit: Es geht nicht darum, dass es keine Nachkommen von bedeutenden Persönlichkeiten gibt, die vor 300 oder 500 Jahren verstorben sind. Es geht darum, ob es „diese kleine Lücke“ gibt, zwischen denen, die wissen, dass sie nicht verwandt sind und denen die wissen, dass sie verwandt sind. Halt, halt eine Ausnahme: Unser Freund in Sachen Genealogie untersuchte tatsächlich einmal die Herkunft einer Auftraggeberin, die aus ihren Familienkreisen die Information hatte, sie sollen „ja mit Luther verwandt sein“. Und Christian fand es heraus: Tatsächlich war und ist sie es.
Mit ihm ist es ähnlich: Er ist berühmt, lebte vor langer Zeit und mancher Nachfahre könnte bis heute nicht wissen, ob er zu diesen Luthers gehört … oder eben nicht.
Zeitsprung: Immer wieder war in diesen ersten der vergangenen Jahre, nach 2012, natürlich auch Zeit, die eigene Genealogie bei Ancestry.com einzupflegen und die Hinweise dort zu integrieren. Nun muss man wissen, wie Ancestry – ein kommerzielles Unternehmen – funktioniert. Ganz grob wenigstens. Mit wenigen Worten erklärt. Ancestry.com ist eine unglaublich gewaltige Datenbank an historischen Einträgen. Ereignisse, wie Geburtstag und Tod, dazu passende Orte, aber auch Bilder und Nekrologe, Schiffslisten und vieles mehr sind dort zusammengetragen. Und Ancestry „schaufelt“ weitere Daten jeden Tag hinzu. Ganze Kirchenarchive aus allen Teilen der Erde werden eingepflegt. Vorher wird diese „Ware“ eingekauft. Womit? Mit den Mitgliedsbeiträgen, die man bezahlt, wenn man von diesen Daten und der Gemeinschaft profitieren möchte. Es sind nicht Millionen, sondern eher Milliarden potenzielle Treffer für jeden Beitragzahlenden. Es ist – in meinen Augen – eines der fairsten Angebote in seiner Art. Es ist jeden Cent wert und erweitert die Wahrscheinlichkeit, Ahnen zum eigenen Familienstammbaum zu finden im Quadrat.
Zurück in die Praxis. Also pflegte meine Frau Daten ein, las Beiträge anderer Forscher, suchte, fand und postete eigene Erkenntnisse. Und viele Monate nach meiner Arbeit um den Transport von „Wir sollen ja …“ begann es mit einem ersten coolen Event. Renate fand einen Zweig, der sich eindeutig den Bachs zuordnen ließ. In den USA. Irgendwelche Bachs, wohlgemerkt. Nur Zweierlei fiel auf. Zunächst endete deren Recherche in Andiolebin in Hesse. Genealogisch keine Chance für einen Amerikaner – und nicht Muttersprachler –herauszufinden, dass der Ortsname fehlerhaft in die Dokumente eingetragen war. Gemeint war nämlich Andisleben und das liegt – wie wir inzwischen wissen – nicht in Hesse, sondern in Thüringen. Wir wussten das. „Unsere Amerikaner“ wussten das aber nicht. Damit war eine unglaubliche Option plötzlich und durch Zufall geebnet. Denn rechtzeitig erkannte ich, dass sich mit dieser Information die Situation gestalten lassen würde, die ich oben mit Presley & Co. nicht „provozieren“ konnte. Was taten wir?
Wir nahmen Kontakt auf. Mit diesen Bachs, die bei „Andiolebin in Hesse“ stecken geblieben waren. Wir entwarfen einen sorgfältigen Text, der zunächst nicht erklärte, warum sie nach der Suche nach zwei oder drei Generationen in ihrer Familie in Andiolebin steckengeblieben waren. Die Begeisterung über den Kontakt war groß und mit diesem Vertrauensvorschuss, fragten wir an – ohne uns selbst zu „outen“ – ob sie denn den Komponisten Johann Sebastian Bach in Deutschland kennen würden. Innerhalb kürzester Zeit kam daraufhin dann die für uns so bedeutende Antwort. Man erzählte uns, dass schon der Opa Ahnenforschung betrieben hätte, aber eben auch nicht tiefer in die Vergangenheit eindringen konnte. Eben nur bis zu diesem Andiolebin in Good old Germany. Und dazu: Dieser Opa hatte tatsächlich behauptet, ihre Familie wäre mit diesem berühmten Musiker in Deutschland verwandt. Das ließ sich jedoch niemals in irgendeiner Form beweisen oder nachweisen. Damit hatte ich eine vollkommen „in sich abgekapselte“ dritte bis fünfte Quelle – eine Flaschenpost durch die Zeit – die 100 Prozent zum Thema passte: die gleiche Geschichte und das sogar im selben Wortlaut. „… solle …“, weil man es ja nicht nachweisen konnte. Aber die Überlieferung pflanzte sich fort bis in die Generation, mit der wir korrespondierten. Wir freuten uns über den Familienzuwachs, beglückwünschten unsere „neuen Cousins“ und konnten den Bach-Stammbaum schon wieder erweitern – weit über die Erkenntnisse von Brück, Frickel, Kock und Siegel hinaus – und wir waren stolz darauf, mit drei weiteren Beispielen unsere These untermauern zu können. Viermal konnten wir – immer waren es natürlich Amerikaner – diese Konstellation also wiedererleben. Auch, weil Andiolebin sich natürlich verbreitet hatte und auch, weil wir natürlich nun gezielt unsere US-Bachs kontakteten, um mit ihnen das „gleiche Spiel“ durchzuexerzieren. Mit der gezielten Frage, ob ihnen der Name Johann Sebastian Bach „etwas sagte“ und dann die Freude über die Lösung zur „Sackgasse Andiolebin“. So schön kann Zufall sein. Wir waren „as happy as can be“. Besonders natürlich ich, denn wie Sie merken, bin ich mit der Bewertung der Bedeutung dieses Indizes ein Stück weit „ja ganz allein“.
Eigentlich ist es ganz trivial angedacht und trotzdem dauerte es viele, viele Jahre, bis ich es so erkannte: Die so berühmte Aussage von Johann Sebastian Bach im noch viel berühmteren „Ursprung der musicalisch Bachischen Familie“, nämlich dass seine Vorfahren aus Ungern kamen und „der Veit“ dann in Wechmar auf einem Cythringen gespielt hat … das ist ( ! ) ebenfalls mündliche Überlieferung durch die Zeit. Und im Grunde genommen hat Bach nichts anderes „transportiert“ als mein Opa: Bach meinte, „Wir stammen von einem Musiker ab, der als erster in der Familie in Wechmar Musik zum Klappern der Mühle machte“. Mein Opa behauptete – von der Bewertung – nichts anderes, aber eben nicht in der Form, dass das sicher war, sondern nur, dass „man es sich erzählte“. Daraus könnte man nun folgern: Weil Bach göttlich komponierte, war auch die Erinnerung an die Aussagen von seinem Vater und dessen Vater und dessen Vater sicherlich okay. Dann aber … konnte mein Opi so etwas auch. Oder: „Vergessen“ wir das mit dem ersten Musiker in der Family. Wir erwähnen Veit nie nicht mehr wieder und Hans der Spielmann ist der neue Stammvater?! Fair? Fair! Und das – nämlich die Anerkennung der Überlieferung, dass J.S. Bachs Ururgroßvater aus Ungern kam – wurde dann 270 Jahre lang von hunderten namhaften, unbekannten und berühmten Bach-Experten, Bach-Wissenschaftlern und Bach-Genealogen nicht von einem einzigen in Frage gestellt. Nicht von einem einzigen? Doch, eineinhalb Forscher übernahmen nicht, was Johann Sebastian Bach da transportiert hatte: Eineinhalb? Richtig: Christoph Wolff, unwidersprochen die Nr. 1 in der Leipziger Bach-Welt und auf der ganzen Erde seit 50 Jahren, hat Veit in einer früheren Publikation (… Die Bach-Familie) erwähnt, aber nicht mehr in seinem aktuellen Bestseller. Und ausgerechnet „unsere“ Helga Brück … da ist Veit Bach nicht ein einziges Mal aufgeführt. Absichtlich!
Ich selbst bin nicht musikalisch, spiele kein Instrument, bin aber sehr musisch unterwegs. Und kreativ. Gut … dann zu meinen Verwandten. Zunächst lege ich fest: „Musikalisch unterwegs“ sind Menschen, die vor Publikum musizieren, im Orchester spielen oder im Chor singen. Oder sie müssen Musik unterrichten. Im besten Fall mit Musik ihr Geld verdienen, zum Teil oder beruflich ganzheitlich. Alternativ wenigstens am Wochenende zu Partys aufspielen, oder zu Hochzeiten. Und da ist heute mein Onkel, mein oben erwähnter Bruder, meine Schwägerin, deren vier von sechs Kindern und Schwiegerkindern, meine Nichte, meine Cousine, zwei Verwandte in Holland und mehr Musikerinnen in den USA. Die Musikalität ganzer Zweige wurde untersucht. Den Ohrdrufer Bache ist ein Denkmal gewidmet, „andere Zweige“ sind ebenfalls durch und durch Musiker gewesen. Es waren die Erfurter Bachs: Stadtpfeifer, Organisten, Kantoren. Dann die Arnstädter Bache: Sie waren Stadtmusiker. Die Meininger: Hofmusiker und Organisten. Die Fränkischen Bachs und – die, die Sie schon oben kennengelernt haben – die US-Bachs, die heute noch musizieren. Schließen wir mit den Eisenacher Bachs ab.
Die Musikalität in dieser größten Musikerfamilie aller Zeiten war so außerordentlich, dass man noch immer „Bache“ einstellte, als nach vielen Jahrzehnten die Bachs nicht mehr so häufig als Musiker anzutreffen waren. Bach war in den Jahrzehnten zuvor zu einem ersten – wenn nicht dem allerersten – regionalen Markenzeichen geworden. Wie heute Tesa, früher Uhu, Nutella, Tupperware, Edding und Googeln.
Diese Häufigkeit der musikalischen Gene spiegelt und spiegelte sich in mehr als 200 dieser Thüringer Bachs wieder, die zwischen Veit und dem Heute lebten und noch leben, und Musik performten. Wenn in der aktuellen Familie Musiker – im Sinne meiner oben aufgeführten Definition (… also Musik gerne hören reicht einfach nicht aus) spielen – dann ist das auch wieder zusammen mit anderen Indizien ansteigend wertvoll … ein spannendes Indiz.
Schnell ist man mit einem ordentlich geführten Familienbuch drei bis vier Generationen tiefer in der Vergangenheit. Mich und uns führte der Weg nach Marbach. Welches Glück: Denn Marbach ist ein „Katzensprung“ von Heilbronn entfernt. Ein paar Minuten Autofahrt. Und ich und wir machten die erste „Achterbahnfahrt“ in unserer damals noch jungen Forschung in eigener Sache. In Marbach am Neckar gab es nämlich nicht nur keinen Pfarrer, der Bach hieß. Schlimmer noch: Es gab überhaupt keinen Bach in Marbach.
Königin Elisabeth II. besuchte 1965 nicht das Marbach auf der Schwäbischen Alb, sondern Marbach am Neckar. Die berühmte Frage „Where are the horses?“ gilt heute als liebenswürdige Zeitungslegende.
Marbach am Neckar ist der Geburtsstadt des Dichters Friedrich Schiller. Sein Geburtshaus gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Ortes und erinnert an sein Leben und Werk. Jedes Jahr besuchen zahlreiche Literaturinteressierte Marbach, um auf Schillers Spuren zu wandeln und das Deutsche Literaturarchiv kennenzulernen.
Marbach ist dazu auch der Begriff, den man mit dem Gestüt auf der Schwäbischen Alb verbindet. Und mit dem gleichnamigen kleinen Ort dort. Doch Queen Elisabeth II weilte dort einst nicht. Unter Pferdenarren ist es weltberühmt. Dort könnte mein Vorfahr ja auch gelebt haben.
Und wo fand diese, unsere Enttäuschung statt? In einem Kirchenarchiv in Stuttgart. Auf Mikrofilm. Wir hatten einfach erwartet, in diesem Kirchenarchiv den Vater, den dazu passenden Geburtsort und vielleicht noch ein wenig mehr zu „unserem Bach in Marbach“ zu erfahren. Vielleicht noch eine Kirsche auf der Sahnetorte, also ein wenig mehr Info, als erhofft. Aber wir fanden: nichts … überhaupt nichts. Doch in Stuttgart half man uns auch weiter und so folgte auf den Absturz der „Achterbahn“ in Sachen Genealogie die nächste Strecke nach oben. Man sagte uns nämlich dort, dass es weitere Marbachs gibt und eines davon sogar ein Vorort von Erfurt in Thüringen ist.
Von Marbach nach Bindersleben, beide Locations direkt bei Erfurt. Der Komponist und Organist Johann Christoph Bach. Er war – sozusagen – die lokale Lichtgestalt der Binderslebener Bache.
Erfurt … wie wir später erfuhren und ein Radius um Erfurt ist das „Land der Bache“. Oder wie wir es gerne nennen, „Bach-Country“. Und Erfurt ist das Epizentrum dazu. Marbach lag und liegt in nächster Nähe und Bache lebten und arbeiteten in Bindersleben, Molsdorf, Arnstadt, Wechmar, Gotha, Eisenach, Weimar, Andisleben, Ohrdruf, Gräfenroda, Gehren … und natürlich in Erfurt. Alleine 60 Einträge in den Kirchenbüchern der Hauptstadt Thüringens passen zu dieser Musikerfamilie. Nie käme ich auf die Idee, dass eine Person vielleicht zu diesen Bachs gehört, nur weil sein Opa oder der Uropa – zum Beispiel – in Gotha geboren ist … und sonst gar nix auf die Zugehörigkeit zu den Bachs deutet. Aber … wenn das nur ein Indiz von mehreren ist … dann zählt das schon.
Bach-Genealogin und Bach-Forscherin Helga Brück hat ohne Zweifel mit ihrer Lebensforschung herausgefunden, dass der Binderslebener Zweig zum Stammbaum der Musikerfamilie Bach gehört. Sie meinte lediglich, dass das Bindeglied nach Wechmar fehlt. Zwingend bedeutet demnach, dass eine Zugehörigkeit zu den Binderslebener Bache die Verwandtschaft mit Johann Sebastian untermauert und festlegt.
Was hatten wir für Spaß. Am meisten an der Stelle, an der Frau Brück die Bachhäuser in Erfurt vorstellt. Wie kann man die Szene filmen und Frau Brück außerdem im Porträt abbilden? Ganz einfach: Sie dreht sich … und hervor kommt die Schauspielerin in ihr. Im Video ganz am Anfang dieser Seite.
Zurück zur „Erkenntnis Marbach“. Erfurt, mit seinem Vorort Marbach und seinem Vorort Bindersleben war für uns zu weit entfernt, um erfolgreich in Kirchenbüchern zu forschen. Maßgeblich dabei ist die Wahrscheinlichkeit, mit der man essentielle Information überliest oder nicht findet. Und Mikrofilm durchsehen ist anstrengend. Über die AGOFF lernten wir einen Genealogen kennen, der inzwischen schon lange unser Freund ist. Christian Andreas Hoske hatte bereits zuvor in Sachen Luther eine Verbindung für eine Kundin überprüft und konnte deren Verwandtschaft belegen. Christian Hoske brachte uns drei Generation tiefer in die Vergangenheit. Allerdings erschöpfte sich seine Möglichkeiten bei einem Zacharias Bach. Wieder waren wir in einer Sackgasse gelandet. Und wieder war es ein Tiefpunkt in unserer Forschung.
Jetzt zurück zu Helga Brück. Es ist eine spannende Geschichte. Als USA- und Florida-Fans verbrachten Renate und ich viele Wochen dort „am Stück“. Genau zu dieser Zeit unserer Recherche. Manchmal habe ich „schräge Ideen“ und so wollte ich damals unbedingt die beiden Begriffe „USA“ und „Bach“ in einem genealogischen Ergebnis „zusammenbringen“. Also googelte ich. Stundenlang. Genauer? Runde vier Stunden lang. Und endlich: Da war ein Ergebnis. Auf der Google-Ergebnisseite 100 oder kurz davor. Wie cool war das denn?! Und was musste ich feststellen? Es handelte sich um die Thematik, wann Bachs Qualität seiner Arbeit die USA erreichte. Also … wann man in den USA erkannte, welches außerordentliche Genie Bach war.
Also begann ich ein zweites Dauer- und Power-Googeln. Dieser Durchgang: Neun Stunden lang. Und schließlich erschien das Ziel, vor mir, auf meinem Laptop. Es war das Buch von Helga Brück: „Von der Apfelstädt und der Gera an den Missouri“. Im Grunde: eine wirklich unauffindbare Lektüre. Denn wer googelt schon mit den Keywords „Apfelstädt“ „Gera“, „Bach“ und „Missouri“?! Ich allerdings, hatte mein Ziel erreicht. Denn genealogisch war dieses Buch der Jackpot. Von unendlichem Wert zunächst. Später dann sogar noch darüber hinaus: Ohne Frau Brück hätten wir nämlich die Verbindung in die Binderslebener Sippe wohl niemals gefunden.
Gleich zu Beginn zu diesem Indiz muss erwähnt sein, dass es „nice to have“ ist. An den Haaren herbeigezogen. Grenzwertig. Und auf der Basis, dass dort wo Rauch ist, auch Feuer sein könnte. Helga Brück widmete in ihrem Buch, das für uns so wertvoll ist, einen ganzen, wenn auch kleinen Abschnitt den Binderslebener Bachen. Und zwar unter einem Bild – auf der Seite 100 – von Johann Christoph Bach, der lokalen Lichtgestalt dieses Zweigs, der offiziell allerdings kein autarker Bach-Zweig ist. Sie schreibt, dass der Musiklehrer von Johann Christophs Sohn, Lothar Bach, am Erfurter Gymnasium, nicht nur dessen „große Musikalität“ auffiel, sondern dass ihn auch besonders die „große Ähnlichkeit mit Johann Sebastian Bach beeindruckte“. Wir konnten mit der Ansicht der Originalfotos bei dessen Schwester, anlässlich eines Besuches bei ihr, nicht feststellen, was den Gymnasiallehrer zu dieser Aussage bewogen haben mochte. Allerdings – das ist meine Meinung, nicht aber die von Renate – könnte eine solche Aussage des Lehrers tatsächlich existiert haben. Denn sie ist so unwissenschaftlich zum Thema, dass man nicht daran glauben mag, dass sich einer der Überlieferer – vielleicht Christa Bach selbst – einen solchen Ulk nur ausgedacht hat. Solch ein Statement würde selbst „… wir sollen ja …“ in den Schatten rücken. Mag sich also jeder Besucher hier, jeder Leser und natürlich auch die Besucherinnen und die Leserinnen selbst Gedanken machen, ob wir dieses Indiz überhaupt zulassen wollen. Für Ihren persönlichen, Eindruck haben wir fotografiert: Lothar Bach im Bach-Zimmer von Christa Bach, die wir mit Frau Brück besuchten.
Lothar Bach im speziell eingerichteten Bach-Zimmer der Christa Bach, Schwester von Lothar Bach in Bindersleben. Zu welcher Meinung tendieren Sie: Sieht Lothar Johann Sebastian Bach tatsächlich ähnlich? Wir wollen das ganz und gar offenlassen.
Ganz wesentlich ist bei diesem Low-Quality-Indiz dabei folgende Überlegung: Es geht nicht darum, ob sich Lothar und Johann Sebastian Bach tatsächlich ähnlich sehen. Es geht vielmehr darum, dass die absolut seriöse – und in ihrer Mission überhaupt nicht zu Alberei zu bewegende – Bach-Genealogin Helga Brück entschieden hat, in diese mündliche Überlieferung nicht einzugreifen und sie durch Weglassen zu „beerdigen“. Vielmehr entschied sich die Wissenschaftlerin, den Content weiter „durch die Zeit zu transportieren“. Es wäre für sie ein Leichtes gewesen, diesen einen Satz aus dem Manuskript, auf Seite 100, im ersten Abschnitt, wegzulassen.
Zu Johann Christoph Bach (… 1782 bis 1846) liest man in Helga Brücks Buch auf den Seiten 98 und 99. Er war regional und national unbekannt, er war Musiker und Komponist. Und er gehörte der Binderslebener Linie an, die keine gleichwertige Nebenlinie dieser Musikerfamillie ist. Im Gegensatz zur Molsdorfer Linie, von der sie abstammte. Ein Hans Bach lieferte zunächst sein Frongeld aus Molsdorf nach Erfurt, später dann aus Bindersleben. Das ist der Hinweis zum Umzug von Bachen aus Molsdorf nach Bindersleben, nur drei Kilometer Luftlinie entfernt. Frau Brück schrieb nun zu diesen Binderslebener Bachs: „Ob die Binderslebener Bachfamilien mit der Wechmarer Bachfamilie verwandt war, wäre durchaus denkbar. Denn die Binderslebener Bauern Bach waren hochmusikalisch und spielten mehrere Generationen hindurch die Orgel in ihrer Kirche.“
Johann Christoph Bach gründete einen Adjuvantenchor und einen Instrumentalkreis. Mehrere kleine Kompositionen von ihm sind in Erfurt sogar gedruckt worden. Er sammelte auch Kompositionen von Kollegen und legte zwei Kataloge an. Das war 1800 und 1821. 300 Musikalien zählte das Werk. Frau Brück fuhr fort:
„Über viele Generationen hinweg war die musikalische Begabung der bäuerlichen Bachfamilie weitergegeben worden, auch die Tradition, dass die ältesten Söhne, neben ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit die Orgel in der Binderslebener Linie spielten.“
Sie beendete ihre Ausführung zu den Binderslebenern mit folgendem Text: „ Eine Verbindung zu Veit Bach wäre allerdings denkbar, da sich die Spur der Günstedter Bachfamilien über … Bindersleben … bis nach Molsdorf zurückverfolgen lässt. Es fehlt nur das Bindeglied nach Wechmar.“
Philipp Spitta war ohne jeden Zweifel einer der ganz großen historischen Bach-Biografen und ebenfalls ohne jeden Zweifel ist sein Werk – zweibändig und noch heute druckfrisch zu kaufen – das jemals umfangreichste. Vor ihm war nur Johann Nikolaus Forkel ein ebenbürtiger Wissenschaftler und Autor und man kann davon ausgehen, dass Spitta keine Spekulationen und keine Mutmaßungen von zweit- und drittklassigen Bach-Autoren übernahm. Nicht im Body seiner Biografie, sondern bei den Quellen finden wir einen Hinweis zu Bindersleben, der für alle Leser uninteressant, für mich aber hochspannend ist: Mit den Worten „noch jetzt“ deutet er die Zeit seiner Nachforschungen an, die er ja vor seiner Niederschrift durchführte. Das tat er 1873 in Leipzig. 1850 hatte sich die Bachgesellschaft gegründet … man war also bereits höchst wissenschaftlich zu Bach unterwegs. Philipp Spitta war eng mit dieser Bachgesellschaft verbunden, allerdings gehörte er nicht zu ihren Gründern von 1850. Denn die Bachgesellschaft wurde gegründet, als Spitta erst acht Jahre alt war. Aber Spitta spielte später eine wichtige Rolle. Er wurde auch Mitarbeiter an der Bach-Gesamtausgabe, die von der Bachgesellschaft herausgegeben wurde. Er edierte mehrere Bände dieses Werks und verfasste wissenschaftliche Vorworte. Seine zweibändige Biografie „Johann Sebastian Bach“ (1873/1880) wurde zu einem der wichtigsten wissenschaftlichen Grundlagenwerke der Bach-Forschung. Mitgründer war er dagegen des Leipziger Bach-Vereins im Jahr 1874, zusammen mit Elisabeth von Herzogenberg, Heinrich von Herzogenberg und weiteren Bach-Enthusiasten. Dieser Verein diente der Pflege und Aufführung der Werke Johann Sebastian Bachs und ist von der Bachgesellschaft zu unterscheiden. Er ergänzte die Editionsarbeit der Bachgesellschaft in idealer Weise.
Preßburg? Vergessen Sie‘s. Dort wurde nicht eine Unterlage gefunden, die zu Veit Bach Auskunft gibt. Und es hat in über 270 Jahren auch niemand danach gesucht. So weit war Preßburg nun auch wieder nicht entfernt. Preßburg war ja nicht Papua Neu-Guinea. In Ungern ging „die Post ab“. Ockham lässt grüßen: War Ungerndorf das von J.S. Bach erwähnte Ungern? Das … ist wissenschaftlich am wahrscheinlichsten.
Zurzeit, als Spitta seinen ersten und zweiten Band schrieb (… 1873 publiziert, bzw. 1880) war die allgemeine Ansicht verbreitet, dass die Bachs aus Ungarn „entwichen“ waren. Was sich erst 2021 als abschließend falsch erwies. Diese Herkunft resultierte primär aus CPEs Verfälschen des Nekrologs. Das übernahm Forkel dann ungeprüft in seine Biografie. Darauf folgte – vollkommen aus der Luft gegriffen – die spätere Addition des Themas „Preßburg“ durch den „Schmierfink“ Korabinsky.
Hatte denn Spitta besondere Nachforschungen in der Bach-Genealogie betrieben? Ja … sogar in bemerkenswertem Umfang. Philipp Spitta war einer der ersten Gelehrten, der die Genealogie der Familie Bach systematisch als Teil seiner wissenschaftlichen Biografie behandelte. Allerdings muss man unterscheiden zwischen eigener Archivforschung und der Auswertung bereits vorhandener Quellen. Seine eigentliche Leistung – als Genealoge – bestand weniger darin, völlig neue Familienzweige zu entdecken, sondern darin, die zahlreichen Bachs erstmals historisch und genealogisch zu ordnen. Im ersten Band seiner Bach-Biografie begann er deshalb nicht mit Johann Sebastian selbst, sondern mit dessen Vorfahren und beschreibt ausführlich die verschiedenen Linien … etwa die Erfurter, Arnstädter und Ohrdrufer Bachs. Dieses Vorgehen war für die damalige Zeit neu und prägte die Bach-Forschung über Jahrzehnte.
Wie cool, dass schon Spitta für uns ein Indiz generierte. Von welcher Qualität? Entscheiden Sie gerne selbst.
Ganz besonders spannend ist der Wortlaut bei den Quellen-Hinweisen von Spitta, der da zum ersten Kapitel des ersten Buches im ersten Abschnitt auf Seite 11 steht:
(Zitat) „Daß sie den Vater einen Teppichmacher sein läßt, ist eine offenbare Verwechslung mit Hans Bach, und wenn auch hier sich drei musikalische Söhne finden, so verdächtigt dies die Glaubwürdigkeit des Berichts überhaupt und giebt ihm den Schein einer spätern Erfindung. Was die Genealogie darnach über die weitere Verzweigung dieser Linie mittheilt, bezeichnet sie selbst größtentheils als Vermuthungen, denen umso weniger Werth beizulegen ist, als der Verfasser von der weit über Veit hinausreichenden thüringischen Existenz des Bachschen Stammes nichts wußte. Der Umstand, daß in der Bindersleber Linie noch jetzt die Tradition lebt, ihre Vorfahren seien aus Böhmen oder Ungarn eingewandert, ohne daß sie von einer Verwandtschaft mit Sebast. Bach etwas weiß, könnte einen Augenblick geneigt machen, diese Familie mit dem zweiten Sohne Veits in Verbindung zu bringen. Allein schon dadurch, dass sie ihren Ahnherrn gleich nach Molsdorf ziehen läßt, kennzeichnet sich der spätere und künstliche Ursprung einer Tradition, die ursprünglich sicher in dem Bestreben wurzelt, die Molsdorf-Binderslebener Linie mit Seb. Bach in Zusammenhang zu setzen, und zwar umso mehr, wenn man bedenkt, wie auch für Sebastians Vorfahren jene Tradition nur bedingt richtig ist. (Zitat Ende)
Im Band 1, Kapitel 1 schreibt Philipp Spitta auch zum Verhältnis der Bindereslebener Bache zu den Wechmarer Bachs. Seine Schlussfolgerung ist dieselbe, die auch meine Frau Renate für die Verbindung zwischen der Familie Scharf und der Familie Bach in Andisleben aufführt: Es geht um zwei Orte. Zunächst Bindersleben. Dort wohnten rund 150 bis 300 Seelen – nach erheblicher Zerstörung im 30-jährigen Krieg – in rund 35 bis 40 Höfen und Häusern. In Andisleben waren es noch 23 Häuser und runde 115 bis 140 Menschen. Beides um 1650. Die Frage die sich sowohl Bach-Biograf Spitta, Bach-Genealogin Brück, wie auch Renate stellte, beziehungsweise stellt, ist: Wie wahrscheinlich ist es, dass unter (… gemittelten) 225, bzw. 125 Personen zwei Familien mit denselben Nachnamen, jedoch nicht verwandt und nicht verschwägert, gelebt haben sollen? Entscheiden Sie selbst:
(Zitat) „… In einem Zeitraum von kaum 70 Jahren werden über zwanzig Glieder der molsdorfschen Familie erwähnt, die männlichen Individuen mit den Namen Johann, Andreas, Georg, Ernst, Heinrich, Christian, Jakob, Paul, die, von dem letzten abgesehen, auch in der Sebastian Bachschen Linie reichliche Anwendung fanden, während die weiblichen Namen abweichen. Andere Quellen berichten noch von einem Nikol Bach aus Molsdorf, welcher in das schwedische Heer eingetreten war und am 23. Juni 1646 in Arnstadt begraben wurde, da er »trunkener Weise aus selbstgegebener Ursache erstochen worden«. Auch irren wir wohl kaum, wenn wir Johann Bach, »Herrn General Vrangels Musicanten«, gleichfalls aus dem Orte entstammt sein lassen, einen Mann, der als »kunstreich« gerühmt wird, von dem man aber sonst nur weiß, daß er 1655 schon todt war und eine Tochter hinterlassen hatte. Dies wäre dann der erste Musiker der Molsdorfer Linie. Der zuvor erwähnte Georg Bach erhielt von seiner Gattin Maria am 23. Mai 1655 einen Sohn Jakob, welcher Corporal im kursächsischen Kürassier-Regimente und der fernere Stammhalter des Geschlechtes wurde. Dasselbe verließ Molsdorf im Anfange des 18. Jahrhunderts, um sich weiter nordwärts in Bindersleben bei Erfurt niederzulassen. Hier besteht es noch jetzt, nachdem mehre tüchtige Musiker daraus hervorgegangen waren, unter denen Johann Christoph (1782–1846) der bedeutendste gewesen zu sein scheint, der wenngleich einfacher Landwirth doch als Orgelspieler und Componist zu seiner Zeit in Thüringen einen guten Ruf besaß.
Wir wandern nun zum dritten Male weiter nach Süd-Westen, wo wir nahe bei Gotha die Heimath der directen Vorfahren Sebastian Bachs erreichen. In welchem Zusammenhange dieselben mit den vorher erwähnten Stämmen stehen, ist nicht zu sagen, aber es hieße das Unwahrscheinlichste annehmen, wenn man ihn zwischen Familien gleichen Namens (1*) und vielfach gleicher Vornamen (2*), die auf einem kleinen Flächenraume (3*) neben einander wohnen, leugnen wollte.
Wir müssen übrigens die gemeinsame Wurzel mindestens in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückverlegen, denn im 16. hatte der Stamm schon mächtige Aeste nach vielen Seiten hin getrieben. Auch in Wechmar – so heißt das letzte Ziel unseres Umganges – saßen die Bachs schon vor 1550 fest. Ihr ältester Repräsentant …“ (Zitat Ende; * Anm.: Die Zahlen in Klammern habe ich addiert).
Einfach weil das Video über Wechmar auf dieser Seite dazugehört … deshalb ist es jetzt hier. Falls alle Indizien Bestand hätten, wüsste ich immer noch nicht, über welche Linie ich mit dem Thomaskantor verwandt bin. Über die Heirat eines Bachs mit einer Scharf (1), oder die Heirat mit einer Scharf (2) oder über einen gemeinsamen Vorfahren früher als „Veit, gestorben 1619“ (3).
Wie sich Forkel dazu äußerte, erfährt man später.
Für mich führt der Weg nach Andisleben, für Cousins und Cousinen über deren Ahnen hinaus dann weiter in die Vereinigten Staaten von Amerika.
Vorauszuschicken ist, dass dieser Teil der Forschung komplett und autark von meiner Frau Renate realisiert wurde. Von Bedeutung dabei ist, dass er primär die Klärung meiner Verwandtschaft mit Johann Sebastian Bach – abseits der Erkundung via Bindersleben – zum Ziel hat und vorläufig erfolgreich abgeschlossen ist. Die Ergebnisse dieser Recherche durch sie ergeben ein vollkommen unabhängiges Ergebnis. Zusammen mit den Resultaten der anderen ( ! ) Indizien-Ketten allerdings erhöht dieser Fund in diesem Bereich jedoch die Qualität der anderen Indizien. Denn je mehr Indizien in eine Richtung deuten, desto hochwertiger wird deren Qualität. Vorweg schon eine bedeutende unabhängige Bewertung dieser anderen Indizienketten, bei der wir beide – wir Bachs aus Flein – nicht einig sind. Ich vermute meine Verbindung zu „unserem Komponisten“ fünf bis zehn Generationen vor Veit. Renate meint, diese „Kreuzung“ datiert in einer jüngeren Zeit.
Dazu ergibt sich außerdem aus Renates Recherche nicht nur eine Querverbindung zum von Helga Brück gefundenen ersten Zweig der Bachs in den USA, sondern wahrscheinlich sogar zu einer zweiten Verbindung unter diesen Personen. Separat voneinander. Mit diesem Fund wäre dann geklärt – und schließlich auch urkundlich belegbar – dass ich dazugehöre. Denn: Ohne Zweifel gehört diese erste US-Linie zur Musikerfamilie aus Thüringen, zu Johann Sebastian Bach. Dass sogar zwei Verbindungen – über die Scharfs – in diese Familie führen, ist für mich nicht ganz einfach zu verstehen, aber ich gebe mir Mühe, wenn wir da nochmals „rangehen“, weil es 2026 genealogisch noch nicht darstellbar – und für Dritte nachvollziehbar – ist. Zu tun hat das mit der Familie Bach und der Familie Scharf in Andisleben. Dazu kommen wir jetzt.
Mitten im „Land der Bache“, das wir ja auch „Bach-Country“ nennen, ist etwa 20 Minuten Autofahrt von Erfurt, das ja das Epizentrum der Bach Family darstellt, ist ein winziger Ort, der in den Genealogien amerikanischer Hobbyforscher eine ganz große Rolle spielt. Zu diesem Aspekt liest man ja im Anschnitt „Indiz 5“ mehr. In diesem winzigen Ort mit dem Namen Andisleben – dort lebten eine noch kleinere Anzahl Menschen in 23 Häusern (… siehe Homepage Andisleben) als heute und heute sind es nur 600 Seelen – wohnten Vorfahren mit dem Namen Scharf und Vorfahren mit dem Namen Bach. Absichtlich ist in diesem Satz weggelassen, wessen Vorfahren diese Scharfs und Bachs waren. Fest steht allerdings – urkundlich belegt, noch heute – dass Scharf-Familienmitglieder Bach-Familienmitglieder heirateten. Es gilt nun, einzuordnen, ob es sich dabei mit größter Wahrscheinlichkeit um eine Familie Scharf handelte, oder um zwei, nämlich nicht miteinander verwandt und nicht verschwägerte Scharfs. Und ob es sich bei den Bachs um eine Familie Bach handelte, nicht um zwei oder mehr noch, gar um drei.
Wir legen uns fest – und klar doch – möchten wir natürlich mit diesen musikalischen Bachs verwandt sein. Aber trotzdem objektiv betrachten und bewerten. In Andisleben wohnte und vermehrte sich genau eine Familie Scharf und eine Familie Bach, jeweils mit Sicherheit ein Teil jeder Sippe. Wir bemühen wieder Ockham und entscheiden: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich einem solchen „Nest“ nur eine miteinander verwandte Familie Scharf existierte – im Gegensatz dazu, dass es zwei nicht miteinander verwandte Familie Scharf und Bach waren – ist ungewöhnlich wahrscheinlicher. Drei nicht verwandte Stämme – jeweils von Bachs und Scharfs – waren nicht ernst gemeint sondern der mir typische Ulk.
Mehr als nur einmal heiratete eine Scharf einen Bach … und umgekehrt. Das ist heute noch nachvollziehbar. Und das war auch damals durchaus üblich. Eine Witwe heiratete nach dem Tod ihres Ehemanns oft den Bruder des Verstorbenen. Und umgekehrt und in weiteren Konstellationen. So war das damals in Eisenach, in Thüringen und in ganz Deutschland. Warum also nicht in Andisleben?! Stand 2026, als diese Zeilen entstanden, waren es mindestens drei solche Verbindungen. Später wollen wir es noch genauer untersuchen: Es sind nämlich mehr. Um 1650 hatte Andisleben – sehr wahrscheinlich – nach dem Dreißigjährigen Krieg etwa 300 Einwohner. Wir können also – mit diesen Zahlen unterstützt – davon ausgehen, dass sich keine vier unterschiedlichen Stämme mit zwei Familiennamen im winzigen Andisleben tummelten, die alle vier nicht miteinander „verbandelt“ waren.
Für die Andislebener Bachs gilt: Sie sind der Teil der Sippe, der – urkundlich belegt – zur Familie des Johann Sebastian Bach gehört. Trotzdem die komplette Genealogie der US-Bachs mit Johann Reinhold Bach beim Sinken der Empress of Ireland unterging, ist empirisch gesichert, dass diese US-Linie der Bachs mit den Bachs nach Veit Bach zusammengehört. Daraus folgen zwei Schlüsse zwingend: a) die Andislebener Bachs waren zweifelsfrei Mitglieder dieser einen berühmten Musikerfamilie. Dann gilt auch noch, dass b) nur eine Gruppe Bachs in Andisleben existierte, nämlich die erwähnten mit Johann Sebastian Bach verwandten.
Zurück zu meinem eigenen Stammbaum. In meiner persönlichen Linie hat ein Bach oder eine Bach einen oder eine Scharf geheiratet. Und das gilt noch für eine weitere Verbindung: Es hatte eine Scharf oder ein Scharf eine oder einen Bach aus der Linie des Johann Sebastian Bach geheiratet. Auch das ist urkundlich belegt.
Und damit kommen wir zur Recherche von Renate etwa um den Zeitraum 2012 bis 2015. Nach 2015 erlaubte die damalige berufliche Belastung keine weitere Forschung, weil es – anders als ein Mensch, der nicht genealogisch forscht, sich das vorstellt – kein kurzes Blättern in spannenden Unterlagen ist. Sondern man braucht „einen freien Kopf“ für Tage und Wochen, um gewissenhaft Dokumente zu recherchieren, ohne dabei Wichtiges zu übersehen, weil „man mit dem Kopf nicht bei der Sache ist“. Renate ist also überzeugt, dass diese Bachs – zu denen auch ich mich zählen darf – eine oder einen Scharf geheiratet hatten. Doch darüber hinaus ergab sich eine weitere spannende Verbindung. Renate ist überzeugt, dass ich mit Johann Sebastian Bach nicht nur – über gemeinsame Vorfahren des Veit Bach – verwandt bin, sondern noch viel näher, nämlich mit meinen Cousinen Nancy, Debbie, und Susan in den USA. Das allerdings zu dokumentieren, ist eine „halbe Lebensaufgabe“, die sicherlich folgt, wenn der Kopf nach unserem „Change“ der beruflichen Prämissen wieder frei ist … wenigstens freier als heute und als in den vergangenen zehn Jahren.
Die wissenschaftlich korrekte Betrachtung? Es ist durch Dokumente nicht direkt nachweisbar, dass ich mit dem Thomaskantor verwandt bin. Indirekt ist es allerdings sehr wahrscheinlich möglich. Und wir werden es in den kommenden zehn Jahren auch darstellen. Allerdings: Diese wissenschaftliche Präsentation ist für mich – und uns – nur von „sportlich-ehrgeiziger“ Natur. Denn uns reichen die Indizien, die Indiziendichte sowie die Indizien-Qualität. Plus die Andislebener Genealogie. Weil das so ist, möchte ich auch nicht um meine Verwandtschaft diskutieren. Warum nicht? Weil wohlwollende Gesprächspartner der Argumentation zustimmen und ihr folgen. Kritische Betrachter aber nehmen sich kaum die Zeit und geben sich nicht die Mühe, alles fair und neutral zu „konsumieren“. Und die große Mehrzahl der imaginären „Kritiker“, Redakteure, Bach-Experten, selbsternannten Bach-Kenner und Wichtigtuer – wie nun schon mehrmals, hauptsächlich die Koryphäen, die die Wikipedia bewachen – nur aus Spaß an der Freude dagegenhalten.
Im Übrigen ist uns inzwischen viel zu viel nachweisbar Falsches und genealogiebeugendes zu Bach bekannt. Betrug durch allerhöchste Stellen und nachweisbar falsche oder unrichtige Interpretationen der Bach-Historie eröffnen sich nur denen, die – vielleicht auch mit anderem Ziel – tief, unglaublich tief, in die Materie von Forkel, Spitta, Kock, Siegel, Frickel und Brück eintauchen.
In unmittelbarem Zusammenhang mit der Zugehörigkeit der Binderslebener Bachs steht natürlich die Recherche, in wie weit Johann Sebastian Bach tatsächlich mit diesem Binderslebener Stamm verwandt war. Die Binderslebener Bache sind eine kleine Gruppe an Menschen, die musizierte. Und rein technisch könnte es schon so gewesen sein, dass diese Musikerfamilie eine zweite, ganz andere, Bach-Musikerfamilie darstellt, die mit der Musikerfamilie des Johann Sebastian Bach nicht verwandt, noch verschwägert ist. In diesem Zusammenhang gilt das Gleiche natürlich auch für die in der berühmten Kirchenbuße aufgeführte berühmte Musikerfamilie, zu der der Briefschreiber mit dem Namen Bach gehörte. Wie wahrscheinlich aber ist es, dass sowohl im Umfeld des Kirchenbuße-Verfassers, als auch in Bindersleben bei damals so wenigen Einwohnern eine zweite, vielleicht sogar eine dritte Familie Bach lebte, die mit den beiden anderen nicht verwandt ist?! Es fällt dieser Fakt nochmals auf, wenn man in die Gruppe der Bachs in Andisleben schaut: Auch dort wohnte eine Familie Bach, die urkundlich zu den Bachs um Johann Sebastian, sowie später zu den Bachs um Johann Reinhold Bach, dessen Eltern in die USA auswanderten, gehört. Es wäre – unter Umständen und wenn man denn unbedingt möchte – eine vierte Bach-Familie, die genealogisch mit den Vor- und Nachfahren des Johann Sebastian und des Veit nichts zu tun hatten. Von Bedeutung ist letztere Verbindung aber nur, wenn man die zum nächsten Indiz dargestellte Verbindung untersucht. Es war nämlich in Andisleben, als Bachs und Mitglieder einer Familie Scharf mehrfach untereinander heirateten. Hier ergibt sich die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass es dazu auch noch zwei nicht miteinander verwandte Familien Scharf gab. Plus auch noch zwei nicht mit einander verwandte Familien Bach. In einem Ort von wenigen hundert Einwohnern!
Zurück zu Johann Sebastian Bachs Ausspruch. Er war zu Besuch in Gräfenroda, was man bis ins Detail auf meiner Homepage unter „Gräfenroda“ nachlesen kann. Dort äußerte sich Bach, dass er noch in Wechmar vorbeischauen wolle und dann seine Verwandten in Bindersleben besuchen. Klar … die ganze „Story Gräfenroda“ könnte ein Fake sein. Ich glaube das aber nicht!
Er forscht professionell. Und er ist erfolgreich. Wenn da überhaupt etwas zu Finden da ist. Er überliest kein Wort, er versteht Sütterlin und er beherrscht die damalige Grammatik und das Wording. Er ist einfach … spitze.
Unser Freund Christian Andreas Hoske, Genealoge in der Bachstadt Eisenach fasst meinen Auftrag und das Ergebnis zusammen: „Ausgangspunkt dieser Recherche ist Ihr Vorfahre Johann Christoph Bach geboren am 16. Juli 1810 in Marbach. In Marbach konnte ich drei weitere Generationen ausfindig machen, nebst Nebenlinien. Stammvater der Marbacher Bachs ist ein Zacharias Bach geboren ca. 1688 Ort noch unbekannt, von ihm leiten sich alle Bachs aus Marbach ab.“
In Stuttgart fanden wir (… Renate und ich) zuvor – im Kirchenarchiv – zu Marbach am Neckar und zu Marbach, Gestüt und Vorort auf der Schwäbischen Alb, keinen einzigen Bach. Aber in Stuttgart sagte man uns, dass es bei Erfurt ein weiteres Marbach gäbe. Marbach am Neckar war uns durch seine Nähe zu Heilbronn bekannt, von Marbach auf der Schwäbischen Alb erfuhren wir von meinen Eltern. Zwischen der Enttäuschung, keinen Bach in diesen beiden Marbachs gefunden zu haben und den Vorort Marbach bei Erfurt als potentielles Ziel einzuordnen, lag ein Zeitraum von 0 Tagen und 0 Stunden, sodass es nach langen gedanklichen Recherchen – 14 Jahre später – erklärbar war, warum wir nicht selbst früher – via Wikipedia – nach weiteren „Marbachs“ in Deutschland gesucht hatten.
Zu Marbach bei Erfurt fand Christian Hoske also drei weitere Generationen in den Kirchenbüchern in Erfurt, zusammen mit Nebenlinien. Der Stammvater der Marbacher Bachs war ein Zacharias Bach, geboren 1688 in einem – zur Zeit seiner Recherche – noch unbekannten Ort. Von ihr leiten sich alle Bachs aus Marbach ab.
Dieser Zacharias stellte den ältesten nachweisbaren Ahnen meiner Vorfahren dar. Seine Eltern waren aber nicht zu ermitteln. Mit Zacharias endete demnach meine eigene Ahnenreihe damit zum weiteren Mal in einer Sackgasse.
Erst durch den Erhalt des handschriftlichen Stammbaumes zu den Bachs um Erfurt von Helga Brück, vier Meter breit und ein Meter hoch, konnten wir genau diesen Zacharias finden. Frau Brück nannte dieses gewaltige Papierdokument „ihren Schatz“. Und auch der Geburtsort und das Geburtsdatum konnten wir ermitteln. Es war der Januar 1698 in Bindersleben. Auf der Stammtafel des Familiengeschlechtes Bach in den Dörfern des Erfurter Bergkreises. Ausgehend von der Ursprungslinie Molsdorf (… nach T.S. Terry und Johann Sebastian Bach; Quellen: Kirchenbücher der Gemeinden im Erfurter Bergkreis und Bindersleben von 1780 ab, da die älteren durch Brand vernichtet sind). Die Gemeinde- und Kirchenakten von Bindersleben im Stadtarchiv Erfurt, bzw. bei der Archivstelle des ev. Kirchenministeriums, die Vogteirechnung der Voglei Allach, die Dorfchroniken von Bindersleben und SS-Vargula, ausgestellt voin Fritz Urbich, Erfurt, 1960 (… er stellte den Stammbaum handschriftlich her).
Aus diesem handschriftlichen Stammbaum geht eindeutig hervor, dass Zacharias klar mit unserer Christa Bach verwandt war und beide zur Binderslebener Linie gehören.
In einer historischen Ausgabe der „Gartenlaube“, eine frühe Vorform der heutigen Illustrierten, soll ein Artikel abgedruckt gewesen sein, der darauf hindeutete oder wenigstens weiterführte, ob die Äußerung des Johann Sebastian Bach in Gräfenroda authentisch und historisch korrekt ist. Alle Ausgaben der „Gartenlaube“ befinden sich in der Bibliothek der Universität Heidelberg. Dort verbrachte ich zwei komplette Tage, um nach diesem Bericht zu forschen. Ohne Ergebnis, aber nach viel spannender Lektüre zu anderen Themen, musste ich diese Nachforschung schließlich aufgeben.
Erst viele Jahre später stolperte ich nochmals über diese Bemerkung J.S. Bachs. Es stellte sich dabei heraus, dass sich eine Formulierung in einem Roman auf eine Äußerung von Bach bezog. Dabei ist von Bedeutung dass – erstens – vollkommen klar ist, dass Auszüge aus einem Roman nicht den Ansatz von Beweiskraft haben und – zweitens – sich diese Äußerung, wenn auch im Wortlaut ähnlich, von einer zweiten Passage unterscheidet, die sehr wohl historisch belegt ist. Zufälligerweise geht es in beiden Passagen um eine Übernachtung Bachs bei Verwandten in Bindersleben. Die Quellen sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Sequenz im Roman auf Passagen in Spittas Biografie über Bach aufbaut. Die zweite Äußerung entnehme ich allerdings einem Schriftstück, das in den 1960er-Jahren von einem kleinen lokalen Forscherteam entdeckt wurde und Spitta nicht zur Verfügung stand.
1895 druckte also „Die Gartenlaube“ (z. B. in den Heften 35, 38 und 39), einen Fortsetzungsroman ab, der ein Jahr später auch in Buchform erschien. Es war das Buch „Sturm im Wasserglase“ von Stefanie Keyser. Die für uns spannende Passage ist folgende:
„…, die sie in ein Ränzel packte; Thränen fielen mit hinein. „Wo will er denn herbergen, wenn er so in die Nacht hineinläuft?“ fragte geringschätzig die Wedemannin. „Bei einem der Vettern in Wechmar oder Moldsdorf, Bindersleben oder Erfurt,“ überlegte Sebastian. Die Muhme nickte voll Mißachtung. „Ja, ja, wo zehn Meilen in der Runde ein Orgelist spielt, ein Hausmann vom Turm bläst, ein Stadtpfeifer dudelt, ist es gewiß ein Bach. Und immer nur auf einem Bein gesessen, immer in der Welt herumgeflattert. Er wird es …“
Stefanie Keyser: Sie schrieb das Buch „Sturm im Wasserglase“. Dazu viele weitere Bücher, alle mit historischem Hintergrund.
Bemerkenswert dazu ist, dass Stefanie Keyser wohl sehr gut über die weit verzweigte Musikerfamilie Bach informiert war. Historisch ist es durchaus plausibel, dass Bach in diesen Orten Verwandte hatte. Die Erwähnung von Bindersleben im Roman ist kein Zufall, sondern spiegelt die damalige Kenntnis der Bach-Genealogie wider. Was spricht dafür, dass Stefanie Keyser recherchiert hat? Stefanie Keyser galt als Autorin kulturhistorischer Romane. Zeitgenossen lobten sie gerade für ihre gründliche historische Vorbereitung. Viele ihrer Werke beruhen auf intensiver Quellenarbeit.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erschienen zahlreiche heimatgeschichtliche Arbeiten über Thüringen und seine Musikerfamilien. Da Stefanie Keyser aus Sondershausen stammte und sich intensiv mit Thüringer Geschichte beschäftigte, könnte sie zusätzlich auf regionale Literatur oder Archivmaterial zurückgegriffen haben. Wikisource-Benutzer Aschroets glaubte, er hatte die entscheidende Spur gefunden:
„Die Passage in „Sturm im Wasserglase“ lässt sich sogar sehr wahrscheinlich direkt auf Philipp Spitta zurückführen … und nicht auf eine Reisebeschreibung Johann Sebastian Bachs, sondern auf Spittas Darstellung der Genealogie der Bachfamilie. Der entscheidende Satz bei Spitta lautet nämlich: „Dasselbe verließ Molsdorf im Anfange des 18. Jahrhunderts, um sich weiter nordwärts in Bindersleben bei Erfurt niederzulassen. Hier besteht es noch jetzt.“ Mit „Dasselbe“ meint Spitta den Molsdorfer Zweig der Bachfamilie. Er beschreibt also ausdrücklich, dass sich ein Teil dieser Familie von Molsdorf nach Bindersleben verlagerte. Das erklärt die Romanstelle erstaunlich gut. Stefanie Keyser lässt Sebastian Bach sagen: „… bei einem der Vettern in Wechmar oder Molsdorf, Bindersleben oder Erfurt …“. Vergleicht man beide Texte, ergibt sich ein klares Bild:
„Wechmar ist Ursprungsort der Familie Bach. In Molsdorf lebte ein Bach-Zweig. Der zog nach Bindersleben … genau dieser Zweig, nach Spitta, dorthin um. Schließlich nennt er das Zentrum mit der Erfurter Bach-Linie mit zahlreichen Verwandten.
Das wirkt keineswegs zufällig. Stefanie Keyser übernimmt praktisch die geographische Verteilung der Bachfamilie, wie Spitta sie schildert. Eine interessante Beobachtung: Im Roman werden Molsdorf und Bindersleben unmittelbar nebeneinandergestellt: „… Molsdorf, Bindersleben oder Erfurt …“. Genau diese Reihenfolge ergibt sich auch bei Spitta, weil er erklärt, dass der Molsdorfer Familienzweig nach Bindersleben übersiedelte. Das spricht dafür, dass Keyser Spittas Genealogiekapitel beim Schreiben tatsächlich vor sich liegen hatte.“ Wikisource-Benutzer Aschroets Schlussfolgerung: „Nach meiner Einschätzung ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch (… über 90 %), dass Stefanie Keyser diese Passage aus ihrer Lektüre von Spittas Johann Sebastian Bach entwickelt hatte.“
Selbstverständlich können Spittas Forschung und Keysers Roman damit nicht als Beweis dienen. Täten sie das, wäre meine komplette Seite auf dieser Homepage ja überflüssig. Das Wirken der beiden kann aber heute als ein Hinweis von mehreren sein, nämlich dass Johann Sebastian Bach tatsächlich auch Verwandte in Bindersleben hatte.
In den 1960er-Jahren forschte in der damaligen DDR ein kleines lokales Wissenschaftler-Team rund um Professor Günter Kraft nach der Herkunft der Bachs vor Veit. Diese Meisterleistung ist in meinem Kapitel „Genealogie der Musikerfamilie“ ausführlichst – beinahe episch – behandelt. Dabei gelangte ein Schriftstück in die Hände dieser kleinen Gruppe Lokalhistoriker. Und wenigstens ein Professor und eine Doktorin – also wirkliche Wissenschaftler – waren jetzt „mit von der Partie“. Es geht – in aller Kürze – um ein historisches Schriftstück in unzumutbar schlechter Handschrift. Weil es praktisch nicht lesbar war, wurde es – vielleicht auch deswegen – verschenkt. Vom Pfarrer in Gräfenroda an Frau Dr. Niemeyer, eine der Forscherinnen in Sachen Bach-Genealogie. Dieser Pfarrer meinte, das könne „ohnehin kein Schwein lesen“. Sie übergab es an Professor Kraft, der es allerdings durchaus lesen konnte. Es ist in ihm von einem Besuch des Thomaskantors in Gräfenroda die Rede. Der dortige Organist spielte mit Bach auf der Orgel, sie speisten miteinander und Bach lud ihn zu einem Gegenbesuch in Leipzig ein. Und Bach erwähnte, dass er noch nach Wechmar wolle, denn dort sollten Gräber sein, die zum Ursprung der Bache spannend waren. Schließlich äußerte sich Johann Sebastian Bach dazu, dass er danach zu seiner Sippe nach Bindersleben wolle. Wahrscheinlich war das der Plan für die Heimreise über Wechmar – oder wo er sonst primär gewesen war – fast ohne Umweg über Bindersleben nach Leipzig.
Frau Helga Brück beschäftigte sich umfassend und mit wissenschaftlichem Anspruch zu den Zusammenhängen der Bach-Zweige und Bach-Stämme rund um Erfurt und im Wirkungsbereich Johann Sebastian Bachs. In ihrer Art sind Erkenntnisse und auch Schlussfolgerungen von höchster Qualität als zweifelsfrei und auf dokumentierbarer Basis zu bewerten. Daraus ergibt sich ihre Vermutung des Entstehens der Binderslebener Linie aus der Molsdorfer Linie, von der auch der erste Biograf (… Johann Nikolaus Forkel) über Johann Sebastian Bach schrieb: ... In welchem Zusammenhange dieselben mit den vorher erwähnten Stämmen stehen, ist nicht zu sagen, aber es hieße das Unwahrscheinlichste annehmen, wenn man ihn zwischen Familien gleichen Namens (1) und vielfach gleicher Vornamen (2), die auf einem kleinen Flächenraume neben einander (3) wohnen, leugnen wollte...“ (… was eine ähnliche Bewertung darstellt, wie meine Frau Renate im Bereich „Scharf/Bach“ in Andisleben annimmt).
Das ist nun wirklich nicht wissenschaftlich: Ich bemühte ChatGPT, die KI meiner Wahl. ChatGPT bot seine Recherche an, die zu folgendem Wortlaut führte:
„Nachfolgend ist die Molsdorfer Linie in vereinfachter Form dargestellt, wie sie sich aus Philipp Spittas Darstellung und späteren genealogischen Forschungen ergibt. Dabei ist zu beachten, dass diese Molsdorfer Linie nicht zur direkten Abstammung von Johann Sebastian Bach gehört, sondern einen Seitenzweig der weit verzweigten Musikerfamilie Bach bildet“ (Mein Hinweis: Auch Seitenzweige sind mit JSB verwandt).
„Was über diese Linie bekannt ist: Georg Bach lebte in Molsdorf südwestlich von Erfurt. Sein Sohn Jakob Bach (*23. Mai 1655) diente als Corporal in einem kursächsischen Kürassier-Regiment und wurde Stammvater dieses Zweiges. Anfang des 18. Jahrhunderts zog die Familie nach Bindersleben bei Erfurt. Dort entwickelte sich erneut eine musikalische Tradition. Der bekannteste Vertreter war Johann Christoph Bach (1782–1846), der zwar hauptberuflich Landwirt war, aber als Organist und Komponist in Thüringen einen guten Ruf genoss. Die Binderslebener Linie ist also keine neue Familie, sondern die Fortsetzung der Molsdorfer Linie.“ Und dann meint ChatGPT …
„Ich korrigiere mich: Der vollständige Stammbaum der Binderslebener Linie zwischen Jakob Bach (1655) und Johann Christoph Bach (1782–1846) ist in Spittas Buch aber gerade nicht enthalten. Spitta überspringt nämlich mehrere Generationen. Die genaue Rekonstruktion beruht auf Kirchenbüchern und späteren genealogischen Arbeiten, insbesondere von Helga Brück und Kurt Hermann Frickel.
Das Interessante daran: Die Binderslebener Bache werden in der Forschung durchaus als Teil der Musikerfamilie Bach angesehen. Allerdings gehören sie nicht zu einer der berühmten Hauptlinien (… Erfurter, Arnstädter usw.), sondern bilden einen Nebenzweig, der in der Literatur lange wenig beachtet wurde. Deshalb findet man sie in vielen Stammtafeln gar nicht oder nur in einer Randbemerkung.“
Nochmals mein zu diesem Indiz abschließenden Hinweis, dass ich durchaus mit KI umzugehen weiß. Und das inklusiv der KI-Problematik im Sommer 2026, die sich daraus ergibt, dass ChatGPT – und wahrscheinlich alle anderen KIs auch – zu fantasieren beginnt, wenn sie keine oder keine bessere Antwort weiß. Bedenklich ist das dann, wenn die Information schließlich von ihr im „Brustton der Überzeugung“ postuliert wird. Für eine wissenschaftliche Arbeit würde ich jeden Halbsatz, den ChatGPT formuliert, mehrfach quellenunabhängig prüfen. Nur … ist diese Seite ja keine wissenschaftliche Arbeit.
Die Lutherrose ist das bekannteste Symbol des evangelischen Glaubens. Sie wurde von Martin Luther entworfen und veranschaulicht die Grundgedanken der Reformation: Das Kreuz im Herzen steht für den Glauben an Christus, die weiße Rose für Freude und Trost, der blaue Hintergrund für die Hoffnung auf das Himmelreich und der goldene Ring für die Ewigkeit Gottes. Und ja, die Grafik oben ist natürlich nicht von Martin Luther persönlich.
Genealogie in eigener Sache: Das passiert „in Schüben“. Mal ist man mächtig „im Thema drin“, dann ist da wieder eine Pause von vielen Monaten oder sogar Jahren. Dann kommt eine Mail und man „hüpft wieder hinein“, in die Thematik. Genealogie in eigener Sache ist ein „Marathon“. Ich glaubte vor 50 Jahren, es ist ein „Sprint“, nicht einmal über 100 Meter, sondern über nur 50. Im Ernst war ich der naiven Ansicht, meine Verbindung zu Johann Sebastian Bach an einem Samstagnachmittag klären zu können. Wie sehr hatte ich mich geirrt.
Zeitsprung ins Jahr 2026. Mit meinem Cousin Daniel wollte ich klären, ob auch seine Oma ihm vor vielen Jahren sagte, sie sollen mit Bach verwandt sein. Oder sie sind es. Daniel antwortete nur eine Stunde später und er schickte mir auch das Resultat zu einer Anfrage bei (s)einer KI. Und sie führte Eckwerte auf, die auf eine Verwandtschaft hindeuten. Und ein Hinweis war … dieselbe Religion. Was für eine Entdeckung … noch ein Indiz. Ich war begeistert. Und dieser Absatz entstand.
Ockham? Ockhams Rasiermesser? Hier gibt’s die Info.
Da ist eine weltberühmte Musikerfamilie, deren Zweige alle – urkundlich belegt und nachvollziehbar – miteinander verwandt sind. Die Eisenacher Bachs, die Arnstädter Bache, die Ohrdrufer Bäche, die Andislebener, der musikalische US-Zweig, der Rhön-Stamm, die Molsdorfer, die Erfurter Bachs, die Meininger und die Suhler Bachs … nur einige von insgesamt rund 25 bis 30 Seitenlinien, mit jeweils mindestens mehreren Berufsmusikern.
Und dann sind da die Binderslebener: vier Generationen, mehrere Musiker … und die Kirchenbücher sind verbrannt. Und Molsdorfer Bache zogen vorher nach Bindersleben um.
Und ausgerechnet dort gibt es dann zwei Bach-Familien, also noch eine separate Familie, die Bach heißt, hochmusikalisch ist und nicht mit allen anderen Bach-Zweigen verwandt?
Vergessen Sie’s!
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Alle scheiterten am Datenschutz. Aber jede Publikation ist "Gold wert". Frickel und Kock & Siegel findet ,man praktisch überhaupt nicht mehr, nicht einmal gebraucht. Von Helga Brücks Buch gibt es im Verlag "Bach 4 You" nur noch wenige Exemplare.
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